unter den jetzigen Umständen nicht mehr machen zu können , aber verlernen wollte er nichts , und schon das forderte ein ganz knappes Wirtschaften mit der Zeit . Lotti hatte seiner raschen Auseinandersetzung herzlich zugestimmt . » Du bist recht zufrieden ? « fragte sie plötzlich . » Recht zufrieden « , wiederholte er , vermied aber dabei , dem freundlich forschenden Blick zu begegnen , den sie auf ihn heftete . Gottfried hatte das Zimmer kaum verlassen , als Agnes mit der Meldung erschien , Herr von Halwig sei da und wünsche das Fräulein zu sprechen . » Es muß ihm etwas sein « , flüsterte die Alte , und ihr vertrocknetes Gesicht geriet in das blitzende Zucken , das bis zum Äußersten gespannte Neugier auf demselben hervorzurufen pflegte . » Was ihm wohl sein mag ? « » Laß ihn doch kommen ! « rief Lotti , und schon , nach einem leichten Pochen an der Tür , trat Halwig so eilig ein , wie die alte Agnes sich langsam und zögernd entfernte . » Entschuldigen Sie die frühe Stunde , ich werde Sie nicht lange stören « , sprach er , » ich bin nur da , um Ihnen für Ihre Güte gegen meine Frau zu danken und um Ihnen zu sagen , wie sehr leid es mir tut , bei Ihrer ersten Begegnung mit Agathe nicht gegenwärtig sein zu können ... Nein , nein ! « fügte er ablehnend hinzu , da ihm Lotti einen Sessel anwies , » ich setze mich nicht , ich bleibe , mit Ihrer Erlaubnis , hier an dem Platze Gottfrieds stehen , Ihnen gegenüber , Fräulein Lotti ... « Er sprach hastig und abgebrochen , mit sichtbarer Mühe , die raschen Atemzüge zu verbergen , die seine Brust ängstlich beklemmend hoben . » Was fehlt Ihnen , Halwig ? « fragte Lotti und trat an seine Seite , » Sie sehen schrecklich aufgeregt und übermüdet aus . « » Die natürliche und völlig unschädliche Folge einiger am Schreibtisch durchwachten Nächte ... das geht vorüber ... Sehen Sie mich nur recht an - nur recht tief , nur recht lang , mit Ihren milden , frommen , friedlichen Augen - es tut mir wohl und beruhigt mich , und ich brauche Ruhe zu dem schweren Gang , den ich heute zu machen habe ... « Er hielt inne , und Lotti sagte nach kurzem Schweigen sanft und eindringlich : » Fahren Sie fort , schenken Sie mir Ihr ganzes Vertrauen ... Sie wissen , Sie müssen sich noch erinnern , wie großen Wert ich auf Ihr Vertrauen lege . Darin , lieber Freund , habe ich mich nicht verändert . « » Ja , ja ! fordern Sie Vertrauen von mir , lehren Sie mich wieder Vertrauen haben « , rief er , » ich habe das inmitten der Mißgunst , die mich umgibt , verlernt . « » Halwig , diese Mißgunst - besteht sie nicht vielleicht einzig und allein in Ihren selbstquälerischen Einbildungen ? ... Ich frage nur - « beeilte sie sich entschuldigend einzuwerfen , als er im Begriffe schien , heftig aufzufahren . » Weisen Sie mich zurecht , wenn ich irre ... Halwig - Sie haben neulich von jemand gesprochen , der Ihnen riet , sich Ruhe zu gönnen - dem stimm ich bei , sein Rat war gut . « » Er wäre gut , wenn sich ein Zeichen des Überreizes , des Verfalls in meinen letzten Arbeiten finden ließe ... Das läßt sich darin nicht finden ! ... Mit jedem Werke , welches ich in die Welt sende , wächst meine Popularität , es gibt keine Zeitschrift , kein Journal , das nicht um meine Mitarbeiterschaft buhlt ; wenig Autoren dürfen sich rühmen , soviel gelesen zu werden wie ich . - In faden Harmlosigkeiten freilich darf ich mich dabei nicht ergehen , auf einige Verblüffung läuft es immer hinaus - dem Geschmack der Zeit muß man Konzessionen machen ... man muß ... Welcher Künstler ist groß geworden und hat das nicht getan ? ... Lesen Sie , lesen Sie doch einmal eines meiner Bücher und sagen Sie dann , ob ich mich , wie der schöne Ausdruck lautet , ausgeschrieben habe ? Ob ich verwässere und verflache ? « Er stieß ein kurzes Gelächter aus und versank in Gedanken , aus denen ihn Lotti mit den Worten weckte : » Sie sprachen von einem unangenehmen Gang , den Sie zu machen haben ... « » Unangenehm ist ein milder Ausdruck . Abscheulich , gräßlich soll es heißen ... Ich will Ihnen sagen , was ich zu tun habe : einem Menschen gute Worte geben , dem ich am liebsten einen Fußtritt gäbe ... aber ich stehe in seiner Schuld , und mir bleibt nichts übrig , als - « die Augen funkelten ihm vor Zorn , und er warf die Lippen verächtlich auf - , » als mich vor ihm zu demütigen . « » Eine - eine Geldschuld ? « fragte Lotti zaghaft . » Nein - ja - wie man will ... Ich habe mich herbeigelassen , eine Vorauszahlung von ihm anzunehmen auf einen Roman , der im Feuilleton seiner Zeitschrift erscheinen soll ... und kann dieser Verpflichtung nicht nachkommen ... es ist mir unmöglich , trotz all meiner Arbeitskraft , all meines Fleißes . Heute sollte ich meinen ersten Band abliefern , und heute muß ich das Geständnis ablegen , daß er noch nicht begonnen ist - muß um Zeit bitten , um Geduld - - « » Wär ' s nicht besser , den peinlichen Vertrag ganz zu lösen , Halwig ? « sprach Lotti . » Das kann ich nicht - « » Wenn Sie ihm die erhaltene Summe zurückerstatten würden ... « » Das kann ich nicht ! « wiederholte er übereilt und verbesserte sich sogleich : » Darauf ginge er nicht ein - der Seelenverkäufer läßt mich gewiß nicht los ... Aber - darf ich '