aufhalten zu können - ich werde erwartet . « Jetzt nahm mein Gesicht einen kalten Ausdruck an : vermutlich erwartete ihn die Prinzessin - und der Gedanke war mir unangenehm . » Da will ich Sie nicht zurückhalten , Herr Oberstlieutenant , « entgegnete ich kalt . Ohne nur die Erlaubnis zu erbitten , wiederkommen zu dürfen , verbeugte er sich und ging . Der Fasching war zu Ende . Rosa und Lilli , meine Schwestern , hatten sich » ungeheuer amüsiert « . Jede verzeichnete ein halb Dutzend Eroberungen ; dennoch befand sich keine wünschenswerte Partie darunter und der » Rechte « war für keine erschienen . Desto besser : sie wollten gern noch ein paar Mädchenjahre genießen , ehe sie ins Ehejoch traten . Und ich ? In den roten Heften stehen meine Faschingseindrücke folgendermaßen notiert : » Ich bin froh , daß die Tanzerei vorüber ist . Es fing schon an , eintönig zu werden . Immer dieselben Touren und immer dieselben Gespräche und immer ein und derselbe Tänzer : - denn ob es nun der Husarenlieutenant X , oder der Dragonerlieutenant Y , oder der Ulanenrittmeister Z ist - es sind doch die gleichen Verbeugungen , die gleichen Bemerkungen , die gleichen Seufzer und Blicke . Nicht ein interessanter Mensch darunter , nicht einer . Und der einzige der allenfalls ... reden wir nichts von dem , der gehört ja seiner Prinzessin . Sie ist eine hübsche Frau , ja - zugestanden , aber ich finde sie sehr unsympathisch . « Obgleich der Fasching mit seinen großen Ballfesten zu Ende war , so hatten die geselligen Vergnügungen darum nicht aufgehört . Soiréen , Diners , Konzerte : der Wirbel dauerte fort . Auch eine große Liebhabertheatervorstellung ward in Aussicht genommen - dies jedoch erst nach Ostern . Für die Fastenzeit war doch eine Mäßigung in Vergnügen geboten - nach Tante Maries Ansicht mäßigten wir uns lange nicht genug . Daß ich die Fastenpredigten nicht regelmäßig besuchte , konnte sie mir nicht recht verzeihen , und sie entschädigte sich für meine Lauheit , indem sie Rosa und Lilli zu allen berühmten Kanzelrednern schleppte . Die Mädchen ließen sich das gern gefallen ; einmal trafen sie in den Kirchen mit ihrer ganzen gewohnten Koterie zusammen - Pater Klinkowström war ebensosehr Mode bei den Jesuiten , als die Murska in der Oper , und in zweiter Linie waren sie ja auch leidlich fromm . Aber nicht nur den Predigten , auch den Soiréen hielt ich mich während jener Fastenzeit ziemlich fern . Ich hatte plötzlich an geselligen Zusammenkünften den Geschmack verloren und liebte es , manchmal allein zu Hause zu bleiben - mit meinem Sohn zu spielen , und wenn der Kleine zu Bett gebracht war , mich mit einem guten Buch an das Kaminfeuer zu setzen und zu lesen . Zuweilen besuchte mich dann mein Vater und verplauderte ein bis zwei Stunden bei mir . Natürlich kamen die Feldzugserinnerungen dabei unablässig zum Vorschein . Ich hatte ihm Tillings Bericht über Arnos Ende mitgeteilt ; er nahm die Geschichte jedoch ziemlich kühl auf . Ob einer mit Schmerzen oder ohne Schmerzen geendet , schien ihm eine ganz nebensächliche Frage . » Geblieben « sein - wie der Tod auf dem Schlachtfelde heißt - war seiner Anschauung nach eine so rühmliche - durch ein so erhabenes Fatum herbeigeführte Sache , daß die Details der dabei allenfalls ausgestandenen körperlichen Leiden garnicht in Betracht kamen . In seinem Munde klang das » Geblieben « stets wie die neidende Konstatierung einer besonderen Auszeichnung , und die dem » Bleiben « nächstfolgende Annehmlichkeit war nach seiner Auffassung offenbar das » Blessiert « -werden . Die Art und Weise , wie er von sich mit Stolz und von den anderen mit Respekt erzählte , daß sie bei diesem oder jenem - nach irgend einer Ortschaft benannten - Gefecht verwundet worden , ließ einen ganz vergessen , daß das Ding eigentlich weh thun könne . Welch ein Unterschied mit der kurzen Erzählung Tillings : in der Schilderung der zehn Unglücklichen , welche , von dem platzenden Geschoß zerschmettert , in lauten Jammer ausbrachen - was lag da für ein anderer Ton erschütternden Mitleids darin ! Ich habe Tillings Worte meinem Vater nicht wiederholt , denn ich empfand instinktiv , daß ihm dieselben unsoldatenmäßig erschienen wären und seine Achtung vor dem Sprecher beeinträchtigt hätten , und das hätte mich verdrossen ; denn gerade der vielleicht unsoldatische , aber sicherlich menschliche Abscheu , mit welchem er das schreckliche Ende seiner Kampfgenossen geschaut und erzählt , war mir ins Herz gedrungen . Wie gern hätte ich mit Tilling über dieses Thema noch weiter gesprochen - aber er schien meine Bekanntschaft nicht pflegen zu wollen . Seit seinem Besuche waren vierzehn Tage vergangen und weder hatte er den Besuch wiederholt , noch war ich ihm in der Gesellschaft begegnet . Nur zwei- oder dreimal auf der Ringstraße und einmal im Burgtheater war ich seiner ansichtig geworden : er grüßte ehrerbietig , ich dankte freundlich - weiter nichts . Weiter nichts ? ... Warum klopfte mir bei diesen Gelegenheiten das Herz , warum konnte ich dann stundenlang die Gebärde seines Grußes nicht aus dem Sinn bringen ? ... » Liebes Kind , ich habe eine Bitte an Dich . « Mit diesen Worten trat eines Vormittags mein Vater bei mir ein . Er hielt ein papierumwickeltes Paket in der Hand , » hier bringe ich Dir etwas mit , « fügte er hinzu , das Ding auf einen Tisch legend . » Eine Bitte und ein Geschenk zugleich ? « lachte ich . » Das ist ja Bestechung . « » So höre mein Anliegen , ehe Du mein Geschenk auspackst und von dessen Pracht geblendet wirst . Ich habe heute ein langweiliges Diner - « » Ja , ich weiß ; drei alte Generäle mit ihren Frauen . « » Und zwei Minister mit den ihrigen ; kurz , eine feierliche , steife , einschläfernde Geschichte - « » Da