einzulassen , als unser eigentliches Geschäft es nöthig machte . Jetzt , da ich ausführlicher mit ihm zu verhandeln hatte , habe ich ihn näher kennen lernen , und ich finde nun vollkommen bestätigt , was man mir von ihm gerühmt hat . Er ist ein anständiger Mann und von einer Bildung , die ich bei Leuten seines Gleichen in der That nicht vorausgesetzt haben würde . Ich hatte Ihnen das immer gesagt , bemerkte der Caplan . Verwandte von mir , die vor Jahren in seinem Hause wohnten , hielten einen gewissen Verkehr mit ihm , und ich habe dadurch bei meinen früheren Besuchen in der Stadt die Gelegenheit gehabt , ihn und seine Frau kennen zu lernen . Es sind äußerst brave und recht gebildete Leute . Mich freut es , diese Bestätigung Ihrer Ansicht durch meine eigene Erfahrung gewonnen zu haben , erklärte der Baron ; denn ich hege nicht üble Lust , den Mann als meinen Agenten in der Stadt zu benutzen . Er hat Waarenkenntniß aller Art und viel Geschmack . Er ist daneben klug , umsichtig , ein sehr gewandter Geschäftsmann , und die Weise , in welcher er seine Frau und seine einzige , beiläufig sehr schöne Tochter behandelte , gefiel mir sehr . Discret scheint er mir auch zu sein . Der Caplan hatte Anfangs nicht recht einsehen können , was den Baron bewogen , grade jetzt , wo seine Zeit beschränkt war , die nähere Bekanntschaft des Juweliers zu machen ; noch weniger konnte er begreifen , wozu er eines Agenten in der Stadt bedürfe und weßhalb er sich zu einem solchen eben einen Juden ausersehe . Indeß die letzten Worte , welche der Verschwiegenheit des Herrn Flies gedachten , klärten für den Caplan den Vorgang alsbald auf . Die ganze Maßregel konnte sich nur auf Pauline oder auf den Knaben beziehen , den der Freiherr dem Schutze und Rathe des Juweliers anzuvertrauen beabsichtigen mochte , weil er mit demselben auf sehr leichte und unverfängliche Weise im Zusammenhange bleiben konnte . Da der Baron aber mit keinem Worte Paulinen ' s gedachte , hielt der Caplan es für angemessen , ihrer ebenfalls nicht zu erwähnen , und der Abend ging mit ruhigen , meist heiteren Gesprächen hin , als säße nicht eine halbe Stunde von ihnen ein unglückliches , verlassenes Weib in all seinem Jammer da , die langsam dahingleitenden Minuten mit seinen Herzschlägen qualvoll durchmessend . Am andern Morgen kam der künftige Schwager des Barons , ein junger Militär , nach Richten , um den Bräutigam seiner Schwester zur Hochzeit zu begleiten . Er diente in einem Cavallerie-Regimente , dessen eine Schwadron unfern in Garnison lag . Es war ein prächtiger Tag . Das Pferd des Cornets wieherte vor Freude , als es , dampfend von dem scharfen Ritte durch den kalten , klaren Morgen , das Schloß erreichte , dessen wohlversorgte Ställe ihm bekannt und lockend winkten . Die beiden ihn begleitenden langhaarigen Windhunde sprangen in großen Sätzen vor ihm her , als ahnten sie in der klaren Herbstluft die nahe Jagd . Der Cornet war pünktlich gewesen , um keinen Aufenthalt in der Abreise zu verursachen , und kaum hatte ein Diener sein Pferd weggeführt , so trat gleich ein zweiter heran , dem Reitknechte des jungen Grafen das Gepäck abzunehmen , welches dieser für seinen Herrn auf dem Pferde hatte . Denn die Reisewagen waren bereits zum Anspannen fertig und man hatte nur noch die Mantelsäcke des jungen Grafen unterzubringen . Der Baron hatte , am Fenster stehend , schon eine ganze Weile nach seinem Schwager ausgesehen . Er hatte vortrefflich geschlafen , war heiter erwacht und am Morgen unter verschiedenen Vorwänden durch das ganze Schloß gegangen , das ihm heute zum ersten Male so leer erschien , als habe die Gefährtin , die er zu holen beabsichtigte , es schon lange mit ihm bewohnt und ihn eben jetzt erst verlassen . Er sah daran , wie viel er in dieser Zeit an sie gedacht hatte , wie sehr er sich ihres nahen Besitzes freute und wie sehr er sie bereits in sein Leben aufgenommen habe . Er begrüßte und umarmte dann den Jüngling , der ihn mit den schönen Augen seiner Schwester anlachte , mit der größten Freude , aber er war so eilig , fortzukommen , daß er trotz seiner Gastlichkeit , noch während der Cornet beim Frühstück saß , den Befehl zum Anspannen der Wagen ertheilte . Der Cornet wollte davon nichts hören . Er hatte sich vor Tagesanbruch auf den Weg gemacht , nun verlangte er Zeit , sich auszuruhen , denn er wollte sein Haar , das von dem mehrstündigen Ritte in Unordnung gerathen war , frisch frisiren und pudern lassen , um am Abende sich in seiner Familie gebührend präsentiren zu können . Er neckte daher den Baron mit aller kecken Laune eines jungen Militärs und mit allem Uebermuthe eines verwöhnten Günstlings über die große Eile , mit welcher derselbe zur Abreise trieb . Der Baron ließ sich das von dem Bruder seiner Braut mit Heiterkeit gefallen , ja , er willigte endlich darein , dem jungen Grafen noch die ganze neue Einrichtung des Schlosses zu zeigen , und es vergingen damit nahezu zwei Stunden , die man in der angenehmsten und behaglichsten Weise verbrachte . Endlich fuhren die beiden Reisewagen vor das Schloß . Den einen sollten bei der Heimkehr die Vermählten , den anderen der Cornet und der Caplan benutzen . Die Dienerschaft stand vor der Thüre , der Haushofmeister sah dienstbeflissen noch einmal die Taschen des Wagens nach , sich zu überzeugen , daß die mitgegebenen Vorräthe wohl untergebracht wären , der Kammerdiener legte die Fußsäcke und Pelzdecken zur Vorsicht in den Wagen , und nahm dem Gärtner die Schachtel ab , in welcher das Bouquet von Orangenblüthen , das der Baron seiner Braut als Willkommsgabe aus seiner Orangerie mitzubringen wünschte , vorsichtig in Moos verpackt war . In dem Augenblicke trat der Baron mit seinen beiden Begleitern