der Maske entdecken ließ , wobei er sich wirklich sehr kurzweiliger Wendungen bediente , von meinem Zweck ab . Unser thörichtes Gespräch war bald so ungezwungen geworden , daß wir uns gegenseitig , einander nicht fremd zu seyn , gestanden . Ich fand den Ton , in welchem mir Lord Friedrich dieses Geständniß machte , nicht sehr ehrerbietig ; anstatt ihn aber durch Kälte abzuwehren , begegnete ich ihm durch eine witzige Antwort . In dem Augenblick , wo ich sie gesagt , hörte ich nahe bei meinem Ohr eine leise Stimme , die zu mir sprach : » Seyn Sie vorsichtig ; Sie bedürfen es . « - Bestürtzt sah ich mich um , erblickte aber nur gleichgültige schwarze Domino ' s in gleichgültiger Stellung , so daß ich die gehörten Worte für eine Täuschung meiner gereizten Fantasie hielt ; doch aber sehr froh war , in diesem Augenblick Lady St. Edmond zu finden . Sie schien meinen Unmuth , sie nicht früher erreicht zu haben , nicht sehr zu theilen , überhäufte mich aber dermaßen mit Schmeicheleien , daß meine gute Laune zurückkehrte , und ich anfing das bunte Gewirre um mich her mit Heiterkeit zu betrachten . Der Raum , wo getanzt ward , war einen Augenblick leer , und sogleich schlug mir Lord Friedrich vor , einen Tanz aufzuführen , der von der Nationalität der Türken nichts wie den Ausdruck sinnlicher Leidenschaft hatte , der ihn der Modewelt auf unsern Theatern empfahl . Ich erinnerte mich an den unseligen Walzer , der mir am Tag meines Eintritts in die große Welt so bittre Empfindungen erregt hatte , lehnte den Vorschlag bestimmt ab , bot mich aber an , ihm zu jedem andern Tanze meine Hand zu geben . Lady St. Edmond machte mir begreiflich , daß es in einer Charaktermaske höchst geschmacklos seyn würde , in einem andern als mit ihr übereinstimmendem Tanz aufzutreten , daß ich also den Tanz des Serails aufführen , oder gar nicht tanzen müßte . - Und ich tanzte so schön ! und ich war so gewohnt Beifall für mein Tanzen zu ärnten ! Ich hatte vor meinem Spiegel so sicher auf Beifall gerechnet ! - Lord Friedrich bestärkte Lady St. Edmonds Schlußbemerkung : wie ich doch nicht glauben könnte , daß sie mich in ihrem Hause , vor ihren Augen , zu etwas Unziemlichem auffordern würde , mit den ausgelassensten Schmeicheleien , und so befand ich mich mit ihm , von einem dichten Kreis von Zuschauern umgeben , ehe ich meinen Entschluß eigentlich geändert hatte , mitten im Saal stehen . Mein Herz zitterte vor der Thorheit , die ich beging . Heil , o Heil des allen Völkern , sobald sie die erste Stufe der Bildung gewonnen haben , allgemeinen Gesetzes , welches unser Geschlecht der Meinung unterwirft ! Schamlosigkeit kann sie verachten , höhere Pflichten können uns berechtigen sie zu beseitigen , allein für die Mehrzahl der Weiber , die bei einem wenig umfassenden Beruf gern das Aussergewöhnliche mit Lebhaftigkeit ergreifen , ist die Meinung wie der Vorposten der Tugend ; sie gibt dem Nachdenken Zeit , sich gegen den Feind zu bewaffnen . Dieser Vorposten fehlte mir jetzt . Unverlarvt hätte ich es nie gewagt , mich den Blicken der mir unbekannten Menge auszusetzen , in meinem Flitterstaat , meinen schamglühenden Wangen von der Larve bedeckt , härtete ich mich bald gegen das Unziemliche meines Auftretens ab , und die Schüchternheit , die meine Bewegungen dennoch beibehielten , mochte dem Charakter des Tanzes für die Zuschauer einen besondern Reiz geben , bei dessen Namen sich heute mein Bewußtseyn empört . Nach Beendigung des Tanzes , eilte ich unter dem Beifallsruf der Menge zu Lady St. Edmond zurück ; allein sie hatte ihren Platz verlassen ; Miß Arnold erwartete mich , im Gespräch mit einem Bekannten begriffen . Sogleich begannen wir die Hausfrau zu suchen . Im Vorbeigehen bei einem Tisch , mit Erfrischungen besetzt , griff ich , vom Tanz , von der Larve und von dem Gedränge erhitzt , nach einem Glas Eis ; Lord Friedrich entzog es heftig meiner Hand , erinnerte mich an die Folgen einer so gefährlichen Erquickung und reichte mir einen Becher schäumenden Champagner . » Trink wenig ; der Becher enthält Gift « ! hörte ich die vorige Stimme mir zuflüstern . Herrn Maitlands Bild gesellte sich zu dem Schrecken , der mich bei diesen Worten überlief . Ich blickte um mich ; unter einem Haufen schwarzer Domino ' s stand mir einer derselben nahe , allein mit der gleichgültigsten Haltung ergriff er eben ein Glas Punsch , und seine kleine , unansehnliche Gestalt ließ auch keinen Gedanken an jenes Mannes hohen kräftigen Wuchs aufkommen . Da es mir gar nicht einfiel , den Worten der Maske eine sinnbildliche Deutung zu geben , hielt ich sie für einen unzeitigen Scherz und leerte mit nächlässigem Lächeln das Glas . Die Wirkung des Weins war bei der schon bestehenden Aufregung meiner Lebensgeister augenblicklich ; meine Lustigkeit stieg bis zur Spannung , ich wanderte lachend , schwatzend , Miß Julie und ihren Begleiter ohne Unterschied mit in das Gespräch ziehend , immer in der Absicht , Lady St. Edmond aufzusuchen , von einem Zimmer zu dem andern . Ehe ich mir es versah , gelangten wir ganz am Ende der Gesellschaftszimmer in ein Gemach , das , wie ich mir nachmals zu erinnern glaubte , Lord Friedrich erst öffnete ; es war so glänzend wie die übrigen erleuchtet und mit einem wohlbesetzten Trinktisch verziert , doch die wohlthätige Kühle der Luft bewies , daß der Haufen es noch nicht angefüllt hatte . Mein Begleiter führte mich zu einem Sopha , wir setzten unser Gespräch fort ; durch die offne Thür sah ich die Bewegung der Gäste , und , obschon getrennt von der Menge , fiel mir die unmittelbare Nothwendigkeit , diesen angenehmen Ort zu verlassen , nicht auf . Lord Friedrichs Gespräch ward zärtlicher und dringender , endlich hatte er die Keckheit ,