Toten auferstehen . « » Ehe aber Gott seine Wunder tut « , so schloß Kümmeritz das Gespräch , » sollen wir uns seiner Wunder würdig machen . Nicht wahr , Miekley ? Wir sollen die Hände nicht in den Schoß legen . Die Alt-Landsberger Mäher haben gemäht ; wenn der König ruft , wer von uns noch Kraft hat zu mähen , der mähe mit . Ich bin ' s entschlossen . Das Letzte für Preußen und den König . « Die Bauern standen auf und gingen nach entgegengesetzten Richtungen die Dorfgasse entlang . Nach Norden hin glühte ein roter Schein am Himmel auf . » Ist das Feuer ? « fragte Krull . » Nein « , sagte Miekley , » es ist ein Nordlicht , der Himmel gibt seine Zeichen . « Achtes Kapitel Hoppenmarieken Hoppenmarieken wohnte auf dem » Forstacker « , an dessen Rande sich , seit hundert Jahren und länger , eine aus bloßen Lehmkaten bestehende Straße gebildet hatte . Diese Straße , von den Hohen-Vietzern immer als etwas Fremdes angesehen , stand rechtwinklig zu dem eigentlichen Dorf , nahm hundert Schritt hinter dem Mühlengehöft ihren Anfang und stieg hügelan , in Parallellinie mit der mehrerwähnten , die Auffahrt zum Herrenhause fortsetzenden Nußbaumallee . Es war das Armenviertel von Hohen-Vietz , zugleich die Unterkunftsstätte für alle Verkommenen und Ausgestoßenen , eine Art stabil gewordenes Zigeunerlager , das Abgang und Zugang erfuhr , ohne daß sich die Dorfobrigkeit im einzelnen darum gekümmert hätte . Der » Forstacker war immer so « . So ließ man es gehen und griff nur ein , wenn grober Unfug eine Bestrafung durchaus erforderte . Wie der moralische Stand des Forstackers , so war auch seine Erscheinung . Die Hütten seiner Bewohner unterschieden sich von den in Front und Rücken derselben stehenden Kofen in nichts als in dem Herdrauch , der aus ihren Dächern aufwirbelte . Der Schnee , der jetzt alles überdeckte , stellte vollends eine Gleichheit her . In der letzten , schon auf halber Höhe des Hügels gelegenen Lehmkate wohnte , womit wir unser Kapitel begannen , Hoppenmarieken . Die Kofen fehlten ; statt dessen faßte ein Heckenzaun das Häuschen ein , welches letztere nach vornhin eine Tür und ein Fenster , sonst aber nirgends einen Eingang oder eine Lichtöffnung hatte . Ein Würfel mit bloß zwei Augen . Das Innere bestand aus wenig Räumen . Der Flur , der nach hinten zu zugleich die Kochgelegenheit hatte , war ebenso schmal wie tief , dazu völlig dunkel ; in Sommerszeit aber erhielt er Licht durch die offenstehende Tür , während im Winter das auf dem Herd brennende Feuer aushelfen mußte . Neben dem Flur lag die Stube ; hinter dieser der Alkoven . So war Hoppenmariekens Haus . Wer aber war Hoppenmarieken ? Hoppenmarieken war eine Zwergin . Wo sie eigentlich herstammte , wußte niemand mit Bestimmtheit zu sagen . Die älteren Hohen-Vietzer erzählten , daß sie vor etwa dreißig Jahren ins Dorf gekommen und als eine halbe Landstreicherin , wie manche andere vor ihr und nach ihr , mit wenig günstigen Augen angesehen worden sei . Der damals lebende Gutsherr aber , Berndt von Vitzewitz Vater , habe Mitleid mit ihr gehabt und die entgegenstehenden Bedenken mit der halb scherzhaften Bemerkung niedergeschlagen : » Dafür haben wir den Forstacker . « Schon damals , so hieß es , habe sie so ausgesehen wie jetzt , ebenso alt , ebenso häßlich , habe dieselben hohen Wasserstiefel , dasselbe Kopftuch getragen und sei , damals wie heute , schon auf weithin kennbar gewesen durch den roten Friesrock , die Kiepe auf ihrem Rücken und den mannshohen , krummstabartigen Stock in ihrer Hand . Hoppenmarieken , soviel stand fest , hatte sich seitdem auf dem Forstacker eingebürgert und war in der ganzen Südhälfte des Oderbruchs die allergekannteste Person . Dafür sorgte neben ihrer Erscheinung auch ihr Geschäft . Sie hatte deren mehrere . Zunächst war sie Botenläuferin . Dreimal die Woche , wie immer auch Weg und Wetter sein mochte , brach sie , je nach dem Postengange , früh morgens oder spät abends auf , empfing Briefe , Zeitungen , Pakete und kehrte zwölf Stunden später , sei es von Frankfurt oder von Küstrin , nach Hohen-Vietz zurück . Und dieser Botendienst , wie er sie überall bekannt gemacht hatte , machte sie schließlich , trotz allem , was dann und wann gegen sie laut wurde , auch wohlgelitten . Jedes freute sich , Hoppenmarieken über den Hof kommen und durch eine eigentümliche Bewegung ihres Stockes , die etwas Tambourmajorhaftes hatte , angedeutet zu sehen : » Ich bringe Neuigkeiten . « Alle Landposten sind wohlgelitten . Diese Botendienste bildeten aber nur die Basis ihrer Existenz ; wichtiger für sie oder doch wenigstens einträglicher war das Kommissionsgeschäft , das sie nebenbei betrieb . Der Eierhandel aller Dörfer anderthalb Meilen um Hohen-Vietz herum lag eigentlich in ihrer Hand , wobei sie sich doppelter Provisionen zu versichern wußte . Dies ermöglichte sich dadurch , daß das ganze Geschäft auf Tausch beruhte . Eine Bauerfrau in Zechin oder Wuschewier , die sich ein neues Kopftuch wünschte , setzte sich , wenn Hoppenmarieken des Weges kam , mit dieser in Verbindung , packte ihr einen bereitgehaltenen Hahn samt ein paar Stiegen Eier in die Kiepe und überließ es nun ebenso ihrem Genius wie ihrer Diskretion , das Kopftuch zu beschaffen . Es kam vor , daß in diesem oder jenem Artikel Hoppenmarieken den ganzen Markt bestimmte . Man sah in diesen Vorteilen , die ihr zufielen , einen ehrlichen Verdienst und hatte recht darin . Aber nicht all ihr Verdienst war so ehrlicher Natur . Auf dem Forstacker wohnten Leute , die , selbst übel beleumdet , ihr böse Dinge nachsagten . Aber auch im Dorfe selbst wußte man davon zu erzählen . Die liederlichen Dirnen schlichen sich abends in ihr Haus ; sie wahrsagte , sie legte Karten . Sonntags war sie immer in der Kirche und sang mit ihrer rauhen