. Die Mutter sollte doch wissen , dachte er , wie lieb er sie hätte und daß er diese Vorwürfe nicht verdiene . Wenn es einem Bauernsohn nicht mehr ziehe , einmal im Jahr zu baden und einige Tänze zu tanzen , so wäre es doch bös , und darneben sei er doch der Erste und Letzte bei der Arbeit , und wenn es gerechnet sein müßte , so gehörte ihm ein schöner Lohn heraus . Und öppe für wüst zu tun oder Schlägereien sei ja noch kein Kreuzer für ihn bezahlt worden . Solches dachte Resli , aber es erbitterte ihn nicht . Es war ihm immer , als müßte er der Mutter und noch einer Andern zeigen , daß er besser sei , als man von ihm denke , als werde man hier oder dort nach ihm fragen , und dann solle jeder sagen müssen , einen brävern Burschen und einen , der alles besser angreife , gebe es nicht , so weit der Himmel blau sei . Und wenn ihm die Galle aufsteigen wollte und ihn antreiben zum Wüsttun , so wars ihm , als hebe das Meitschi hinter einem Hag den Finger auf und sage : » Bhüet mih Gott vor einem Selligen . « Dann nahm er sich zusammen und tat wieder , wie er dachte , daß ein Meitschi , welches gerne einen guten Mann hätte , es am liebsten sehen würde . Aber wie viele Pläne er auch machte , auf das Dorngrüt zu gehen , er führte keinen aus . Es munterte ihn niemand auf , und so wie es bei ihnen immer mehr ging , hatte er nicht das Herz , eine junge Frau in das Wesen hineinzuführen . Als künftiger Besitzer des Hofes , um der Mutter zu gefallen und ein gutes Lob zu erhalten ringsum , hatte er geglaubt , er dürfte wohl dem Vater sich näher zur Hand stellen , dürfte ihn fragen : » Wollen wir nicht an dieses oder jenes hin ? Vater , bleib du daheim , wir wollen die Sache schon machen , daß es dir recht ist . « Auch fragte er : » Vater , darf ich nicht mit dir zMärit , soll ich den Kleb mitnehmen oder den Tschägg , sie sind fett und geben wenig Milch , es wäre Geld zu verdienen , und ich sollte das Handeln auch lernen ? « Dann sah und hörte der Vater einige Zeit zu , und es dünkte ihn , er sollte selbst Freude haben am Eifer seines Sohnes , und er sagte wohl einige Male zu sich selbst : Das gibt einmal ein rechter Bauer . Hätte die Erfahrung des Vaters den Eifer des Sohnes unterstützt , die fünftausend Pfund wären nicht nur bald ersetzt , sondern ihr Verlust wäre durch die erzeugte Aufregung ein eigentlicher Vorteil geworden . Aber bald kamen Eifersucht und Mißtrauen über den Vater . Er meinte , Resli sei von der Mutter aufgestiftet und sollte jetzt den Hof führen nach ihrem Sinn , mit Hasten und Jagen und Grämpeln , wie es Vater und Großvater nie getan . Er wollte den Sohn nicht über den Kopf sich wachsen lassen , die Leute sollten ihm nicht sagen , sein Sohn sei ein ganzer Kerli , und seit er regiere , gehe alles besser . Es sei eins ein schlechter Sohn , wenn er den Pflug nicht im gleichen Loche fahre wo der Vater . Einmal er hätte sich geschämt , regieren zu wollen , solange der Vater gelebt , und als derselbe gestorben , habe er gebauert , wie er es vom Vater gelernt , und es wäre auch gegangen . Aber die Welt werde immer schlechter , und die Kinder verachteten ihre Eltern , und ein jeder Bube wolle gescheiter sein als Vater und Großvater . Aber solange er lebe , gebe er den Löffel nicht aus der Hand und auch das Hefti nicht , und man solle erfahren , wer Meister sei . Von dieser Zeit an ging es dem armen Resli bös , und er brauchte nur ein Wort zu einer Sache zu sagen , so ging es übel , und von allem , was er sagte , tat der Vater gerade das Gegenteil , und wenn er ihm eine Unerfahrenheit oder Unbesonnenheit aufrupfen konnte , so sparte er es nicht und nahm sich damit nicht einmal vor den Diensten in acht . Wo er nur konnte , gab er ihm zu verstehen , daß er eigentlich nur noch ein Bub sei und nichts verstünde und noch manchen Bissen Brot essen müßte , bis er nur wüßte , was eigentlich ein Bauer sei . Resli verlor allen Mut , als sein Eifer ihm so übel genommen ward . War er dann laß und mutlos , so hieß es , da sehe man , was mit ihm sei ; wenn er die Sache mit dem Maul machen könnte , so wäre es wohl gut , aber wo es müsse ausgehalten sein , da sei er nicht daheim . Doch dies hätte er auch noch ertragen , er wußte gar wohl , daß man mit der Eltern Gebrechen Geduld haben solle , wenn nur diese Vorwürfe im Stillen unter vier Augen geschehen wären . Aber die Art im Hause hatte sich ganz geändert , und das war es , was ihn am übelsten plagte und manchmal fast z ' weinen tat . Früher war man so besonnen mit der Rede , hütete sich , daß kein böses Wort fiel oder wenigstens nie vor fremden Ohren ; denn wenn Mann und Weib sich böse Worte geben , was sollen Kinder und Diensten daran für ein Exempel nehmen ? Und muß man sich darüber wundern , wenn sie ebenfalls böse Mäuler kriegen ? Darum auch war das Haus so berühmt weit und breit ; denn wo Keiner dem Andern ein böses Wort sagt , da geht es im Frieden , und wo es im Frieden geht , da können