Jahre vorteilhaft zu balancieren gewußt . Gewöhnliche Vergehen würden gänzlich durch die spanischen Lorbeeren unsres Helden gesühnt worden sein ; aber Herr von Schnapphahnski begriff , daß er ein zu interessanter Sünder sei , als daß nicht noch einige außerordentliche Mittel zu seinem Heile angewandt werden müßten . Er mietete daher einige seiner alten spanischen Genossen , mehrere seiner Kameraden unter Don Carlos , die nach ihrer Rückkehr aus Spanien an der Wüstenleere der Taschen litten , und sandte sie als die Herolde seines Ruhmes oder besser als die Rosenölflaschen , die ihm den erwünschten guten Geruch bereiten möchten , voraus nach München . Die zwei hauptsächlichsten dieser Ruhm- und Rosenölflaschen waren der Königl .... Oberst Graf K. und der frühere Königl .... General von R. , zwei Leute , die des blanken Geldes geradeso dringend bedurften wie Herr von Schnapphahnski des guten Geruches . Einmal engagiert , waren Graf K. und General von R. viel zu ehrliche und gewissenhafte Spießgesellen , als daß sie nicht alles aufgeboten hätten , um den Sold ihres Meisters auch wirklich zu verdienen . Sie zogen von Haus zu Haus , agitierend und intrigierend , und als vierzehn Tage herum waren , da duftete auch schon ganz München nach dem Ruhme des trefflichsten aller Ritter , nach den Lorbeern des Herrn von Schnapphahnski . Endlich erschien unser Held in eigner Person , und es war nicht anders , als ob ein zweiter Frühling über der Biermetropole emporstiege . - Die Männer zitterten , die Weiber erröteten , und gewandt wie ein Wiesel wedelte und scharwenzelte der edle Ritter durch alle Salons . Man kann wirklich sagen , daß unser Held in diesem Augenblicke seine schönsten Triumphe feierte . Meine Leser werden es mir hoffentlich erlassen , dieselben weitläufig zu schildern . Es wäre auch unmöglich , den edlen Ritter ganz naturgetreu zu zeichnen . Herr von Schnapphahnski strahlte von Anmut und Lügenhaftigkeit ; nach kurzem war er schon wieder ganz der alte , und wenn er morgens , mittags und abends in den Spiegel sah , da verbeugte er sich vor seinem eignen Antlitz und gestand sich , die Hand aufs Herz legend , daß er der schönste Mann seines Jahrhunderts sei . In München weilte damals in der Nähe des kunstsinnigsten aller christlichen Germanen ein gewisser Herzog von ...... , ein Mann , den die Mainzer und Koblenzer Bajaderen besser als alle züchtigen Weiber der Gegenwart zu schätzen wissen werden . Wenn sie ihren Freund auch einst inkognito an die frische Luft setzten , so machte dies wenig aus . Der Herzog versöhnte sich wieder mit seinen alten Bekanntinnen , und die guten Mainzer und Koblenzer wissen von dem freudenfreundlichen Manne viel galante Affenteuer zu erzählen . Es konnte nicht fehlen , daß der Herzog bei seinem Münchener Aufenthalt auch auf den Ritter Schnapphahnski stieß ... Tagtäglich hörte er von der ruhmreichen Vergangenheit unsres Helden erzählen , und es versteht sich von selbst , daß er schließlich vor Eifersucht zu zerspringen meinte . Als man daher einst seinen trefflichen Rivalen wieder bis in den Himmel erhob , strich der Herzog nachlässig den Schnurrbart und meinte , daß er nach den Antezedenzien des edlen Ritters nicht leicht an seine hohe Bravour glauben könne . Wie ein Nadelstich traf diese Äußerung das fröhliche Herz unsres armen Ritters , und kaum davon in Kenntnis gesetzt , läßt er den Herzog auch schon wegen seiner unerquicklichen Äußerung zur Rede stellen . Er bemerkt ihm , daß alles nur auf Unkenntnis beruhen könne und daß er , der edle Ritter Schnapphahnski , sich wegen seines unvergleichlichen Heldentums auf das Zeugnis des - Generals von R. berufe , den der Herzog jedenfalls als kompetent anerkennen werde ... , vor allen Dingen möge der Herzog seine Äußerung zurücknehmen . Der Freund der Mainzer und der Koblenzer Bajaderen weigert dies , und im Nu verbreitet sich die Geschichte durch alle Salons . Herr von Schnapphahnski sieht sich daher in die unangenehme Notwendigkeit versetzt , dem Herzoge mit der ganzen unerbittlichen Frechheit eines Ritters ohne Furcht und Tadel auf den Hals zu steigen , und als er ihn furchtsam findet : fordert er ihn . Selten hatte unserm Helden der Stern des Glückes heller gestrahlt als dieses Mal . Der Herzog will sich nämlich nicht schlagen ; er verkriecht sich hinter seine Souveränität und behauptet , daß im unglücklichen Falle alle Bäche und Flüsse , von den Tränen seiner Untertanen zu reißenden Strömen angeschwemmt , Häuser und Weingärten hinwegreißen würden , daß sein etwaiger Tod das europäische Gleichgewicht stören könne usw. , kurz , je mehr sich der Herzog weigert , auf ein Duell einzugehen , desto gewaltiger schwillt unserm Falstaff-Schnapphahnski der Kamm , und als der Herzog endlich sein letztes Wort gegeben , da erklärt ihm der edle Ritter , daß der Herzog , wenn er sich wirklich dauernd hinter seiner Souveränität verstecke , auch in seinem Herzogtum bleiben und sich mit einer chinesischen Mauer umgeben müsse , denn an jedem andern Orte werde Se . Hochgeboren so frei sein , den unübertrefflichen Souverän mit der Hundspeitsche zu bedienen . Münchens kunstsinnigster Barde , dem diese Äußerung überbracht wurde , nahm sie im höchsten Grade übel , und unser Ritter hatte das Pech , zwar nicht in ein Kirchenfenster des Kölner Doms , wohl aber aus den heiligen Bierstaaten Sr. Majestät für immer verbannt zu werden . IX Wien Ich habe mir oft im Leben Feinde gewünscht , bitterböse Feinde in Menge . Nichts schien mir langweiliger , als mit der ganzen Welt auf gutem Fuße zu stehen . Nun ich älter werde , begreife ich allmählich , daß mein Wunsch in Erfüllung gehen mag , ja , ich glaube an Vater Goethes Worte , und sinnend schaue ich hinaus in die Zukunft . Was wird sie bringen ? Wer wird mein Feind sein ? Schütze mich Gott vor den Weibern ! Ja , ihr unsterblichen Götter , beschützt mich vor dem Haß der Weiber ! Kränkt mich mit falschen Freunden