ungewohnte Betragen dieses Fremden so in Furcht und Schrecken setzen ? - Was bewies dieses Springen , dieses Klaffen , dieses Toben , dieses Rennen , dieses Heulen anders , als den in Liebe und Lust , in der freudigen Freiheit des Lebens heftig und mächtig bewegten Jüngling ? - O , es wohnt Tugend , edle Pudeltümlichkeit in jener schwarz bepelzten Brust ! « - Durch diese Gedanken erkräftigt , beschloß ich den ersten Schritt zu tun zu näherer , engerer Einigung unserer Seelen und herabzusteigen von dem Stuhl des Meisters . Sowie ich mich erhob und dehnte , sprang der Pudel auf und in der Stube umher mit lautem Klaffen ! - Äußerungen eines herrlichen lebenskräftigen Gemüts ! - Es war nichts mehr zu befürchten , ich stieg sogleich herab und näherte mich behutsam leisen Schrittes dem neuen Freunde . Wir begannen jenen Akt , der in bedeutender Symbolik die nähere Erkenntnis verwandter Seelen , den Abschluß des aus dem inneren Gemüt heraus bedingten Bündnisses ausdrückt , und den der kurzsichtige frevelige Mensch mit dem gemeinen unedlen Ausdruck » Beschnüffeln « bezeichnet . Mein schwarzer Freund bezeigte Lust , etwas von den Hühnerknochen zu genießen , die in meiner Speiseschüssel lagen . So gut ich es vermochte , gab ich ihm zu verstehen , daß es der Weltbildung , der Höflichkeit gemäß sei , ihn als meinen Gast zu bewirten . Er fraß mit erstaunlichem Appetit , während ich von weitem zusah . - Gut war es doch , daß ich den Bratfisch beiseite gebracht und einmagaziniert unter mein Lager . - Nach der Tafel begannen wir die unmutigsten Spiele , bis wir uns zuletzt , ganz ein Herz und eine Seele , umhalsten und , fest aneinandergeklammert , uns ein Mal über das andere überkugelnd , uns innige Treue und Freundschaft zuschworen . Ich weiß nicht , was dieses Zusammentreffen schöner Seelen , dieses Einandererkennen herziger Jünglingsgemüter Lächerliches in sich tragen konnte ; so viel ist aber gewiß daß beide , mein Meister und der fremde junge Mann , unaufhörlich aus vollem Halse lachten , zu meinem nicht geringen Verdruß . Auf mich hatte die neue Bekanntschaft einen tiefen Eindruck gemacht , so daß ich in der Sonne und im Schatten , auf dem Dach und unter dem Ofen nichts dachte , nichts sann , nichts träumte , nichts empfand als Pudel - Pudel - Pudel ! - Dadurch ging mir das Innerste Wesen des Pudeltums mächtig auf mit glänzenden Farben , und durch diese Erkenntnis wurde das tiefsinnige Werk geboren , dessen ich schon erwähnte , nämlich : » Gedanke und Ahnung oder Kater und Hund . « Sitten , Gebräuche , Sprache beider Geschlechter entwickelte ich als tief bedingt durch ihr eigentümlichstes Wesen und bewies , wie beide nur diverse Strahlen , aus einem Prisma geworfen . Vorzüglich faßte ich den Charakter der Sprache auf und bewies , daß , da Sprache überhaupt nur symbolische Darstellung des Naturprinzips in der Gestaltung des Lauts sei , mithin es nur eine Sprache geben könne , auch das Kätzische und Hündische in der besondern Formung des Pudelischen , Zweige eines Baums wären , von höherem Geist inspirierte Kater und Pudel sich daher verstünden . Um meinen Satz ganz ins klare zu stellen , führte ich mehrere Beispiele aus beiden Sprachen an und machte auf die gleichen Stammwurzeln aufmerksam , von : Bau - Bau - Mau - Miau - Blaf blaf - Auvau - Korr - Kurr - Ptsi - Pschrzi u.s.w. Nachdem das Buch vollendet , fühlte ich die unwiderstehlichste Lust , das Pudelische wirklich zu erlernen , welches mir vermöge meines neu erworbenen Freundes , des Pudels Ponto , wiewohl nicht ohne Mühe , gelang , da das Pudelische für uns Kater wirklich eine schwere Sprache . Genies finden sich indes in alles , und ebendiese Genialität ist es , die ein berühmter menschlicher Schriftsteller verkennt , wenn er behauptet , daß , um eine fremde Sprache , mit allen Eigentümlichkeiten des Volks , dem Volke nachzusprechen , man durchaus was weniges ein Narr sein müsse . Mein Meister hatte freilich dieselbe Meinung und mochte eigentlich nur die gelehrte Kenntnis der fremden Sprache statuieren , welche Kenntnis er dem Parlieren entgegensetzte , worunter er die Fertigkeit verstand , in einer fremden Sprache über nichts und um nichts reden zu können . Er ging so weit , daß er das Französischsprechen unserer Herren und Damen vom Hofe für eine Art von Krankheit hielt , die , wie kataleptische Zufälle , mit schrecklichen Symptomen eintrete , und hörte ich ihn diese absurde Behauptung gegen den Hofmarschall des Fürsten selbst ausführen . » Erzeigen Sie , « sprach Meister Abraham , » erzeigen Sie mir die Güte , beste Exzellenz , und beobachten Sie sich selbst . Hat Ihnen der Himmel nicht ein schönes volltönendes Stimmorgan verliehen , und wenn Ihnen das Französische ankommt , da beginnen Sie plötzlich zu zischen , zu lispeln , zu schnarren , und dabei verzerren sich Dero angenehme Gesichtszüge ganz erschrecklich , und selbst der hübsche , feste , ernste Anstand , dessen Dieselben sonst mächtig , wird verstört durch allerlei seltsame Konvulsionen . Was kann dies alles anders bedeuten als empörtes Treiben irgendeines fatalen Krankheitskobolds im Innern ! « - Der Hofmarschall lachte sehr , und zum Lachen war auch wirklich Meister Abrahams Hypothese von der Krankheit fremder Sprachen . Ein sinnreicher Gelehrter gibt in irgendeinem Buche den Rat , daß man sich bemühen möge , in der fremden Sprache , die man rasch erlernen will , zu denken . Der Rat ist vortrefflich , seine Ausführung aber nicht ohne Gefahr . Es gelang mir nämlich sehr bald , pudelisch zu denken , ich vertiefte mich aber in diese pudelische Gedanken so sehr , daß meine eigentliche Sprachfertigkeit zurückblieb und ich selbst nicht verstand , was ich dachte . Diese nicht verstandenen Gedanken brachte ich meistenteils zu Papier , und ich erstaune über die Tiefe dieser Sprache , die ich unter dem