O , mein Vater ! « rief ich , » sprich , sprich immer weiter , Deine milde Stimme calmirt den wilden Sturm meines Herzens , wie Oel das Meer ; die Wogen meines Innern legen sich zur Ruhe , die Fluthen aplaniren sich , und wie der Mond sich spiegelt im ruhenden Meere , so schwebt Dein heilig ernstes Antlitz auf dem Spiegel meines Innern . Verlaß mich nicht , mein Vater ! halte mich nicht unwerth Deines Gebetes , Du , der hinabstieg zu dem Stumpfsinn miserabler Wilden , häßlicher Negerinnen , niedrigen Pöbels . Sieh , mein Vater ! ich bin Gräfin , ich bin von edelstem Stamme , ich bin schön , ich bin jung , o bete , bete mit mir , daß ich das Einzige erlange , was mir fehlt ; gib mir die heilige Liebe Deines Herzens , gib mir Dein Herz , damit es lebe in meiner Brust und Deine Liebe mächtig werde in meiner Seele ! « Ich sprang empor und schloß ihn in meine Arme , ein flammender Kuß Benoit ' s brannte auf meiner Stirn , dann riß er sich los und verschwand . Ich sank auf die Erde zurück , ich träumte von den langen , unabsehbaren Wüsten Afrikas , verschmachtend lag ich da im öden Sonnenbrand , ich hörte den Tritt von Kameelen , lange Karavanen zogen an mir vorüber , Niemand beachtete mich , Niemand hörte den leisen Ruf , den meine erschöpften Kräfte mir gestatteten . Da kroch ich mühsam weiter und fand das Lager eines Negerstammes . Schwarze , garstige Weiber , affenartige Kinder wälzten sich unter den Zelten umher , die elend aus Fellen und Tüchern bereitet waren . Ein schöner Mann stand inmitten des Lagers und theilte Worte der Liebe und Gnade den geistig Dürstenden aus , während ich ihn vergebens um einen Tropfen Wasser flehte , meine glühenden Lippen zu kühlen , um ein Wort des Trostes , meine Seele zu erfrischen . Ich sah ihn ungerührt an mir vorüberschreiten , er sagte , sich abwendend : » Sieh , Diogena ! diese elenden , schwarzen Weiber sind glänzende Engel des Lichtes gegen Dich , denn sie lieben den Mann , deß harte Hand sie schlägt , und Du liebst Nichts . « » O , Dich liebe ich ! « wollte ich rufen , aber er war schon verschwunden . Ich lief in mein Boudoir , ich befahl Rosalinde , mir noch einmal den Pater holen zu lassen . Sie schickte fort und der Diener kam mit dem Bescheide zurück , der Pater Benoit sei im Dienste des Klosters beschäftigt . Er könne erst morgen wiederkehren . Die Nacht verging mir in tödtlicher Unruhe ; zuweilen war mir es wirklich , als liebte ich den Pater , als sei mit seinem Erscheinen ein neues Gefühl in mir erwacht , als perlten neue Quellen aus den profundesten Tiefen meiner Existenz hervor . Ich weinte , wenn ich an ihn dachte , ich wußte nicht , ob vor Liebe oder aus Depit , weil er kalt genug geblieben war , nicht auf meinen zweiten Ruf sogleich zu retourniren . Am Morgen ließ ich meine goldenen Locken glätten , arrangirte meine Händchen und meine fabelhaft kleinen Füßchen , die in den Sandalen noch viel charmanter erschienen , als in der elegantesten pariser Chaussure , und erwartete sehnsüchtig die Ankunft des Paters , denn trotz aller Meditationen fing ich an , mich in meiner Solitude ganz unbeschreiblich zu langweilen . Ich grollte mit meinem Geschick . Da sah ich , so weit das möglich war bei der Distance , welche mich von der Bourgeoisie trennte , ganz einfache Bürgerfrauen , die gar kein Schicksal hatten , denen Nichts arrivirt war , die Nichts suchten und die dennoch ganz zufrieden waren . Sie hatten einen Mann , Kinder , Arbeit , Liebe für all dies - lauter furchtbar ignoble Dinge - aber sie sahen vergnügt und zufrieden aus und hatten so wenig Langeweile , daß sie selbst die Agrements von Theatern und Bällen selten besuchten , die ihre Männer ihnen offerirten , sondern still begnügt in ihrer Häuslichkeit lebten . Aber dies war ja ganz incomprehensibel ! Warum hat die kleine Frauennatur in der Begrenzung ein Glück , für das immense Seelen , wie meine , bei dem rastlosesten Suchen kein Aequivalent finden ? Ich fühlte Widerwillen gegen die Erde , der Himmel lockte mich . Ich dachte an die Gefilde der Seligen . O ! im Jenseits wenigstens sind die Stände scharf geschieden , dort , sagte ich mir , müsse es deliciös sein . Alle Freuden , alle Genüsse auf der Seite der Aristokratie , der Seligen ; alle Pein , alle Schmerzen für das Gros der Verdammten . Darin fand ich die göttliche Gerechtigkeit wieder , das erhob meine Seele zur Adoration und ich hoffte , Gott würde mir im Himmel die Compensation für alles Ennui der Erde bereiten . In diesen Betrachtungen störte mich die Meldung , daß der Pater gekommen sei . Ich ließ ihn bitten , einzutreten . Aber wie erstaunte ich , als statt des Paters Benoit , den ich erwartet hatte , ein alter , düsterer Priester erschien . Ich fragte nach seinem Begehren . » Der Pater Benoit hat mir gesagt , daß Ihre Seele , meine Tochter , in den Fesseln des Bösen sei , und daß Sie Beistand suchen , sie daraus zu erlösen . « » Und warum kommt er nicht selbst ? « » Er ist abgereist heute in aller Frühe . « » Und wohin ? « » Zurück in die Wüsten Afrikas , wo er den Heiden das Wort des Lebens gepredigt hat , und wo er Menschen zu retten findet . « » Warum verschmähte er , mich zu retten , deren Seele sich ihm hilfesuchend und vertrauend nahte ? « » Das beantworte Dir selbst , meine Tochter ! « sagte der Priester . » Er floh die