Du liebes Freundeshaus in Feindesland , was in dir weiter mit mir gewesen ist , das weiß ich nicht mehr zu denken . Das braune Mädchen hat seine Hand oftmals an meine Stirne gelegt . Wär ' s dazumal dazu gekommen , es wär ' ein schönes Sterben gewesen . Es hat sich anders zugetragen . Noch heute hör ' ich den Schlag , der die Hüttentür hat zertrümmert . Kriegsgefährten sind eingedrungen , haben den alten Mann mißhandelt und das braunfärbige Mädchen von meinem Lager gestoßen . Mich haben sie davongetragen , hin durch den Sturm und hin durch die Wildnisse - dem Heere nach . Mir aber ist gewesen , als täten sie mich schleppen aus der Heimat fort .... Gottes ist die Welt überall . Aber die Gefährten haben mich nicht zurückgelassen ; das hat mich doch wieder im Herzen gefreut . Fest und treu will ich sein , will zu ihnen halten und meinem großen Feldherrn dienen . Am Rhein bin ich genesen . Und zur neuen Frühjahrszeit ein neues Leben hab ' ich in mir empfunden . Ein Bursch , der dreiundzwanzig Jahre zählt , hab ' ich geglüht für das Hohe und Rechte , für das Gemeinsame , für die Menschenbrüder aller Himmelsstriche ; hab ' in Begeisterung mit meinen Scharen ausgerufen : » Ein Gott im Himmel und ein Herr auf Erden ! « Er ist der Befreier , der Fürstenhader muß enden . Die Stämme müssen ein großes einiges Volk werden ! - Solche Gedanken haben mich begeistert . Des Feldherrn finsteres Aug ' , wie ein Blitz in der Nacht , hat uns alle entflammt . Gegen das Sachsenland sind wir gezogen , um dort den Streit für unseren Herrn auszukämpfen , und das schöne deutsche Land unter seinen Schutz zu stellen . Bei Lützen hab ' ich einem welschen Feldherrn das Leben geschützt ; vor Dresden hab ' ich dem Blücher das Roß niedergeschossen ; bei Leipzig hab ' ich meinen Heinrich erschossen .... - - - - - - - - - - - » Andreas ! « das ist sein Todesschrei gewesen . An dem hab ' ich ihn erkannt . Mitten aus der Brust ist der Blutquell gesprungen . - - Jetzt kommt mir die Besinnung . Mein Gewehr hab ' ich um einen Stein geschlagen , daß es zerschmettert ; waffenlos bin ich in die Schlacht gerast ; mit seinem eigenen Schwert hab ' ich einem Franzosenführer den Schädel gespalten . Was hat ' s genützt ? Ich hab ' doch gegen mein Vaterland gestritten , gegen die Brüder , die meine Sprache reden , während ich meine welschen Gefährten kaum verstanden . Und ich hab ' meinen Heinrich erschossen . Ach , wie spät gehen mir die Augen auf ! - Bist ein unerfahrener Mensch . Geh ' nach Wien zum Karl ! - Du getreuer Hofer , hätt ' ich deinen Wink befolgt ! - Deine Fahne ist gut gewesen , und herrlicher , als alle anderen im weiten Land . Von der Stund ' an , da mir der Glauben an sie aus dem Herzen gerissen worden , ist mein Unglück angegangen . Die Lieb ' zur freien Welt hat mich in die Gefangenschaft gebracht ; mein freiwillig Büßen hat mich in Schuld gestürzt ; die Treue zu meinem Feldherrn und die Sehnsucht nach einem Großen und Gemeinsamen hat mich zum Verräter meines Vaterlandes , zum Mörder meines Freundes gemacht . - Andreas , wenn schon die Tugend dich dahin geführt , wohin erst hätte dich böse Absicht gestürzt ? - Den treuen Führer hast du stolz abgelehnt , da hat dir Erfahrung und Führung gemangelt . - Andreas ! du hast dich dem Handwerk und der Wissenschaft und dem Soldatenleben zugewendet ; Elend , Wirrnis und Reue hast du geerntet . Fremde Menschen haben dich gehegt und gepflegt wie einen Sohn und Bruder ; sie sind dafür mißhandelt worden . Du bringst der Welt und den Menschen nichts Gutes ; Andreas , du mußt in die tiefste Wildnis gehen und ein Einsiedler sein ! - Im Sachsenlande , unter dem Balken einer Windmühle hab ' ich mir diese Wahrheiten gesagt . Und danach bin ich davon , bin geflohen durch das Böhmen- und Österreicherland , bin nach vielen Tagen in die Stadt Salzburg gekommen . Daß in dieser Stadt mich armen , kranken , herabgekommenen Gesellen noch wer erkennen sollt ' hab ' ich nicht gefürchtet . Im Peters-Friedhofe liegt mein Vater begraben , den Hügel hab ' ich sehen wollen , ehe ich mir die Höhle suche in einer verlassenen Waldschlucht der Heimat . Und wie ich so auf der kalten gefrorenen Erden liege und weinen kann aus dem Herzen , über mein noch so blutjunges und so unglückseliges Leben , da kommt ein Herr zwischen den Gräbern gegangen , frägt nach meiner Kümmernis und schlägt die Hände zusammen . » Erdmann , « ruft er aus , » Sie hier ? Und wie sehen Sie aus ! Kaum vier Jahre davon und kaum mehr zu erkennen ! « Herr von Schrankenheim steht vor mir , der Vater meines einstigen Zöglings . Ich bin mit ihm zwischen den Hügeln auf und ab gegangen , hab ' ihm alles erzählt . Mit fast hartem Ernst drückt mir der Mann Geld in die Hand : » Da , schaffen Sie sich Kleider und kommen Sie dann in mein Haus . - Einsiedler werden , pah , das ist kein Gedanke für einen jungen , braven Burschen . Ihre Kleinmut müssen Sie überwinden , ein weiteres wird sich geben . « Mit großer Angst bin ich in sein Haus gegangen ; denn die eine Narrheit hab ' ich noch nicht überwunden gehabt . Der Herr von Schrankenheim hat mich seinem Sohne vorgestellt . Das ist schon ein recht hochgewachsener , zierlicher Herr geworden . Die Hände am Rücken , hat er eine stille Verbeugung vor mir gemacht und nach kurzer Weile noch eine ,