Ausdauer und Tapferkeit möglich geworden waren , welche nach langen Jahrhunderten noch die späteste Nachwelt mit bewundernder Verehrung erfüllen werden . Mehreren der aus dem Kriege Heimgekehrten war es gelungen , die strenge Aufsicht , welche an der russischen Gränze die Einführung ausländischer Bücher erschwert , zu umgehen . Kriegslieder , Aufrufe an die deutschen Völker zum gemeinschaftlichen Kampfe , diese alles elektrifirenden Vorläufer jener denkwürdigen Zeit , waren mitgebracht , und wurden mit Enthusiasmus in Zusammenkünften gesungen und gelesen . Aber nicht nur diese allein , auch andre von dem , nach so gewaltsamer Erregung nicht gleich das nöthige Gleichgewicht wiederfindenden Freiheitssinne eingegebene Schriften , hatten auf gleiche Weise den Weg in jene vertraulichen Vereine gefunden ; auch sie wurden übersetzt , vorgelesen , besprochen , bestritten , oder auch mit lautem Jubel aufgenommen . Im Auslande schwindlig gewordene junge Brauseköpfe , rissen durch feurige Beredsamkeit ihre Zuhörer zu Plänen und Vorschlägen für das Wohl des Vaterlandes hin ; sprachen von nicht länger aufzuschiebenden , zum allgemeinen Besten durchaus nothwendigen Abänderungen verjährter Mißbräuche , und wähnten von reiner Vaterlandsliebe sich beseelt , ohne hinter dieser glänzenden , sie selbst täuschenden Maske , die tief im eignen Gemütheverborgenen Regungen unruhigen Ehrgeizes zu erkennen . Mit aller Gluth eines lebhaften , in der Welt noch ganz neuen Gemüthes , hing Iwan dann an den Lippen der Redner ; ernster und mehr in sich gekehrt , zeigte Richard sich nur als aufmerksamen Zuhörer , dem nicht alles neu war , was er hier vernahm . Zuweilen glaubte er Äußerungen zu hören , über die , nur weitläuftiger und mit andern Worten , der Fürst Andreas sich schon ausgesprochen hatte , dann aber kam auch wieder so vieles zu jenem nicht Passendes , ihm widersinnig Dünkendes dazwischen , das ihn irre machte . Er wünschte von Herzen , die Unterhaltung möge eine fröhlichere , dem jugendlichen Alter angemessenere Wendung nehmen ; doch daran war nicht zu denken . Ein heimlich unter der Asche glimmendes Feuer hatte die Gemüther ergriffen , und verbreitete sich im Verborgenen immer weiter und weiter . Gern hätte er diese Gesellschaft , in der er sich nie recht behaglich fühlte , ganz aufgegeben ; nicht aus Besorgniß um die möglichen Folgen , an die er nicht glauben konnte , indem er in allen diesen Berathungen nur ein nutzloses , zeitraubendes Spiel müßiger Köpfe sah ; aber weil jedes unberufene Einmischen in ernste Angelegenheiten , geschähe es auch nur durch in den Wind verhallende Worte , ihm tief im Innersten der Seele zuwider war . Um Iwans willen , den jede Äußerung seines Mißbehagens tief zu kränken schien , hatte er indessen nicht den Muth , aus einem Kreise zu scheiden , an welchem dieser das höchste Interesse nahm , und ließ es sich zuweilen sogar gefallen , zu später Nachtzeit , nach einigen auf ganz andre Weise in Helenas Nähe froh verlebten Stunden , von seinem Freunde in diese Gesellschaft sich schleppen zu lassen . Fürst Andreas war mit seinem künftigen Schwiegersohne und mit dem jungen Fürsten Eugen der Einladung zu einer großen Jagdpartie gefolgt ; eine leichte Erkältung hielt indessen die Fürstin Eudoxia in ihren Zimmern gebannt , wo ihre beiden Töchter den ganzen Tag über ihr Gesellschaft leisten mußten , weil sie keine Besuche annahm . Richard selbst war in dieser Zeit von Morgen bis Abend mit Vorübungen zu einer Revüe beschäftigt gewesen , die nächstens Statt haben sollte ; alles dieses hatte mehrere Tage lang ihn von Helena und dem ganzen fürstlichen Hause entfernt gehalten . Jetzt endlich war aber alles überstanden ; die militairischen Übungen waren beendet , des Fürsten Rückkunft wurde stündlich erwartet , und auch Eudoxia war von ihrem Unwohlsein völlig wieder hergestellt . In der vornehmen Welt war es noch ziemlich früh am Tage , als Richard , von Ungeduld getrieben , eine für Helena bestimmte Rolle frisch angekommner musikalischer Novitäten unter dem Arme , über den weiten Vorhof einer Seitenthüre des Palais zueilen wollte , welche in den von den beiden jungen Fürstinnen bewohnten Flügel desselben führte . Zu seinem höchsten Erstaunen fand er aber schon am großen Thorwege den Weg versperrt . Remisen und Ställe standen weit offen , die Lieblingspferde des Fürsten wurden hinausgeführt , eine Unzahl von Reisekutschen , Packwagen , Fuhrwerken aller Art , bildeten im Hofe eine fast undurchdringliche Wagenburg . Kisten und Koffer von allen Formen und Dimensionen lagen neben und über einander aufgethürmt dazwischen , und singend , fluchend , pfeifend , schreiend , hämmernd , rufend sprang , lief , kletterte eine Armee von Stallknechten , Sattlern , Dienern , Schmieden und Wagnern in diesem Chaos umher . Richard wußte nicht wie ihm geschehen ; bis zu jener Seitenthüre durchzudringen war unmöglich ; vergebens bestürmte er mit Fragen die an ihm vorbeistreifenden Diener ; vor lauter Geschäftigkeit konnte keiner derselben ihm Rede stehen . Endlich gelang es ihm , bis zu dem Haupteingange des Palais sich durch das Getümmel hindurch zu arbeiten ; kaum hatte er hier die große Treppe erreicht , als ein Diener der Fürstin Eudoxia ihn in Empfang nahm , der sehr erfreut war ihn anzutreffen , weil er so eben Befehl erhalten , ihn sogleich aufzusuchen und zu seiner Gebieterin zu führen . In ihm selbst unverständlicher , dumpfer Angst befangen , wankte Richard , wie ein Träumender , den ihm von Kindheit auf bekannten Weg zu den Zimmern der Fürstin hinan , und konnte nur mit Mühe sich zurecht finden ; denn Treppen , Korridor , Vorzimmer , alle seit langen Jahren täglich gesehene Gegenstände , kamen in seiner innern Verstörtheit ihm ganz fremdartig vor . Nur als beim Öffnen der Thüre die , aus dem köstlichsten Blumendufte und den ausgesuchtesten Parfümerien zusammengesetzte Atmosphäre ihm entgegen wallte , welche gewöhnlich die Fürstin umgab , kam er einigermaßen wieder zu sich selbst . Der erste Blick auf die in blühender Gesundheit von ihrem gewohnten Platze ihm entgegen lächelnde Eudoxia , mußte jeden Gedanken an einen ihr oder ihrem Hause