wissen , was die ganze Stadt weiß ? « gegenfragte die Kammerfrau . » Mein Gott , so ist es wohl ihr Verlobter ? - Den Graf Szariny mein ' ich , « sagte Amalie immer aufgeregter . Die Antworten der Kammerfrau blieben unbefangen : » Nun , das geht doch wohl nicht so schnell - eh ' sich eine so gefeierte Sängerin , wie meine Herrschaft , zu einer Heirath entschließt , kann schon manches Jahr vergehen , und ein eben so gefeierter , als reicher Graf , wie dieser , findet es auch bequemer , den Liebhaber zu spielen , als den Ehemann . Die Sache ist einfach die , daß er schon in Berlin meiner Dame ihr größter Günstling war , und daß er ihr hierher nachgereist ist , um es wieder zu sein . - Natürlich ist meine Dame durch diesen Beweis von Anhänglichkeit sehr gerührt , denn sie weiß recht gut , daß es dem Grafen an Eroberungen weiblicher Schönheiten weder jemals gefehlt hat , noch fehlen kann , da er neben allen seinen bestechenden Eigenschaften zugleich eine sehr glänzende Partie ist - daher kommt es denn , daß sie sich von ihm sogar manche unhöfliche Sonderbarkeit gefallen läßt , die sie niemals einem andern Mann nachsehen wird . - - Aber es scheint , als würde Ihnen wieder unwohl ? Sie zittern ja so , halten Sie sich fester an mich , damit Sie nicht etwa auf der Treppe hinsinken . « Amalie zitterte allerdings heftig - sie dachte aber immer noch , sie habe nicht recht gehört , es sei vielleicht doch noch ein Irrthum möglich , und fragte wieder : » Sie nannten den Grafen reich - ich habe geglaubt , er sei sehr arm - er habe in Polen Alles verloren . « » Sie scheinen sehr über den Grafen unterrichtet . - Haben Sie ihn gekannt ? « » Nein , nein ! - Aber man hört doch , was die Leute reden . « » Er hat sein Vermögen wieder ; jetzt ist es gewiß , daß er sehr reich ist - aber ich habe ihn manchmal darüber scherzen hören , wie elend er früher gelebt - dadurch ist er den Leuten nur noch interessanter geworden . « » Leben Sie wohl , « sagte jetzt Amalie schnell , indem sie vor ihrer Thüre stand , und deren Schloß hastig erfaßte , wie um sich daran zu stützen , » ich danke für Ihre Begleitung . « Sie öffnete schnell , ging hinein , verschloß die Thüre wieder hinter sich , und warf sich mit einem lauten . Schrei und krampfhaften Zucken auf ihr Bett . Sie war allein . Erst fühlte sie gar Nichts . Dann kam sie nach und nach zum Gefühl , zum Gefühl eines einzigen riesenhaften Schmerzes . Dann dachte sie über diesen Schmerz , über sein Entstehen , seine Ursachen , über Alles , was sie soeben erlebt , über Alles , was sie soeben gehört hatte . Es schien ihr Alles plötzlich klar geworden : Jaromir hatte sie vergessen - er war reich geworden , er lebte in einer andern , in der großen Welt , er dachte ihrer nicht mehr , er verachtete sie vielleicht jetzt , und prieß das Schicksal und ihre Untreue , die ihn vor einer Mesalliance bewahrt hatten . Er liebte Bella jetzt , wie einst sie , und war um Bella ' s willen hierher gekommen , um Bella ' s willen an diesem Hause vorübergegangen - und sie hatte geglaubt , es sei das unerloschene Feuer der Liebe für sie selbst , was ihn dazu treibe , sie hatte ihm die Blumen zugeworfen , und wer weiß , wie er sich darüber lustig gemacht hatte - sie hatte ihn zu sich beschieden , und er war gekommen , aus Mitleid gekommen - nur aus Mitleid , wo sie an Sehnsucht gedacht hatte . Vielleicht war er von ihrem Sterbebette in Bella ' s Arme geeilt , und hatte ihr die Scene , die sie sich so erhaben gedacht hatte , als eine Lächerlichkeit erzählt - hatte ihre Armuth gesehen , und das Geld , was Amalie durch Bella empfing , war gewiß aus seinen Händen gekommen , er hatte vielleicht diesen Weg gewählt , um sich so nicht verrathen und die Gabe abgewiesen zu sehen - und deshalb hatte sie Bella in ihrem Billet gebeten , es dem Gatten zu verheimlichen - wie sie bei diesen Gedanken ankam , verhüllte sie ihr Gesicht , und schrie auf : » Es giebt keinen größern Fluch , als die Armuth ! « Sie hätte so gern das Geld zurückgegeben , das sie nun so drückte und so beschämte und so demüthigte - aber sie war es nicht mehr im Stande , sie besaß es nicht mehr , sie hatte es ausgegeben . Und wo war die Möglichkeit , bald im Besitz einer gleichen Summe zu kommen ? » Die Armuth darf ja keinen Stolz und keine Scham haben , « sagte sie stöhnend zu sich , » was bei den Reichen Tugend und Recht ist , ist bei den Armen Verbrechen und Unrecht . « Von diesem einen Augenblick an war ihre Liebe zu Jaromir in Haß umgewandelt . Sie war es zufrieden , ja sie war froh darüber , daß sich Thalheim von ihr trennen wollte . Für sie sorgen würde er , das wußte sie - seine Gegenwart aber , seine Nähe vermogte sie , wie nun sich Alles vor ihren Blicken enthüllt hatte , noch weniger ohne Scham zu ertragen , als selbst damals , wo sie ihm das Geständniß gemacht hatte , ihn nicht zu lieben . Denn wie sich jetzt Amalie in ihren eignen Augen gedemüthigt fühlte , so fühlte sie sich es noch um so mehr ihrem Gatten gegenüber . Konnte er es nicht schon vielleicht längst wissen , daß Szariny Bellas Geliebter sei , daß er niemals mehr der einstigen Braut