will ich mich handeln lassen . Und meinetwegen denn von den zwei Damen ein andermal ! Aber was bedeuten die fremden Namen ? Ich habe schon neulich danach gefragt , als du die Tüte brachtest . Aber was du da sagtest , war keine rechte Antwort , nur so halb . Ist es ein Geheimnis ? « » Nein . « » Nun denn sage . « » Gern , Lene . Diese Namen sind bloß Necknamen . « » Ich weiß . Das sagtest du schon . « » ... Also Namen , die wir uns aus Bequemlichkeit beigelegt haben , mit und ohne Beziehung , je nachdem . « » Und was heißt Pitt ? « » Pitt war ein englischer Staatsmann . « » Und ist dein Freund auch einer ? « » Um Gottes willen ... « » Und Serge ? « » Das ist ein russischer Vorname , den ein Heiliger und viele russische Großfürsten führen . « » Die aber nicht Heilige zu sein brauchen , nicht wahr ... ? Und Gaston ? « » Ist ein französischer Name . « » Ja , dessen entsinn ich mich . Ich habe mal als ein ganz junges Ding , und ich war noch nicht eingesegnet , ein Stück gesehn : Der Mann mit der eisernen Maske . Und der mit der Maske , der hieß Gaston . Und ich weinte jämmerlich . « » Und lachst jetzt , wenn ich dir sage : Gaston bin ich . « » Nein , ich lache nicht . Du hast auch eine Maske . « Botho wollte scherz- und ernsthaft das Gegenteil versichern , aber Frau Dörr , die gerade wieder eintrat , schnitt das Gespräch ab , indem sie sich entschuldigte , daß sie so lange habe warten lassen . Aber eine Bestellung sei gekommen , und sie habe rasch noch einen Begräbniskranz flechten müssen . » Einen großen oder einen kleinen ? « fragte die Nimptsch , die gern von Begräbnissen sprach und eine Passion hatte , sich von allem dazu Gehörigen erzählen zu lassen . » Nu « , sagte die Dörr , » es war ein mittelscher ; kleine Leute . Efeu mit Azalie . « » Jott « , fuhr die Nimptsch fort , » alles is jetzt für Efeu und Azalie , bloß ich nich . Efeu is ganz gut , wenn er aufs Grab kommt und alles so grün und dicht einspinnt , daß das Grab seine Ruhe hat und der drunter liegt auch . Aber Efeu in ' n Kranz , das is nich richtig . Zu meiner Zeit , da nahmen wir Immortellen , gelbe oder halbgelbe , und wenn es ganz was Feines sein sollte , denn nahmen wir rote oder weiße und machten Kränze draus oder auch bloß einen und hingen ihn ans Kreuz , und da hing er denn den ganzen Winter , und wenn der Frühling kam , da hing er noch . Un manche hingen noch länger . Aber so mit Efeu oder Azalie , das is nichts . Un warum nich ? Darum nicht , weil es nich lange dauert . Un ich denke mir immer , je länger der Kranz oben hängt , desto länger denkt der Mensch auch an seinen Toten unten . Un mitunter auch ' ne Witwe , wenn sie nich zu jung is . Un das is es , warum ich für Immortelle bin , gelbe oder rote oder auch weiße , un kann ja jeder einen andern Kranz zuhängen , wenn er will . Das is denn so für den Schein . Aber der immortellige , das is der richtige . « » Mutter « , sagte Lene , » du sprichst wieder soviel von Grab und Kranz . « » Ja , Kind , jeder spricht , woran er denkt . Un denkt einer an Hochzeit , denn redt er von Hochzeit , un denkt einer an Begräbnis , denn redt er von Grab . Un ich habe nich mal angefangen , von Grab un Kranz zu reden , Frau Dörr hat angefangen , was auch ganz recht war . Un ich spreche bloß immer davon , weil ich immer ' ne Angst habe un immer denke : ja , wer wird dir mal einen bringen ? « » Ach Mutter ... « » Ja , Lene , du bist gut , du bist ein gutes Kind . Aber der Mensch denkt un Gott lenkt , un heute rot un morgen tot . Un du kannst sterben so gut wie ich , jeden Tag , den Gott werden läßt , wenn ich es auch nich glaube . Un Frau Dörr kann auch sterben oder wohnt denn , wenn ich sterbe , vielleicht woanders , oder ich wohne woanders un bin vielleicht eben erst eingezogen . Ach , meine liebe Lene , man hat nichts sicher , gar nichts , auch nich mal einen Kranz aufs Grab . « » Doch , doch , Mutter Nimptsch « , sagte Botho , » den haben Sie sicher . « » Na , na , Herr Baron , wenn es man wahr is . « » Und wenn ich in Petersburg bin oder in Paris und ich höre , daß meine alte Frau Nimptsch gestorben ist , dann schick ich einen Kranz , und wenn ich in Berlin bin oder in der Nähe , dann bring ich ihn selber . « Der Alten Gesicht verklärte sich ordentlich vor Freude . » Na , das is ein Wort , Herr Baron . Un da hab ich doch nu meinen Kranz aufs Grab und is mir lieb , daß ich ihn habe . Denn ich kann die kahlen Gräber nich leiden , die so aussehn wie ' n Waisenhauskirchhof oder für die Gefangenen oder noch schlimmer . Aber nu mach einen Tee , Lene , das Wasser kocht un bullert schon , un Erdbeeren und Milch sind auch da . Un