und die ewige Stadt war für die Goten erhalten . Der Präfekt aber eilte nach seinem Hause am Fuß des Kapitols , schloß sich ein und schrieb eifrig seinen Bericht an die Regentin . Jedoch ungestüm pochte es alsbald an der ehernen Vortür des Hauses . Es war Lucius Licinius , der junge Römer , den wir in den Katakomben kennengelernt : er schlug mit dem Schwertknauf gegen die Pforte , daß das Haus dröhnte . Ihm folgten Scävola , der Jurist - er war unter den Eingesperrten gewesen - mit schwer gefurchter Stirn und Silverius , der Priester , mit zweifelnder Miene . Vorsichtig lugte der Ostiarius an der Türe durch eine verborgne Luke in der Mauer und ließ , als er Licinius erkannte , die Männer ein . Heftig stürmte der Jüngling den andern voraus den ihm wohlbekannten Weg durch das Vestibulum , das Atrium und dessen Säulengang in das Studierzimmer des Cethegus . Dieser , als er die hastig nahenden Schritte vernahm , erhob sich von dem Lectus , auf den hingestreckt er schrieb , und verschloß seine Briefe in einer Kapsula mit silberner Kuppel . » Ah , die Vaterlandsbefreier ! « sagte er lächelnd und trat ihnen entgegen . » Schändlicher Verräter ! « schrie ihn Licinius an , die Hand am Schwert - der Zorn ließ ihn nicht weitersprechen , er zückte halb das breite Eisen aus der Scheide . » Halt , erst laß ihn sich verteidigen , wenn er kann , « keuchte , dem Stürmischen in den Arm fallend , Scävola , der jetzt nachgekommen war . » Es ist unmöglich , daß er abgefallen von der Sache der heiligen Kirche , « sprach Silverius im Eintreten . » Unmöglich ? « lachte Licinius , » wie ? seid ihr toll oder bin ich ' s ? Hat er nicht uns , die Ritter , in ihren Häusern festhalten lassen ? Hat er nicht die Tore gesperrt und den Pöbel für den Barbaren vereidigt ? « - » Hat er nicht , « sprach Cethegus fortfahrend , » die edeln Väter der Stadt , dreihundert an der Zahl , in der Kurie wie soviel Mäuse in der Mausfalle gefangen , dreihundert hochadlige Mäuse ? « - » Er höhnt uns noch ! Wollt ihr das dulden ? « rief Licinius . Und Scävola erbleichte vor Zorn . » Nun , und was hättet ihr getan , wenn man euch hätte handeln lassen ? « fragte der Präfekt ruhig , die Arme auf der breiten Brust kreuzend . » Was wir getan hätten ? « antwortete Licinius , » was wir - was du mit uns hundertmal verabredet ! Sobald die Nachricht von dem Tod des Tyrannen eintraf , hätten wir die Goten in der Stadt erschlagen , die Republik ausgerufen und zwei Konsuln ernannt - « - » Namens Licinius und Scävola , das ist die Hauptsache . Nun , und dann ? Was dann ? « - » Was dann ? die Freiheit hätte gesiegt ! « » Die Torheit hätte gesiegt ! « herrschte Cethegus losbrechend den Erschrocknen an . » Wie gut , daß man euch die Hände band : ihr hättet alle Hoffnung erwürgt , auf immer . Seht her und dankt mir auf den Knieen ! « Er nahm Urkunden aus einer andern Papyruskapsel und gab sie den Erstaunten . » Da , lest . Der Feind war gewarnt und hatte seine Schlinge meisterhaft um den Nacken Roms geschürzt . Wenn ich nicht handelte , so stand in diesem Augenblick Graf Witichis mit zehntausend Goten vor dem Salarischen Tor im Norden , morgen sperrte der junge Totila mit der Flotte von Neapel im Süden die Tibermündung , und gegen das Grabmal Hadrians und das Aurelische Tor war Herzog Thulun mit zwanzigtausend Mann von Westen her im Anzug . Hättet ihr heute früh einem Goten ein Haar gekrümmt , was wäre geschehen ? « Silverius atmete auf . Die beiden andern schwiegen beschämt . Doch faßte sich Licinius : » Wir hätten den Barbaren getrotzt hinter unsern Mauern , « sprach er , mutig das schöne Haupt aufwerfend . - » Ja . So wie ich diese Mauern herstellen werde - eine Ewigkeit , mein Licinius : wie sie jetzt sind - nicht einen Tag . « - » So wären wir gestorben als freie Bürger , « sprach Scävola . » Das hättet ihr vor drei Stunden in der Kurie auch gekonnt , « lachte Cethegus achselzuckend . Silverius trat mit offnen Armen , wie um ihn zu küssen , auf ihn zu ; vornehm entzog sich Cethegus : » Du hast uns alle , du hast Kirche und Vaterland gerettet ! Ich habe nie an dir gezweifelt ! « sprach der Priester . Da ergriff Licinius die Hand des Präfekten , die dieser ihm willig ließ : » Ich habe an dir gezweifelt , « rief er mit schöner Offenheit , » vergib , du großer Römer . Dies Schwert , das dich heute durchbohren sollte , dir ist es fortan für ewig zu Dienst . Und bricht der Tag der Freiheit an , dann keine Konsuln , dann salve , Diktator Cethegus ! « Und mit leuchtenden Augen eilte er hinaus . Der Präfekt warf ihm einen befriedigten Blick nach . » Diktator , ja , doch nur bis zur vollen Sicherheit der Republik ! « sprach der Jurist und folgte ihm . » Jawohl , « lächelte Cethegus , » dann wecken wir Camillus und Brutus wieder auf und führen die Republik da fort , wo sie diese vor tausend Jahren gelassen . Nicht wahr , Silverius ? « - » Präfekt von Rom , « sprach der Priester , » du weißt , ich hatte den Ehrgeiz , die Sache des Vaterlands wie der Heiligen zu leiten : ich hab ' ihn nicht mehr seit dieser Stunde . Dein sei die Führung , ich folge . Gelobe nur das Eine : Freiheit