empfohlen hätte . Er dachte sich neben die stolze , strenge Stigerin und die geschickte Magd , malte sich ihren allmächtigen Einfluß auf Hansen so lebhaft aus , daß er sogleich wieder hätte absagen mögen , wenn er sich nicht vor der tausendsappers Magd allzusehr geschämt hätte . Ja , vor der war ihm schon jetzt so angst , daß ihm eigentlich eine Zusel , gegen die er herzhaft grob und trotzig sein durfte , an ihrem Platze weit lieber gewesen wäre . Vergebens bemühte sich die gute Schnepfauerin , ihm die letzten Tage daheim so froh als möglich zu machen . Durch all die tausend Zärtlichkeiten , die die wehmütige Abschiedsstimmung erfindet , macht man einen Menschen nicht heiter , dessen Kraft hauptsächlich in seinem Trotze liegt . Wenn sie ihm das Beste auftischte , wenn sie alles tat , damit er doch in seinem künftigen Glück , in seiner Herrlichkeit auf dem reichen , stolzen Stighof , auch sie und die Heimat nicht ganz vergesse - das hätte sie denn doch mit aller Opferwilligkeit unmöglich ertragen können - , machte sie ihm nur weh , und er wünschte von Herzen , daß er , wenn nun einmal die erste Dummheit beim Krämer nicht mehr zurückzunehmen war , sogleich von diesem weg auf den Stighof hätte gehen können . Der Nachmittag des Montags war unendlich lang für Mutter und Sohn . Die erstere quälte sich mit der Frage , was wohl die neuen Verhältnisse , Ehre und allgemeine Achtung aus ihrem Lieblinge machen würden ; dieser aber fühlte sein Herz von tausend lieben Erinnerungen noch schwerer belastet als von der Sorge um die Zukunft . Beide hatten das Gefühl , daß sie so sich nie mehr gegenübersitzen würden , und doch war es trotz allem , was sie gemeinsam zu tragen und zu dulden hatten , so schön gewesen . Ja , schön , aber nun war das eben vorbei . Alles auf der Welt nimmt ein Ende , und - das empfand Jos - am besten ist ' s , wenn ' s recht rasch geht . Plötzlich , die Sonne war noch lange nicht über die hochaufragende Kanisfluh hinaus , warf er sich das kleine Bündelein auf die Schultern und sagte mit gewaltsam erzwungener Ruhe : » So , Mutter , jetzt geh ' ich und sage dir tausendmal Vergelt ' s Gott für alles Gute . Leb ' wohl ! « » Wie , was ? « fragte die Erschrockene . » Ich hab ' noch Fleisch zum Feuer getan , das wollen wir doch abends noch mitsammen essen und uns so wohl sein lassen , als wir können . « » Und uns dabei alles noch schwerer machen « , fiel Jos ein . » Na , Mutter , du hast nun genug Opfer für mich gebracht , und mir wär ' jetzt eine angebrannte Suppe , von Dorotheen gekocht , viel lieber ; ich könnte sie dann doch darum ein wenig necken . « Die Mutter wollte noch etwas sagen , aber Jos war schon zur Türe hinaus . Jetzt sah er das Haus , in dem er nun leben sollte , mit den großen Stallungen und den stolzen Fenstern , dem hohen Dachstuhl und hundert anderen Zeugen eines großen Wohlstands , den mehrere Neubauten hinten und vorn als einen wachsenden verkündeten . Jos zwang sich zum Lachen darüber , daß ihm der Abschied so schwer werden wollte , als ob er viele hundert Stunden weit gehen müßte . » Du bist doch ein recht dummer Tropf « , murmelte er und wollte schon wieder zur Mutter in die Stube zurück , als eben der Stighans daherschlenderte , der ihm schon von weitem zurief : » So , Jos , es ist recht , daß du endlich kommst ! Ich hab ' dich gerade aus dem Nest holen und mitnehmen wollen . « » Wohin ? « » Nun natürlich nach Emaus , das heißt zum Löwenwirt drüben über der Ach . Auch meine Eigenen sind dort und wer heut ' ein wenig lustig sein will . Ist doch der Löwenwirt noch beim alten Brauch geblieben und gibt allen gedörrte Birnen und Nüsse , die am Ostermontag zu ihm kommen . Drum nur flink ! Wirf deine Herrlichkeiten da in einen Winkel und nimm dafür die Mutter mit , wenn sie mag ! Ich sehe nicht ein , warum die allein heute traurig daheim sitzen sollte . « Das tat dem Burschen recht in der Seele wohl , und wie ein Lichtstrahl der Freude zog es über sein Gesicht . Seinen Augen ging es wie allem , was schnell aus der Kälte an die Wärme kommt ; sie wurden feucht , während er wieder ins Häuschen zurücklief , wo er es dann kaum erwarten konnte , bis die überraschte Mutter sich , immer noch widersprechend und dabei zitternd vor freudiger Erregung , ein wenig ordentlich angezogen hatte . Dem Jos war es auch schon darum sehr erwünscht , daß er zuerst allein mit Hansen zusammentraf , weil er von diesem zu erfragen hoffte , was die Stigerin und Dorothee zu dem neuen Knechte gesagt hätten . Doch dazu sollte er keine Zeit mehr finden . Auf dem Wege , der sie an neuergrünten Wiesen , neben Hügelchen , von denen Gänseblümchen und Aurikeln die ersten Grüße des Frühlings still herüberwinkten , und über geschwätzige Bächlein führte , sah Hans zum erstenmal in diesem Jahre seine Felder und Wälder wieder . Mit seltener Lebhaftigkeit redete er von dem , was schon in den nächsten Wochen getan werden könnte , und aus jedem seiner Worte klang die Freude , die ihm seine Bauernarbeit machte . Selbst Jos wurde von dem herzlichen Tone so hingerissen in die Welt seines heiter plaudernden Gefährten , daß er diesen nicht mehr nur für einen einseitigen Bauern hielt , der am Nützlichen allein mit Leib und Seele hing . Nun sah er sich auf einmal behaglich lächelnd als Knecht auf diesem