habe . Die Frage ist nur , ob es irgendwie bedenklich ist , daß mein Felix , als nächster Erbe , die Erbschaft antritt , wenn ich darauf verzichte ? Das hängt ganz von dem Testamente ab , meinte der Präsident , und ich würde Dich bitten , es mir zur Prüfung zu übergeben . Ich habe es Dir zu dem Zwecke mitgebracht , hier sind die Papiere . Hast Du Muße , Dich gleich jetzt damit zu beschäftigen , so möchte ich den Bescheid bei Deiner Schwester abwarten . Thue das , lieber Freund ! sagte der Präsident , und setzte sich an die Arbeit , nachdem Alfred sich bei Therese hatte melden lassen . Er fand sie schreibend und entschuldigte sich wegen der Störung . Es ist mir eine Freude , sagte sie , daß Sie kommen und daß es überhaupt diesen Winter recht lebhaft in unserm Hause werden wird . Sie waren der Erste , der sich uns als einen Gast für die langen Abende meldete , und Sie scheinen uns Glück gebracht zu haben . Unser Kreis wird sich noch um eine oder gar um zwei Personen vergrößern . Und darf ich fragen , wer diese sein werden ? Der eine Gast wird ein junger Sternau sein . Ein Verwandter von Ihnen ? fragte Alfred . Nein , antwortete Therese , ich kenne ihn gar nicht und darum bangt mir etwas bei dem Gedanken an seine Ankunft . Er soll ein liebenswürdiger junger Mann , von tiefem Gemüth , aber sehr kränklich und von der Mutter , deren einziges Kind er ist , körperlich und geistig verweichlicht worden sein . Der Vater , um ihn ins Leben einzuweisen , hat ihn angehalten , die juristische Laufbahn zu verfolgen , während des jungen Mannes Neigung ihn zum Landleben hinzog , für das der reiche Landbesitz des Vaters , der selbst Landwirth ist , ihn zu bestimmen schien . Das hat Teophil in mancherlei Zweifel gestürzt und eine unglückliche Liebe soll ihn in der letzten Zeit noch mehr entmuthigt haben . Er soll kränkeln und einen Lebensüberdruß verrathen , der selbst den ruhigen Vater sehr besorgt macht . Während nun der Sohn mehr als je nach der Einsamkeit verlangt , sieht der Vater für ihn nur in angestrengter Thätigkeit Rettung , und die Mutter wünscht , daß er sich hier der Behandlung eines bedeutenden Arztes unterziehe . Beide Eltern haben sich an meinen Bruder gewendet , mit dem sie sehr befreundet sind , und dieser hat , als ob es von ihm ausginge , den jungen Mann auf seiner Reise besucht . Er hat sein Vertrauen erworben , ihn überredet , als Hilfsarbeiter bei seinem Collegium einzutreten und als willkommener Gast in unserm Hause zu leben . Morgen vielleicht dürfen wir ihn bereits erwarten . Da sollen Sie also eine Erziehung übernehmen , eine Bekehrung machen ! Beides ist entweder sehr leicht oder sehr schwer , bemerkte Alfred . Das empfinde ich so lebhaft , sagte Therese , daß ich es fast abgelehnt habe , einer Freundin gefällig zu sein , die mir ihre sechzehnjährige Tochter für einige Zeit anvertrauen will , damit sie hier Unterricht im Tanzen und im Französischen nehmen könne . Es ist nicht zu berechnen , welchen Eindrücken solch ein junges Mädchen in ganz ungewohnter Umgebung ausgesetzt ist , und wie sie nachhaltig wirken können . So lieb mir die kleine Agnes war , als ich sie vor Jahren sah , so habe ich doch noch nichts bestimmt versprochen , weil ich mich vor der Verantwortung fürchte , wenn der Aufenthalt in der Residenz das Mädchen in seinen Wünschen und Ansprüchen verändern sollte . Bei diesen Worten Theresen ' s trat der Präsident in das Zimmer . Ich bin in der Prüfung Deiner Papiere mehrmals durch unabweisliche Besuche gestört worden , bester Reichenbach , sagte er , und muß sie nun auf die Frühstunden des nächsten Morgens verschieben , die immer meine ruhigste Arbeitszeit sind . Gönne mir Frist bis dahin . Ich bin ermüdet von der heutigen endlosen Sitzung , und mehr aufgelegt , mit Dir und Therese eine Stunde zu verplaudern , als angestrengt eine so wichtige Sache zu prüfen . - Wovon war die Rede , als ich Euch unterbrach ? Von den Hausgenossen , die man uns für den Winter zugedacht hat , sagte Therese , und von all den Bedenken , die sich in mir dagegen regen . Ich begreife diese Besorgnisse nicht , meinte der Präsident . Wären wir Eheleute , ich würde denken , die Erinnerung an Goethe ' s Wahlverwandtschaften mache Dich ängstlich , in denen durch den Zutritt neuer Personen ein altes , anscheinend wohl begründetes Verhältniß zerstört wird ; denn allerdings hat unsere Lage mit den dortigen Zuständen eine gewisse Aehnlichkeit . Therese lächelte und sagte erröthend : Wirst Du mich eine Thörin schelten , wenn ich Dir bekenne , daß gerade dieser Gedanke mir selbst gekommen ist und mich beunruhigt hat ? Wer weiß , ob Dir unsere Häuslichkeit nicht einsam erscheinen wird , wenn unsere Gäste uns verlassen , ob ich Dir nicht eine zu ernste Gesellschafterin sein werde , wenn Dich die kleine Agnes an größere Fröhlichkeit gewöhnt haben wird . Dacht ' ich ' s doch ! das ist echte Frauennatur ! rief lachend der Präsident . Sie ist wirklich im voraus eifersüchtig auf ein Kind , das ich noch gar nicht kenne . Aber fürchte nichts ! sagte er , indem er ihr die Hand bot , lasse die Kleine immerhin kommen , wie ich den Telemach kommen lasse , zu dessen Mentor man mich erkoren hat . Mich und Dich trennt Niemand . Therese drückte dem Bruder die Hand und sagte dann nach einer kleinen Pause : Erinnern Sie sich wol , Herr von Reichenbach , daß Sie es waren , der mich zuerst mit den Wahlverwandtschaften bekannt gemacht hat ? Gewiß ! antwortete Alfred , und ich weiß es gar wohl , daß es mir Vorwürfe von