nur immer , indem sie auf etwas Entscheidendes zu spannen schien . Wirklich hatte sich inzwischen nicht wenig Bedeutendes in der Ferne zugetragen . Es waren , bald nachdem der Vetter die Bekanntschaft des Försterhauses gemacht , von zwei verschiedenen Seiten und von sehr wohlmeinenden Personen Briefe an Nolten gelangt , worin er auf ein sehr zweideutiges Benehmen des Alten und seiner Tochter in betreff des jungen Menschen aufmerksam gemacht wurde . Eine dieser Warnungen kam sogar von dem guten Baron auf dem Schlosse bei Neuburg , welcher sonst mit dem Förster in freundlichem Vernehmen stand , und von dessen Rechtlichkeit und vorsichtigem Urteil sich weder Übereilung noch Parteilichkeit erwarten ließ . Schon diese ersten Laute des Verdachts , obgleich sie unsern Maler noch keineswegs zu überzeugen vermochten , erschütterten und lähmten , ja vernichteten ihn doch dergestalt , daß er sich lange nicht entschließen konnte , auch nur eine Zeile nach Neuburg zu richten , seinen väterlichen Freund , den Baron , ausgenommen , dem er eine nochmalige Nachforschung dringendst empfahl . Allein nach mehreren Wochen erhielt er auf eine höchst unerwartete Weise die vollkommenste Bestätigung seines Argwohns , und zwar durch das ausführliche Schreiben Otto Lienharts - ein Name , den er früher einmal gelegentlich von Agnes gehört zu haben sich sogleich erinnerte . Daß dies eine und dieselbe Person mit dem mehrerwähnten Vetter sei , brauchen wir kaum anzumerken . Der Eingang des Briefes nimmt auf eine ebenso bescheidene als verständige Art das Vertrauen Theobalds in Anspruch ; der Unbekannte bittet um ruhiges und männliches Gehör für dasjenige , was er vorzutragen habe ; es sei , versichert er , so sonderbar und so feindselig gar nicht , als es wohl in dem ersten Augenblicke erscheinen könnte . Nun geht er auf das innere Mißverhältnis der Verlobten über , wie die Natur der Charaktere ein solches wesentlich und notwendig begründe , ohne daß einem der beiden Teile das geringste dabei zur Schuld falle . Sodann wird die Neigung des Mädchens zu ihm , dem Vetter , entwickelt , gerechtfertigt und endlich wird ohne Anmaßung erklärt , in welchem Sinne er Agnesen ihren ersten Freund , dessen eigentümlichen Wert sie noch immer verehre , zu ersetzen hoffen dürfe . Wenn nun die angeführten Gründe hinreichen würden , um Nolten zu freiwilliger Abtretung seiner Ansprüche zu bewegen , so hänge am Ende alles nur vom Vater ab . Es scheine , daß dieser im stillen einen solchen Wechsel gutheiße und sich nur vor Nolten scheue , deswegen halte er die Sache mit schwankendem Entschlusse hin und sorge in der Tat für keinen Teil sehr vorteilhaft , wenn er Theobalden noch immer in einer Hoffnung lasse , auf welche er selber insgeheim verzichte ; er tue Unrecht , daß er die Tochter stets aufs neue irrezumachen suche und sie nötige , in ihren Briefen unredlich gegen Theobald zu sein . Ihr Herz habe für immer entschieden . Einige Briefe von Agnesens eigener Hand an den Cousin werden ihre Gesinnung hinreichend beweisen . ( Die Blätter lagen bei , und man hat sich Briefe zu denken , welche die Unglückliche ohne Vorwissen des Försters an Otto gesandt . ) Er habe diese Eröffnungen für Pflicht gehalten , und Nolten möge seine Maßregeln darnach ergreifen . Sollte der Förster , was jedoch wenig Wahrscheinlichkeit habe , zuletzt eigensinnig und grausam die Rechte des Vaters geltend machen , oder Theobald die des Verlobten , so könne nur ein vollendetes Unglück für alle daraus entspringen , während im andern Falle Nolten wenigstens den Trost für sich behalte , den der Mann im Bewußtsein einer ungemein und großherzig erfüllten Pflicht von jeher gefunden . Ein schallendes , verzweiflungsvolles Gelächter war das erste Lebenszeichen , das unser Maler , nachdem er einige Sekunden wie besinnungslos gestanden , von sich gab . Wir schildern nicht , in welchem Kreislaufe von Zerknirschung , Wut , Verachtung und Wehmut er sich nun wechselnd umgetrieben sah . Was blieb hier zu denken , was zu unternehmen übrig ? Haß , Liebe , Eifersucht zerrissen seine Brust , er faßte und verwarf Entschluß auf Entschluß , und hatte er die wirbelnden Gedanken bis ins Unmögliche und Ungeheure matt gehetzt , so ließ er plötzlich mutlos jeden Vorsatz wieder fallen und blickte nur in eine grenzenlose Leere . Nach Verfluß einiger Tage war er so weit mit sich im reinen , daß er stillschweigend allem und jedem seinen Lauf lassen und etwa zusehen wollte , wie man in Neuburg sich weiter gebärden würde . Seinem Larkens , der indessen von einer kleinen Reise zurückgekommen war , und dem sein Kummer bald auffiel , entdeckte er sich keineswegs ; denn einmal wollte er sich in seinem Benehmen in der Sache durch fremdes Urteil nicht geirrt wissen , er fürchtete die Geschäftigkeit , welche sein lebhafter und unternehmender Freund in solchem Falle sicherlich nicht würde verleugnen können , und dann hielt ihn ein sonderbares Gefühl von Scham zurück , wie es denn seinem Charakter eigen war , fremdes Mitleid , und käme es auch vom geliebtesten Freunde soviel möglich zu verschmähen . Gewisse weggeworfene Äußerungen des Malers , sowie eine Menge kleiner Umstände , ließen jedoch dem Schauspieler keinen Zweifel mehr übrig , wen die Verstimmung betreffe ; aber weit entfernt , den Fehler auf seiten Agnesens zu suchen , sah er an seinem Freunde im stillen nur den seichten Überdruß , die undankbare Laune eines Liebhabers , und es mußte ihn die kleinlaute Verlegenheit Theobalds , wenn darauf die Rede kam , in der Meinung bestärken , dieser fühle sein Unrecht . Dem Maler war ein solcher Irrtum gewissermaßen nicht zuwider , er mochte lieber den Schein der Untreue haben , als sein wahres Elend täglich in den Augen des Schauspielers lesen . Dem letztern konnte es nicht entgehen , daß die gewöhnlichen Briefe nach Neuburg seit einiger Zeit stockten , obwohl von dorther immer welche einliefen , und so entstand denn in dem sonderbaren Manne der Entschluß , Noltens Pflicht in diesem