meiner Brust . Und was hast du aus mir gemacht ? ... Weniger wert bin ich worden durch dich - an Lug und Trug hast du mich gewöhnt , und meine Schuldigkeit hab ich um dich versäumt ... Schweig ! « gebot sie , als er sie unterbrechen wollte , » ich werf dir nichts vor , dir nichts - alles , alles nur mir ! Du kannst vielleicht nicht anders ... Ich aber hätte anders gekonnt , und ich hab zehnfach gefrevelt , denn ich hab gefrevelt gegen meine Natur . Das geht so eine Weil - man ist ja wie betrunken - , aber die Stunde kommt , wo man erwacht ... ... Mir ist sie gekommen - fürchterlich - und darum muß ich jetzt fort ; und - darum , Bernhard , sag ich dir jetzt Lebewohl . « Und wieder wandte sie sich , und wieder stürzte er ihr in den Weg . Alles in ihm , seine Leidenschaft , seine Eitelkeit , sein Trotz empörten sich gegen die Trennung von ihr . » Ich laß dich nicht ! « schrie er . » Ich rufe das ganze Haus zusammen , laufe hinüber zu deinen Herrenleuten und sage ihnen , daß du entfliehen willst ! « » Das tust du nicht « , sagte sie und war wieder völlig ruhig und gefaßt . Mit ausgebreiteten Armen stellte sie sich vor die Tür . » Ich binde und kneble dich , wenn du mir drohst , bei meiner armen Seele : ich tu ' s. - Werd ich fertig mit dir oder nicht , wenn ich will - was meinst ? Willst du die Schande erleben , daß sie dich morgen so finden und hören , daß dich ein Weib gebunden hat ? « Zornig und beschämt trat Bernhard zurück . Nein , mit Gewalt war gegen Bozena nichts auszurichten , und doch : verlieren konnte er sie nicht ! Zu köstlich war ihr Besitz . Ist sie nur durch Güte und Demut wiederzugewinnen - wohlan , er übt Güte und Demut ! Er warf sich vor ihr nieder , er küßte weinend den Saum ihres Kleides und flehte mit gerungenen Händen : » Bleib bei mir , Bozena ! « Aber die Stimme , der sie sonst gefolgt wäre , und hätte sie aus dem Abgrund der Hölle nach ihr gerufen , hatte ihren alten Zauber eingebüßt . Noch bewegte , noch erschütterte ihr Klagen das Herz Bozenas , doch brach es ihren Willen nicht mehr . Sie hatte auf den Schrei der Sehnsucht ihres Geliebten keine Antwort als ein schmerzliches » Leb wohl ! « . Da sah er zum letztenmal zu ihr empor - angstvoll - fragend - erwartungsvoll - - und begriff endlich , daß alles vorüber war . Er sprang auf ; keuchend und stöhnend stürzte er sich auf sein Bett und wühlte seinen Kopf in die Kissen . Bozena warf einen letzten Blick auf ihn und verließ das Gemach . In menschenfeindlichster Stimmung war Herr Heißenstein nach drei Tagen von seiner Fahrt zurückgekehrt . Als Frau Nannette ihm die Entweichung Bozenas mitteilte , äußerte er nicht das geringste Befremden . Er war und blieb schweigsam und undurchdringlich . Nannette mußte die raffinierten Künste , auf welche neugierige Frauen sich verstehen , anwenden , um ihm nur eine dürftige Kunde seiner Erlebnisse zu entlocken . Alles , was sie schließlich erfuhr , bestand darin , daß Rosa anständig untergebracht und das Regiment Fehses weitermarschiert sei nach Ungarn . » Er wird sie jetzt heiraten müssen , es bleibt nichts andres übrig - « sagte Nannette und warf einen lauernden Blick auf ihren Mann . Dieser war damit beschäftigt , Schriften zu ordnen , die er einem eisernen , in die Wand eingelassenen Schrank entnommen , der zur Aufbewahrung von Wert- und Familienpapieren diente . Aus einer großen Anzahl vergilbter Blätter hatte er den Trauschein seiner ersten Frau und den Taufschein Rosas hervorgesucht und sie auf dem Schreibtische ausgebreitet . Nannette bot sich an , den Rest » in das Archiv « , wie sie großartig sagte , zurückzutragen , aber der undankbare Gatte belohnte ihren guten Willen nur durch ein mürrisches : » Laß gut sein ! « Er holte aus dem Schranke ein dünnes Päckchen , auf dessen Umschlag geschrieben stand : » Meiner Tochter Rosa mütterliches Erbe « , und begab sich damit zum Schreibtisch zurück . Frau Nannette schlich ihm nach auf Schritt und Tritt , sie gab sich die erdenklichste Mühe , eine sanfte Duldermiene anzunehmen , und wiederholte mit einem tiefen Seufzer , durch den trotz aller Anstrengung , ihn zu unterdrücken , ein Laut des Jubels und Triumphes sich Luft machte : » Er wird sie jetzt heiraten müssen , es bleibt ihm nichts andres übrig . « Abfertigend , ohne sie anzusehen , erwiderte Heißenstein : » Natürlich . « Dieses beunruhigte sie . Soll zuletzt noch alles glücklich enden für die ungeratene Tochter ? Nannettens Angst vor einem solchen Ausgange überwand einen Augenblick ihre Furcht vor ihrem Manne . Mit grimmiger und etwas spöttischer Freundlichkeit sagte sie - und dabei zitterte in ihrem linken Mundwinkel ein Nerv wie ein frierendes Küchlein im Neste : » Du verzeihst wohl ? ... Du gibst wohl deinen Segen ? « Er fuhr auf . » Ich ? ! « donnerte er sie an und schlug mit der Faust auf den Tisch , daß das Zimmer dröhnte und daß Frau Nannette einer Ohnmacht nahe war . O Himmel ! ... So wie jetzt hatte er ausgesehen in jenem unvergeßlichen Zornesausbruch , in dem er das zarte Pflänzchen ihres Mutes so unbarmherzig knickte , daß es seitdem nur noch kränkliche Schößlinge trieb ... Nannette empfand plötzlich eine ganz merkwürdige Schwäche in den Knien und glaubte wahrhaftig , sie werde umsinken . Das aber geschah nicht , denn ihr Mann äußerte den Wunsch , allein zu bleiben , durch ein bündiges : » Hinaus ! « Und sie trat sofort