, die seinem Stolz schmeicheln , und ihm einiges Ansehn in ihren Augen verschaffen mußte , da die Gräfin Tannow , die ihn zu ihrem Führer wählte , eine der gefeiertesten Damen der Residenz war . Freudig einwilligend verbeugte er sich , und würde ihr sein Entzücken noch lebhafter bezeugt haben , wenn nicht theils die Klugheit ihm gerathen hätte , es zu verbergen , theils ein Anblick ihn so befremdet und zerstreut hätte , daß es ihm nicht möglich war , sich gehörig zu sammeln . Es trat nämlich ein junger Mann in die Loge des Gesandten , der mit allen Kennzeichen genauer , traulicher Bekanntschaft Platz hinter Erna nahm . Eine angenehme Gestalt und ein freier , durch Welt und gute Erziehung gebildeter Anstand zeichnete ihn aus - mehr noch ein gewisser Ernst , der reifer wie seine Jahre war , und sich fast zur Düsterheit hinneigte . In dem freundlichen Empfang , der ihn von Seiten der Gesandtin und Erna ' s wurde , lag ein eben so unverkennbarer Ausdruck von Achtung als von Wohlwollen , und unwillkührlich beneidete er den Unbekannten um das Lächeln , und den herzlichen Gruß , mit welchem Erna ihn aufnahm . Er verarbeitete das Unbehagen in sich , das bei diesem Anblick mit plötzlichem Schauer die frohen Wallungen seines Blutes kühlte , und als er wieder so viel Ruhe gewonnen hatte , um gleichgültig fragen zu können , forschte er nach dem Namen des ihm völlig Fremden , und erfuhr , daß es Herr von Linovsky , der Legationssecretair und sehr geachtete Hausfreund des Gesandten sei . Die Gräfin schilderte ihn als einen guten , klugen , aber etwas bizarren Menschen , der den Philosophen spiele , allen geselligen Freuden abgeneigt , aber demungeachtet seiner übrigen guten Eigenschaften wegen von den beiden Damen sehr wohl gelitten sei . X Da Erna nach der ersten Begrüßung sich wieder ruhig zum Theater wandte , und Linovsky sich keineswegs bemühte , sie durch seine Unterhaltung davon abzuziehen , so stillten sich in Alexandern allmählig die eifersüchtigen Regungen , die ihm von neuen bestätigt hatten , wie theuer ihm das liebenswürdige Mädchen geworden sei . Ohne das mindeste Recht auf sie , ja selbst ohne eine eigentliche Hoffnung zu haben , war ihm doch , als sei sie mit tausend unzerreißbaren , durch heiße Liebe gewebten Banden an ihn geknüpft , und als dürfe niemand wagen , sie ihm streitig zu machen , oder auch nur in bescheidener Entfernung Wünsche in Beziehung auf sie zu hegen , die er sich allein vorbehielt . Er fühlte , es sei die höchste , entscheidendste Zeit die Bahn unwürdiger Verirrungen nun auf immer zu verlassen , und den Weg der Tugend künftig zu wandeln , und übersättigt vom austrocknenden , öden Weltleben sehnte er sich darnach - aber er fühlte auch , daß er der himmlischen Stütze der Liebe bedurfte , um mit Hülfe ihrer Allmacht zu dem höheren Standpunkt empor zu klimmen , von dem ihn bisher Leichtsinn und Frivolität geschieden hatte . Schon war sein Herz mild erwärmt von jener heiligen Flamme , die über alle ehemaligen Täuschungen der Sinne ihn erhebend , keinem Rausche , sondern einer inneren Verklärung gleich , durch die das Leben sich läutert ; aber Erna ' s Betragen deutete nicht auf die Wahrscheinlichkeit einer einstigen Erwiederung seiner Gefühle , denn der ruhige Ernst ihrer Züge und die kühle Stille ihres Blicks , wenn er dem seinigen begegnete , schlug seine feurigen Hoffnungen nieder , doch nur um - Nahrung aus seinen Wünschen schöpfend - sich bald wieder von neuem zu entzünden . Er nahm sich vor , mit der leisesten Behutsamkeit zu verfahren , um durch ein immer gleiches , bescheidenes Benehmen Erna ' s Unwillen so wie ihr Mistrauen zu entkräften . Dann erst , das sagte ihm die Vernunft und ein gewisser innerer Takt , der sich nicht abläugnen ließ , dann erst , wenn er allmählig sich wieder in den Besitz ihrer Achtung gesetzt haben würde , durfte er , einen günstigen Erfolg erwartend , ihr die innigeren Empfindungen bekennen , von deren Austausch er sich jetzt allein das Glück seiner Zukunft versprach . Er konnte nicht umhin , die Gräfin , als die Oper geendigt war , an ihren Wagen zu begleiten . Auf der Gallerie , die den Eingang zu den Logen bildete , begegnete er Erna am Arme des Gesandten , seine Gemahlin von Linovsky geführt . Man wechselte einige freundliche Worte , die sich auf die Hoffnung bezogen , den morgenden Tag gemeinschaftlich mit einander zu verleben , und scherzend präsentirte die Gräfin den Damen in Alexandern den Ritter , dessen kräftigen Arme sie morgen Leben und Wohlfahrt anzuvertrauen gesonnen sei . Mit vieler Höflichkeit ergriff der Gesandte diese Gelegenheit , durch eine directe Einladung an ihn zum nächsten Abend , die frohe Erwartung zu bestätigen , welche die Gräfin schon früher in ihm erweckt hatte , sich gleichsam ohne sein Zuthun in einem Hause eingeführt zu sehen , das - weil es ihr Aufenthalt war - ein so unbeschreibliches Interesse für ihn hatte . XI Die Hälfte der Nacht verging unter Anordnungen zum folgenden Morgen , der so ahnungsvoll über ihn anbrach , als sei er der Verkündiger einer neuen , wichtigeren Epoche seines Lebens . Mit stiller Sebstzufriedenheit besah er sein Schlittengeschirr , das das glänzendste und geschmackvollste der Residenz war . Denn er liebte den Luxus , und sein Vermögen setzte ihn in den Stand , allem was ihm angehörte , den Stempel einer Eleganz aufzudrücken , die durch edle Auswahl um so lieblicher ins Auge fiel . So hatte er auch hier , da das Schlittenfahren zu seinen Lieblingsvergnügungen gehörte , Sorge getragen , es auf eine seine Eitelkeit in jeder Hinsicht befriedigende Art genießen zu können , und es war nicht zu läugnen , daß wenn sein silbernes Glockenspiel harmonisch erklang , der Anblick des schimmernden Schlitten , des mit männlicher Grazie und Leichtigkeit ihn lenkenden Führers ,