wechselte , was bei den Erlebnissen der letzten Zeit und mehr noch bei seinem von Natur beweglichen Gemüt nicht wohl wundernehmen konnte . Denn so gewiß er einen Hang nach dem Abenteuerlichen hatte , so gewiß überkam ihn auch , inmitten dieses Hanges , eine plötzliche Sehnsucht danach , die Hände in den Schoß zu legen und alles ruhig über sich ergehen zu lassen . Er war dann mit einem Male von der Vergeblichkeit alles Ankämpfens überzeugt und verlor in diesem ihn überkommenden Gefühl seiner Ohnmacht auch die Lust zum Kampf . » Ja , die Alte hat eigentlich ganz recht . Was ist all die Jahre bei meiner Auflehnung herausgekommen ? Nur Ärger und böses Blut . Und so geht es dann weiter , immer Zug um Zug , bis man sich das Messer in die Brust stößt . Ach , es ist besser , ich tue , was ich versprochen hab , und grüß ihn , anstatt ihn anzustarren und ein spöttisch Gesicht zu machen . Er ist der Stärkere , weil er im Dienst ist und die Gerichte neben und hinter sich hat . Und wer mit dem Stärkeren anbindet , solang er noch eine Wahl hat , der ist ein Narr . Wahrhaftig , was hab ich davon gehabt ? Nichts , als daß ich zwei Monate hinter Schloß und Riegel war und daß nun in meinen Akten steht : Bestraft . Und wer kann immer gleich erzählen , wie ' s kam und daß es eigentlich nichts war ; bestraft ist bestraft , und wenn man gefragt wird , wie ' s denn eigentlich mit einem stehe , so wird man rot und steht da , als ob man ein Galgenvogel wär oder einer , der den Leuten die Uhr aus der Tasche zieht . « In dieser Richtung gingen tagelang Lehnerts Betrachtungen , und mehr , er tat auch danach , und wenn er in der letzten Woche , bloß um einer Begegnung auszuweichen , den großen Umweg am Waldsaume hin gemacht hatte , so zwang er sich jetzt , die Begegnung geradezu zu suchen , nur um durch artigen Gruß oder auch wohl durch ein » Guten Morgen , Herr Förster « seinen Respekt zu bezeugen . Und Opitz freute sich dieser Wandlung und gefiel sich seinerseits darin , den Gnädigen zu spielen . Er trat jetzt öfter , wenn Lehnert vorüberging , mit einer Art wohlwollenden Behagens , an den Staketenzaun heran und verstieg sich nicht bloß zu Fragen und Scherzworten , sondern einmal sogar bis zur Inanspruchnahme kleiner Gefälligkeiten . » Ihr geht ja nach Arnsdorf , Lehnert . Bitte , nehmt das mit an den Grafen , und wenn Ihr bei Pohl vorbeikommt , so bringt mir eine Kruke Himbeersaft mit herauf . Oder lieber eine Flasche , wenn er ' s in Flaschen hat . Ich kann heut die Christine nicht schicken . « An solchen Annäherungen war eine Zeitlang kein Mangel , und Frau Menz berechnete sich schon , was , im Herbst , beim Gänseschlachten , auf das sie sich ganz vorzüglich verstand ( sie sang dann immer , wenn sie die Gans zwischen die Knie nahm und mit dem Messer zu bohren anfing , allerlei Wiegenlieder ) , an Federn und Fett für sie abfallen würde . » Ja , Lehnert , du siehst es nun . Ist es nicht besser so ? Haben wir nicht gute Tage ? Sage selbst ! « Aber diese guten Tage sollten nicht Dauer haben . Im Gegenteil , sie gingen so rasch , wie sie gekommen waren , und wie gewöhnlich war es ein bloßes Geklätsch , was den ersten Anstoß zu diesem Wiederhinschwinden gab . Christine , wohl wissend , welche Pläne Frau Menz mit ihr hatte , war jetzt oft drüben bei der Alten , öfter vielleicht , als gut war , und jedenfalls öfter , als sie sollte . Zu verdenken war es ihr freilich nicht , denn die Försterei , wenn Opitz im Wald war , war ein schweigsames , ja beinah ein melancholisches Haus , in dem wenig gesprochen wurde . Plaudern aber und sich aussprechen war Christinens größte Lust , und dazu gab es für sie keine bessere Gelegenheit als bei den Menzes drüben . Alles nahm ihr die Alte wie vom Munde weg , und wenn drüben bei Opitzens eine Maus gefangen oder ein Fliegenstock umgefallen war , so war es ein mitteilenswertes Ereignis , an das sich sofort allerlei Hoffnungen und Befürchtungen knüpften . Und zu solcher Plauderstunde war man eben wieder beisammen und genoß sie doppelt , weil Christine nicht mit leeren Händen , sondern mit einem Teller voll prächtiger Glaskirschen herübergekommen war , deren Heranreifen die alte Menz schon seit anderthalb Wochen mit Aufmerksamkeit verfolgt hatte . » Die schickt Euch die Frau Försterin « , sagte Christine . » Gott , Gott , die Frau Försterin ! Eine seelensgute Frau , das muß wahr sein , und alle wie frisch vom Baum und keine angestoßen . Aber er auch , er is auch gut ; ein bißchen bullrig und kollert gleich , aber wer es bloß versteht , der hat es gut mit ihm . Und wie soll er ' s denn auch anders machen ? Er muß doch auch welche anzeigen . Lehnert sagt es auch . Und sie sind ja jetzt ein Herz und eine Seele . « » Ja « , sagte Christine . » Das sind sie . Das heißt , solang es dauert . « » Wird schon dauern , Kind , wird schon . Warum soll es nicht dauern ? Sie haben sich nun beide die Hörner abgestoßen und sehen , daß Frieden besser ist als Krieg . Lehnert grüßt ihn und gafft ihm nicht mehr ins Gesicht . Guten Morgen , Herr Förster , sagt er . Und dann stehen sie beid ' an dem Staketenzaun und haben ihren Schnack . Und neulich hat ihm Opitz einen Zettel an den Grafen