jede Schaufel voll , die sie zur Seite warf , drei Scheffel voll über die Köpfe bekommen hatte . Der Wind wurde mit zunehmender Dämmerung immer boshafter und tat nach bestem Vermögen das Seinige , um unsere Mühen vergeblich zu machen ; es konnte in der Tat keine bessere Gelegenheit geben , eine angenehme Bekanntschaft zu machen , und so ließ mich denn auch der Himmel die Madam Klaudine auf meiner Chaussee finden . Trotz allen Hindernissen und Schrecken des Wetters hatte eine von der Residenz kommende Extrapost sich Bahn gebrochen bis zum Eingang des Fliegenhäuser Tales , wo sie denn aber doch endlich steckenblieb . Ein junger , stattlicher , sehr aufgeregter Mann - ein Offizier in Zivilkleidung , arbeitete sich durch die Schneewehen , um uns zu Hülfe zu rufen . Ich hielt ihn im Anfang für betrunken , er war ' s aber nicht , und ich erfuhr bald , daß er Grund zu seiner Aufregung hatte . Sein Kutscher war ohne allen weiteren Zweifel betrunken , eines der Pferde zusammengebrochen und der Wagen selbst so tief versunken , daß er kaum noch aufzufinden war . Die Dame im Wagen lag ohnmächtig - im Fieber - dem Tode nahe ; und mit gerungenen Händen schrie mir der junge Herr zu : Es ist meine Mutter ! Helfen Sie mir , o helfen Sie uns ! Es ist meine Mutter , welche stirbt ; wo können wir sie , wenn auch nur für einige Stunden , unter Dach bringen ? - Ganz Fliegenhausen stand nunmehr im Kreise um den versunkenen Wagen und kratzte sich hinter den Ohren , und mir für mein Teil erschien die Geschichte kurios und verwunderlich genug . Die Leute sahen anständig und vornehm aus ; aber auf den ersten Blick mußte man erkennen , daß der Unfall und das arge Wetter sie nicht allein bedrängten . Sie erschienen wie Menschen , die von einem plötzlich ausbrechenden Feuer aus dem Schlafe aufgeschreckt und aus ihrem brennenden Hause gejagt wurden ; eine wilde , hastige und doch stumpfsinnige Verzweiflung sprach aus jedem Wort , jeder Gebärde des jungen Mannes , und der stupideste meiner Arbeiter und Bauern wich betroffen vor seiner krankhaften Heftigkeit zurück . An einem solchen ärgerlichen , mühevollen Tage hat man jedoch genug zu tun , wenn man auf das Nächste und Nötigste achtet und , wenigstens für den Augenblick , zur Seite liegenläßt , was einen für den Augenblick nichts angeht . Das nächste Obdach bot die Katzenmühle , und dorthin brachten wir , nicht ohne Anstrengung , die erschöpfte Frau . Wir hatten lange zu pochen und zu klopfen , ehe man uns die Tür öffnete ; die beiden Alten waren nicht in der Stimmung , barmherzig und milde gegen die Welt zu sein , und man konnte es ihnen auch kaum verdenken . Das Elend suchte bei dem Elend Schutz , und das ist immer und allewege ein ander Ding , als wenn das Glück mit Lachen das Glück zum Tanz auffordert . Die Müllerin war natürlich noch widerborstiger und grimmiger als der Müller und wehrte sich am längsten gegen unser Eindringen in ihren dunkeln Jammerwinkel . Endlich wich auch sie halb der Gewalt , halb der Überredung und verkroch sich grollend zu ihrem Mann hinter den Ofen . Wir legten die kranke Dame auf ihrem Bette nieder und konnten nunmehr kaum noch etwas für sie tun . Ich versprach , wo möglich den Arzt von Nippenburg herüberzuschicken , aber die Kranke wies , ebenfalls mit großer Heftigkeit , diesen Dienst zurück . So nahm ich denn Abschied und zog mich mit meinen Bauern und Straßenknechten nach Fliegenhausen zurück . Wir waren gleich einem geschlagenen Heer ; der Sturm und der Schnee hatten das Feld siegreich behauptet ; den Wagen der Fremden mußten wir lassen , wo wir ihn gefunden hatten , und froh sein , daß wir noch die Gäule und den Kutscher retteten . Wenn ich den festen Entschluß hatte , schon am folgenden Tage die Katzenmühle wieder zu besuchen , so lag es nicht an mir , wenn ich ihn nicht zur Ausführung brachte . Ich hatte mir aus dem Schnee der letzten Tage ebenfalls ein Fieber geholt , welches mich unsern Herrgott in seinem Zorn erkennen ließ , mich in einem Federbett halb erstickte und halb mich in Strömen von Kamillentee ersäufte . Erst nach Wochen ritt ich wieder durch Fliegenhausen und dachte dann zum erstenmal wieder an jene Begegnung im Unwetter , welche ich dir beschrieb . Der Schnee war jetzt längst zu Wasser geworden , und der Frühling regte sich schon überall in den Büschen und unter den Büschen . Mir war recht wohl zumute , und in solcher sehr glücklichen und leichtherzigen Gemütsstimmung trabte ich denn auch zur Katzenmühle und rief mit lautem Hallo nach dem Müller , um mich nach seinen Gästen und ihren fernern Schicksalen in seiner Behausung zu erkundigen . Der Mensch soll aber ja nicht meinen , daß die Welt auf ihn wartet , während er , mit über die Ohren gezogener Nachtmütze im Bett liegend , schwitzt und Tee trinkt . Die Katzenmühle fand ich noch vor , aber den Katzenmüller und die Katzenmüllerin nicht mehr ; sie waren abgezogen nach Amerika , und an ihrer Stelle saß die Madam Klaudine in der Katzenmühle , und die Madam Klaudine war jene ohnmächtige Dame , welche ich mit Hülfe der Fliegenhäuser Bauernschaft aus dem Schnee aufgrub . Eine Magd wies mich zuerst von der Tür fort , wie uns an jenem stürmischen Abend der Müller abgewiesen hatte . Der Herr Leutnant sei in die Fremde gegangen , und Madam Klaudine sei unwohl und nicht zu sprechen , hieß es . Der Vetter Wassertreter aber hat sich nicht umsonst dem Wegebau gewidmet , er fand seinen Weg zu der geheimnisvollen Frau , und nicht zu ihrem Schaden : denn die frommen Hirten und biedern Ackerbebauer der Gemeinde Fliegenhausen machten ihr bereits das Leben sauer genug . Ich fand häufig Gelegenheit