ewigen Angedenken dieser schönen Stunde , einen Kuß von diesen schönen Lippen pflücken . « Die beiden dichtenden schönen Wesen umarmten und küßten sich innig , und es blieb , in diesem poetischen Taumel , nicht bei dem einen erbetenen Kusse , da Tasso fühlte , daß sie seine begeisterte Berührung mit den süßen , vollen Lippen erwiderte . Als man Abschied nahm , sagte der Graf : » Ich würde um die Erlaubnis nachsuchen , morgen meinen Besuch wiederholen zu dürfen , wenn mich nicht teure Verpflichtungen nach Rom hinzwängen . Ein Verwandter von mir , ein ferner Vetter , aber ein reicher Mann , ist von den Banditen aus Subiaco , dort im Gebirge , fortgeraubt worden , und die Räuber verlangen für ihn ein unermeßliches Lösegeld . Das schlimmste aber ist , daß keiner weiß , wohin sie den Armen geschleppt haben . Nun sind viele eingefangen und nach Rom gebracht worden , und von diesen ist mir einer bezeichnet , der vielleicht die Kunde , die genaueste , von jenem Vorfall haben mag . « Die Fremden beurlaubten sich und Flaminio geleitete sie , um dem großen Tasso , den er innigst verehrte , noch einige Zeit näher zu bleiben . » Wir reisen morgen auch nach Rom « , sagte die Mutter plötzlich zur Tochter . » Himmel ! « rief Vittoria , » wie erschreckst du mich , Mutter ! Ich hoffte , wir würden die Villagiettura noch recht fröhlich hier fortsetzen , da jetzt erst so manche unsrer Freunde herausziehn werden ; denn der Herbst hat ja erst angefangen . « » Es muß sein « , sagte die Matrone . » O Mutter ! « klagte die Tochter , » ich kann es dir nicht aussprechen , wie schrecklich und gespenstisch mir diesmal die Stadt vorkommt . Dies große , ewige Rom , um das uns so viele Fremde beneiden , und den Aufenthalt dort als einen glückseligen preisen - o wie greulich , furchterfüllt , entsetzlich erscheinen mir diesmal seine Straßen und Plätze ! Ich habe eine Vorempfindung , als wenn mir dort das allergrößte Unglück meines Lebens begegnen , als wenn ich dort untergehen müsse . O laß uns noch verweilen . Warum diese Hast ? « » Warum ? « rief die geängstete Mutter ; » weil ich Kinder habe , die mein Stolz und meine Freude sein sollten , und die mir zur Höllenqual werden . So wisse denn , Unglückselige , daß sie unsern Marcello zum zweitenmal eingefangen haben : in dem Briefe , den ich heute erhielt , spricht man von Hinrichtung , wenigstens von der Galeere . Er hat sich wieder bei den Banditen betreffen lassen . Ich muß nach Rom ; unser Schützer , der Kardinal Farnese , muß sich unserer annehmen , sonst sind wir verloren . « » Um Gottes willen « , sagte Vittoria in Tränen , » - dieser unglückliche Bruder - diese seine Unruhe und Wildheit , die er für Kraft und Tugend hält ! Aber Liebste , o du meine einzige Freundin ! schütze mich nur dort vor allen den rohen , unbändigen Gesellen , die mich zu lieben vorgeben , die meine Freier vorstellen wollen . O dieser abscheuliche Luigi Orsini , dieser entsetzliche Mensch , so im Wesen , wie ich mir den Herzog Alexander Medici von Florenz , oder gar den verruchten Cesar Borgia denke - nur vor diesem und andern seines Gelichters beschütze mich - sonst wäre mir ja wahrlich besser gewesen , dort im Wassersturz unterzusinken . « » Darüber beruhige dich , meine Tochter « , tröstete die Mutter , » - dieser Orsini , dieser Ludwig , soll nicht über unsre Schwelle schreiten . « » Gib mir noch ein Versprechen ! « rief Vittoria . - » Nun ? « - » Daß du deine Einwilligung gibst , daß ich mich gar nicht zu vermählen brauche ! Ich hasse , ich verachte die Männer ! Ich könnte eher einen vergiften , als mich ihm unterwerfen . Dies scheint mir das ärgste , schändlichste aller Verbrechen . Nein , Mutter , zwinge mein Gemüt nicht , daß es sich empört und sich lieber in alle Greuel taucht , die Namen haben , als daß es sich der Gemeinheit ergibt , die so viele jämmerliche Menschen Tugend und Notwendigkeit nennen . « - » Tochter ! Tochter ! « sagte Julia geängstigt , » vielleicht empfinde ich in Zukunft um dich noch mehr Angst , als mir jetzt der unglückliche Marcello macht . O Gott ! Was ist das Leben ? Rüste dich zur Reise . « Als sich Vittoria allein sah , blickte sie zum Abendhimmel empor . - Der Mondschein zeigte ihr die Berge , sie hörte in der Stille der Nacht den Wasserfall brausen . » Lebt wohl « , rief sie , » alle ihr geliebten , teuren Wiesen und Bäume ! - hab ich nicht heut gesehn , daß dieser göttliche Tasso auch nur ein Mann , ein schwacher Mann war ? - Nicht stärker als Camillo . - Wo find ich ein Wesen , das ich ehren und lieben könnte ? - Gut denn : der Tiberstrom wird immer noch ebenso tief sein , wie der Teverone ; - wenn man frei sein will , wahrhaft will , so gibt es kein Schicksal , das uns Ketten anlegen könnte ! « Zweites Buch Erstes Kapitel Als die Familie in Rom angekommen war , richtete sie sich in ihrer einfachen Wohnung wieder auf die frühere Weise ein . Es fehlte nicht an Besuchen , als die Römer erfahren hatten , daß alle aus Tivoli zurückgekehrt seien . Die Mutter suchte sogleich ihre mächtigen Beschützer in Anspruch zu nehmen , um ihren unglücklichen Sohn von der Schande oder einem noch härteren Lose zu befreien . Sie fand aber jetzt mehr Schwierigkeiten , als sie sich dort in ihrer ländlichen Einsamkeit hatte vorbilden können , denn fast alle Parteien