befehlend gesprochen . Sie eilte unterwürfig heran und brachte es ihm , wie eine zärtliche Sklavin . » Also wann wollen wir uns wieder sprechen ? « » Ich werde Ihnen schreiben , weil jetzt natürlich in der ersten Zeit ich möglichst vermeiden muß , mit Jemand zusammenzukommen . Aber mit Ihnen darf ich natürlich jetzt eine Ausnahme machen . « » Mündliche Abmachung ist besser . « » Nein , es , macht mir Vergnügen , Ihnen zu schreiben . Sie haben ja so viel geschrieben ; da kann ich doch auch schreiben , « sagte sie freundlich . » Schön . Also adieu . « Er wandte sich elegant auf den Hacken um , nachdem er sich kalt verbeugt . » Aber so geben Sie mir doch die Hand ! « klagte sie vorwurfsvoll . Er gab ihr nur die Fingerspitzen . Sie gab ihm bis zum Treppenabsatz das Geleit und sah ihm nach . - - Mehrere Tage verstrichen , welche Rother in dem denkbar krankhaftesten Zustand verbrachte . Er konnte kaum einen klaren Gedanken fassen oder vielmehr , all seine Gedanken drehten sich unablässig um den Punkt des einen großen Dilemmas : Wird sie über mein Bild in Wuth gerathen und mich compromittiren ? Würden wir Beide wirklich es durchsetzen , als Paar der Welt zu trotzen ? Ich habe ihr gewissermaßen falsche Vorspiegelungen gemacht oder besser , die falschen Vorstellungen , die sie und alle Andern nähren , nicht zerstört . Sie hält mich für vermögend genug , um ihr ein comfortables Heim zu bieten . Glaubt doch auch die Welt , daß der Ruhm eines Künstlers seinen Einkünften entspreche , während grade hier meist das Verdienst und der Verdienst nicht im Einklange stehen . Rother erbte allerdings einst von einem alten Erbonkel etwas Vermögen , aber das stand noch in weiter Zukunft . Den Rest jenes Abends , als er von ihr zurückkehrte , hatte er in großem Collegenkreis verbracht , wobei er am Abend in einem Café verschiedene langerwartete Zeichnungen von sich in illustrirten Blättern , mit großen Lobeserhebungen verbrämt , vorfand . Das wäre ihm früher wichtig und werthvoll gewesen , jetzt ließ es ihn völlig kalt . Die Sachen gewannen für ihn höchstens Werth , wenn sie ihr Auge darauf warf , sodaß er bei ihr an Ansehen wuchs . Wären sie nur etwas früher erschienen - aber jetzt waren Zeichnungen und Ruhmposaunen für ihn ohne alle Bedeutung . Als er an jenem Abend heimkehrte , fand er abschlägigen Bescheid betreffs einer akademischen Lehrstelle , um die er sich beworben . Das allein hätte ihn aufgeheitert : Er bedurfte eines festen Postens und Einkommens , um ihretwillen . Seine Kunst mochte darunter leiden , ja zum Teufel gehn , er selbst diese Bürde als schwere Mühsal auf den freien Künstlernacken laden - wenn sie nur glücklich , nur gerettet wurde ! Er wollte gern entbehren , wenn er ihr nur seidene Kleider stiften konnte . Ein Kuß von ihr schien mit hundert Dornenstichen nicht zu hoch bezahlt . Nach ein paar Tagen erhielt er folgendes Billett : » Herr Rother ! Es thut mir leid daß ich Ihrem Wunsche uns irgendwo zu sprechen nicht nachkommen kann aus dem Grunde Sie würden sich nur selbst compromitiren . Denn Herr Bammer hat eine neue Gemeinheit gegen mich ins Werk gesetzt . Diesen Morgen kam ein - - Kriminalbeamter ! und fragte nach mir . Er zeigte mir einen anonymen Brief worin stand die Polizei möchte ein wachsames Auge auf mich haben ich wäre bis 1. Juli in dem Café in Stellung gewesen , wäre ohne Grund fort und es sei zweifelhaft wovon ich lebe - - - - es sind einige Sachen in den Brief , die nur Bammer allein wissen kann , und ich kann schwören , daß es die Schrift seines Buchhalters war . Ich hatte per Zufall ein Stückchen Papier mit der Schrift des letztgenannten . Wir verglichen die Schrift und der Beamte war nun auch meiner Meinung : ich wußte wohl , daß es rachsüchtige Leute giebt , aber daß solche existiren , die nicht ruhen bis sie ihr Opfer vollends zu Grunde gerichtet haben , das glaubte ich nie und dies kann ja wohl noch geschehen . Was liegt mir an meinem Leben . Nahe daran war ich schon einmal . Heute bereue ich es daß ich so feig war . Nun zur Sache : geweint hatte ich heute nicht , denn ich habe es allzu oft in letzter Zeit gethan , aber der Beamte mag wohl ohne Thränen mein tiefes Leid erkannt haben und hatte Mitleid mit mir . Er tröstete mich und meinte die Sache bleibt ganz still , ein Ehrenmann kann frei auftreten und braucht keine anonymen Briefe zu schreiben und übrigens traut er meinem ehrlichen Gesicht . Ich hatte ihm dann auch noch den deutlichsten Beweis wovon ich es gezeigt ( es schmerzt mich zu sagen ) , einige Versatzungen . Nun Herr Rother wissen Sie mein neuestes Erlebniß - und nun bitte ich Sie dringend überlassen Sie mich gegenwärtig meinem Schicksal . Wenn es Gottes Wille ist , werden wir uns wohl wiedersehen , vermuthlich in besserer Zeit . Kränken Sie sich meinetwegen nicht , ich habe viel zu ertragen gelernt . Nun seien sie einstweilen bestens gegrüßt von Kathi K. « Rother schrieb ihr auf diesen rührenden Klageruf unverzüglich , daß dies ja allen alleinstehenden Mädchen in Berlin passire , da die Polizei in dieser Beziehung unumschränkte Befugnisse hat . Sprechen müsse er sie in jedem Fall . Sie möchten sich also zufällig auf der Stadtbahn sprechen , im Coupé selbst , um jede Möglichkeit des Aufsehens zu vermeiden . In einem Nachsatz theilte er ihr mit , daß der Zahlkellner wieder allen Gästen erzählt habe , die » Schöne Kathi « mache mit dem reichen Mühlenfabrikanten Eberhart ihre Hochzeitreise . Neulich sei sie großspurig in einer Droschke I. Classe vorübergefahren . Was bedeute das ? Nun » besser betrogen werden als