sie nicht mit Ihnen von Herz und Seele eine Deutsche würde ? Und so sind die Frauen eigentlich geborne Kosmopoliten , die nur für eine allgemeine Freiheit , für eine Freiheit in abstracto Interesse haben können , fügte er lächelnd hinzu . Wie sieht es denn nun mit Ihren Weltfreiheitsideen aus , gnädige Frau ? fragte sie der Obrist . Ich sage Ihnen ja , antwortete die Geheimräthin , daß ich die liberalen Gesinnungen der Männer vollkommen begreife und achte , daß ich selbst aber eine gewaltige Aristokratin bin , und ich glaube , im Herzen sind wir Frauen es alle . Wir sind nicht gewöhnt , uns in die Menge zu verlieren ; wir stehen abgesondert für uns und lassen uns von den Männern , denen wir , sobald wir sie lieben , ein ganz apartes Adelsdiplom zuerkennen , gern als treue Vasallen huldigen . Oder noch lieber beten wir den König unsres Herzens mit tiefster Demuth an , der uns viel mehr untheilbar ist , als es den Franzosen jemals ihre Republik gewesen . Alle lachten , und Meining sagte : Das sind auch die besten Grundsätze für Euch , denn Politik und Liberalismus kleiden die Frauen nicht . Ich kannte selbst eine geistreiche Frau , die treue Freundin eines Mannes , der Deutschland die Freiheit predigte , bis sie ihn auf dem Montmartre begruben ; und so angenehm ich sie sonst immer fand , so unerquicklich schien sie mir , wenn sie jene Ideen von Freiheit aussprach , die im Munde ihres Freundes groß und würdig klangen . Darin stimme ich Ihnen bei , Herr Geheimrath ! fuhr Thalberg fort , ja ich glaube sogar , daß die wahre Stellung des Weibes eine abhängige sein muß . Ich wünsche nur , daß sie von dem freien Manne abhänge , der in ihr den Menschen achtet . Unsre Liebe ist ihre Freiheit , die ihnen allen Schutz und alle Rechte zuerkennt , deren sie bedürfen . Sie müssen mit uns den Gedanken der Freiheit theilen , ohne sie selbst zu begehren , weil für sie dieselbe ein Unding ist . Im Ganzen , bemerkte der Maler , als Clementine ihre volle Zustimmung zu Thalberg ' s Aeußerung gab , werden nicht alle Frauen dieser Meinung sein ; denn , wenn sie auch die freie Frau der St. Simonisten empörend finden , so ließen sie sich doch nur zu gern ein bischen emancipiren , und ich für meinen Theil wollte Nichts dagegen haben , wenn man mir einige recht schöne junge Mädchen als Schüler und Collegen zuertheilen wollte . Wenn es so weit ist , meinte der Geheimrath , lasse ich mir meine Frau zum Assistenten ernennen ! Und glaubst Du , Lieber , daß ich dazu nicht vortrefflich wäre ? Glaubst Du , wenn man mich von Jugend auf in all ' den Wissenschaften unterrichtet hätte , mit denen man die jungen Leute so früh bekannt macht , ich hätte das nicht auch erlernen können ? fragte Clementine . Im Gegentheil ; ich bin überzeugt , Du wärest der niedlichste Professor im Mousselinkleide geworden und würdest die interessantesten Vorträge gehalten haben . In Fällen , in denen psychische Leiden der Krankheit zu Grunde liegen , würde so ein feiner , weiblicher Medikus mit seiner liebenswürdigen Neugier vielleicht schneller die Quelle des Uebels errathen , als wir Männer ; denn eine gewisse Art von Scharfsicht besitzen die Frauen gewiß in höherm Grade als wir : ich meine die Scharfsicht des Herzens , die wirklich sehr groß bei ihnen ist . Nun denn in Gottes Namen losmarschirt auf die Emancipation der Frauen , sagte der alte Obrist , denn in mein Fach pfuschen die schönen Hände nicht hinein ; aber ich möchte grade von Ihnen , meine Gnädige ! die Sie eine sanfte und kluge Frau sind , es einmal erfahren , was Sie sich von der Emancipation der Frauen denken , und wie Sie sich dieselbe in der Ausführung wohl vorstellen . O ! versetzte Clementine , ich habe überhaupt nicht viel daran gedacht , weil ich sie , meinem ganzen Wesen nach , für mich nie begehrenswerth fand . Emancipirt wird das Weib , wie Herr Thalberg sehr wahr bemerkte , durch die Liebe und in der Ehe . Da soll sie gleiche , oft schwerere Pflichten haben , als ihr Mann ; aber auch gleiches oder wenigstens ähnliches Recht . Man soll sie nicht gewaltsam niederhalten und ihr nicht unnöthig Leid aufbürden , das sie nicht tragen kann , ohne zu unterliegen . Unsre Freiheit liegt in uns ; wir müssen Herr sein über uns selbst , sonst über Niemand - und so denke ich , Alles , was die sogenannte Emancipation bezwecken könnte , wäre , eine Erziehung zu befördern , die uns für unsern Beruf tüchtiger machte . Also gleiches Recht vor Gericht und dergleichen schöne Dinge begehren Sie nicht ? fragte der Obrist . Das mag vielleicht in manchen Fällen von Nutzen sein , die ich augenblicklich nicht durchdenken kann . Es aber als Schutz gegen die Seinen zu benutzen , gegen Brüder , Väter oder gegen den eigenen Mann , das scheint mir ein so trauriges Recht , wie die Trennung einer Ehe , die , obgleich ich eine gute Protestantin bin , in meinen Augen ein Sakrament und unauflöslich ist . Und so verdammen Sie Jeden , wandte der Maler ein , der sich scheiden läßt , weil er vielleicht das Leben mit dem Gatten oder der Frau nicht mehr ertragen konnte ? weil Laster und Verderbtheit des einen Theils , oder auch nur ganz verschiedene Gesinnungen das Zusammenbleiben zu einem Unheil machen und ein Glück untergruben , das in einer neuen Ehe auf das Schönste für zwei Menschen erblühen könnte ? Verdammen kann ich Niemand , sagte Clementine bewegt , nur das weiß ich bestimmt , daß ich lieber sterben möchte , als mein Wort brechen , und daß ich die Möglichkeit , wie eine Frau zur zweiten Ehe schreiten könne