' s nahe Dorf , wo unser Freund Robert sich aufhält . Mich rufen Geschäfte , aber Sie können bei der Gelegenheit dem beginnenden Frühling entgegenlauschen . « In diesem Moment war unserem Träumenden nichts willkommener , als eine solche Einladung , schnell setzte er sich ein , und in ein paar Stunden hatte man das Dorf erreicht , dessen Lichter durch das nackte schwarze Gesträuch durchschimmerten . Der Doktor verließ unsern Freund bei einem Kreuzwege , nachdem er ihm umständlich beschrieben , welche Richtung er einschlagen müsse , um zu Roberts Häuschen zu kommen . Eduard drückte seinen Hut in die Stirne , schlug seinen Mantel fester und schritt langsam die Dorfgasse hinauf ; am Ende derselben fand sich ein Häuschen , mit der einen Seite an die Kirchhofmauer angebaut , ein kleiner dunkler Hofraum schloß ein paar Nebengebäude ein , und das erleuchtete Fensterchen nach der Gasse war der einzige Lichtpunkt in dem finstern Gemälde . Eduard stellte sich vor das Fenster und spähte durch die Spalten der festgezogenen weißen Vorhänge . Er konnte nichts als eine rothe Wange sehen und etwas blondes Haar , das an einem schöngeformten kleinen Ohr herabfiel ; nicht lange , so kam eine Hand und spielte mit diesem Haar , zugleich tönte ein Gelächter aus der kleinen Stube hervor . Jetzt mußte man ihn bemerkt haben , denn der Vorhang wurde fortgeschoben und Roberts Antlitz sah in die Nacht hinaus , das Fenster ward leise geöffnet und der blonde Kopf zeigte sich mit zwei großen blauen Augen in die Finsterniß starrend . Eduard drückte sich zur Seite , und die Beiden zogen sich wieder zurück . Er bestieg jetzt die niedrige Kirchhofmauer , und indem er sich auf ein Grab niederließ , blickte er , den Kopf in die Hand gestützt , unverwandt in das kleine erhellte Fenster . Unerhört , rief er bei sich , da bringt er nun seine vornehme Verderbtheit , seine vergifteten Gedanken und Bilder , seine geschwächten Küsse und entkräfteten Liebkosungen dem jungen Leben dar und hängt sie einem Busen um , der kalt , frisch und glänzend sich eben der Knospe entdrängt . Er muß ja überall siegen , denn schön , wie er , ward nicht leicht Einer geschaffen . Der Mond erhob sich jetzt voll und schwimmend über das schwarze Schieferdach der Dorfkirche , er ging leise mit seinem Licht immer vorwärts , als überzähle er die Gräber , ob seit gestern kein neues hinzugekommen , die halbversunkenen Kreuze sahen wie schwarze seltsame Blumen aus , die jedem darunter schlafenden verstäubenden Schädel entwachsen zu seyn schienen . Vom Nachbardorfe kamen die Straße herab einzelne Spielleute , sie blieben vor dem Hause des Amtmanns stehen und bliesen so lange und bittend , bis sie eine spitze Nachtmütze aus einem der obern Fenster herausgeblasen hatten . Es wurde gedankt , Geld fiel herab und die Bande zog weiter . Eine Stille trat ein , dann fing ein entfernter Hund zu bellen an , aus einer andern Gegend antwortete ihm ein Kamerad , dann ließ sich in der Nähe ein heiserer Kettenhund vernehmen , und nicht lange , so bellten alle Hunde im Dorfe , zwischendurch hörte man das elegische Knarren eines Ziehbrunnens und dann die hüpfenden Töne des wieder niederfahrenden Eimers . Eduard sah jetzt mehrere Männergestalten , die langsam um die Ecke bogen und sich dem Hause mit dem hellen Fensterchen näherten ; sie waren im Streit mit einander , ein ältlicher Mann , wie es schien , wollte die drei jüngern zurückhalten , er hatte den einen derselben am Arm , den andern am Rockschooß , den dritten bei der Hand gefaßt , und von den vielen Worten , die er bald bittend bald drohend ausstieß , konnte Eduard nur folgende vernehmen : » So nimm doch Rath und Vernunft an , Caspar ; wir können ja offenbar weit mehr ausrichten , wenn wir den Schulzen wecken und ihn herbringen , damit er mit eigenen Augen den Spitzbuben bei ihr entdeckt ! « - » Einfältiges Zeug , rief einer der jungen Leute , ich soll wohl warten bis der träge Schulze sich aus den Federn hebt , die Nachtmütze abwirft und in die Kleider fährt , unterdeß könnte wohl allerlei geschehen , was du und der Schulze nicht wieder gut machen können , nein , nein , laßt mich los , es ist am besten , ich verlasse mich auf meinen starken Arm und diesen Knüttel ; mag nachher geschehen was da will , hab ' ich nur erst mein Müthchen gekühlt , und dem Burschen drinnen bewiesen , daß es gerathen ist , ein ehrliches Mädchen und dazu meine Braut in Frieden zu lassen . « Eduard begriff jetzt die ganze Intrigue ; ihm wurde für Robert bange , wenn er die drei kräftigen Gestalten betrachtete , die jetzt auf das Haus leise zuschritten , nachdem sich der Alte von ihnen getrennt hatte und zurückgeblieben war . Sie gingen behutsam vorwärts und indem einer sich als Wache am Fenster hinstellte , drangen die zwei andern in den dunkeln Hofraum , um von dort wahrscheinlich in die Hausthür zu gelangen . Eine Zeitlang blieb es ganz stille , die Gestalt am Fenster gab nicht das mindeste Zeichen von Bewegung , und aus dem Stübchen tönte von Zeit zu Zeit eine lachende Stimme . Plötzlich fing ein Hund zu bellen an , man hörte Jemanden stolpern und fallen , dann fluchen , zu gleicher Zeit ward eine Thür aufgestoßen , und mehrere Stimmen wurden laut . Der Vorhang am Fenster flog fort , das Fenster ward aufgerissen und ein heftiges , anhaltendes Geschrei , Gepolter , Zank und Handgemenge tönte auf den ruhigen Kirchhof hinaus . Der Bauerbursche , der sich als Bräutigam genannt , lehnte weit aus dem Fenster heraus und rief seinem Kameraden zu , hereinzukommen um das Mädchen einzufangen , welches im Gedränge entschlüpft sey , und sich wahrscheinlich irgendwo versteckt halte . Der Aufgeforderte sprang auch sogleich ohne weiters mit