. Alle Tage war Abwechslung in Suppe und Gemüse . Wer kein Geld hatte , konnte seine Portionen mit Mehl , Obst , Gemüs und Erdäpfeln zahlen . Das ward Keinem zu schwer . Nur wer Fleisch nahm , zahlte Geld dafür . - Die Frau Müllerin verstand das Kochen . Die andern Bauernweiber und Mädchen , wenn der Tag an sie kam , da sie helfen mußten , lernten viel dabei , was sie vorher nicht wußten . So geschah , daß die zusammenstehenden Familien , wozu auch der Schulmeister und der Müller gehörten , besser und nahrhafter aßen , als andere Leute im Dorfe und doch weit wohlfeiler . Alle Tage Suppe und Gemüs dazu , dreimal wöchentlich Fleisch und Braten auf allerlei Art zugerichtet . - Wie dies die Andern sahen , daß es da keine Säutränke oder elende Sparsuppen gab , und daß es noch für kranke Personen und Genesende gesunde Nahrung nebenbei gab , traten sie auch bei , und Viele , die gar nicht zum Goldmacherbund gehörten . Denn sie merkten bald , daß da viel an Holz , Mühe und Zeit , viel an Speisezuthat erspart und Alles weit wohlfeiler gemacht werden konnte . Es wurden für die Garküche der Müllerin endlich der Theilhaber zu viel , obgleich sie täglich mehrere Gehülfinnen erhielt . Da legte der Adlerwirth zu seinem Vortheil auch eine solche Küche an . Aber alle , die zum Goldmacherbund gehörten , blieben beim Müller . Sie hatten die verständigsten Hausväter unter sich ausgeschossen , die mußten den Ankauf der Vorräthe und deren Verwendung beaufsichtigen . Denn die Garküche sollte keinem Einzelnen zum Gewinn dienen , sondern Allen zum Vortheil gereichen . 16. Wie sich die Wirthshäuser im Dorfe vermindern , und was die alten Bauern dazu sagen . In der Küche des Adlerwirths ging es anders zu . Er kochte Sausuppe . Davon wollte Keiner essen . So blieben seine Kunden weg , weil sie nicht ihr theures Geld dafür geben wollten . Sie traten unter einander zusammen , und wollten es machen , wie die Leute bei der Müllerin . Aber es ging nicht , weil keine Ordnung war und weil Einer den Andern betrog . Da lachte der Adlerwirth und freute sich , daß es bei Andern nicht besser ginge , als bei ihm . Bei ihm ging es aber doch schlechter als bei Andern , weil er ein hartherziger , schlechter Mann war . Er hatte viel Geld auf böse Weise zusammengescharrt ; aber unrecht Gut gedeiht nicht . Wenn in der theuern Zeit Steuern und milde Gaben für die armen Leute nach Goldenthal gekommen waren , damit man Sparsuppen kochen und austheilen könne , hatte er die Gemeindsvorsteher beredet , lieber das baare Geld an die armen Leute auszuzahlen . Dann trat er mit dem Löwenwirth zusammen , und sie verkauften den armen Leuten Mehl und Brod in ganz ungeheuerm Preise . So kam das Geld alles wieder in ihren eigenen Sack zurück . Wenn Leute im Dorfe von ihrem Heu , Vieh oder liegende Gütern aus Noth etwas öffentlich an die Steigerung bringen wollten , so trat er mit dem Löwenwirth und andern Vorstehern zusammen , und sie machten Satz mit einander , um alles wohlfeil zu bekommen . Sie boten erst kleine Summen , und legten etwas zu . Dann trat einer nach dem Andern zurück , und bot nicht mehr , weil es zu viel und die Waare zu schlecht sei . So sagte Einer nach dem Andern . Und weil man sie für die verständigsten Männer hielt , getraute sich kein Anderer , mehr zu bieten . So bekamen sie die Sachen wohlfeil . Wenn aber doch ein Anderer klug war und mehr bieten wollte , schreckte man ihn mit Drohworten , zumal wenn ein solcher ihnen schuldig war ; und sie sagten : » Hast du Geld genug für so schlechte Waare , und willst du meinen Freund überbieten : so verlange ich , du sollst mir vorher deine Schuld bezahlen . « So machte es der Adlerwirth . Aber unrecht Gut gedeiht nicht . Er war ein stolzer und zornmüthiger Mann , und hatte beständig Händel und Prozesse vor Gericht . Sogar mit seinen Brüdern und Schwestern hatte er einen Rechtsstreit gehabt , weil er sie in der väterlichen Erbschaft durch Betrug und List bei der Theilung sehr verkürzt hatte . Viele Leute im Dorfe waren von ihm durch das Prozessiren zu Grunde gerichtet worden . Ueberhaupt war die Streitsucht in Goldenthal eine Hauptursache von der Verarmung des Dorfs gewesen . Denn so lange die Leute noch im Wohlstand waren , wollten sie großthun ; wer einen Prozeß zu führen hatte , meinte , er habe etwas Großes und Ehrenvolles , weil Jedermann mit ihm davon sprach . Dann kamen arglistige Advokaten und hetzten noch mehr auf , weil sie gern durch die Dummheit und Prozeßwuth der Bauern Verdienst hatten . Die prozeßlustigen Leute waren dann so sehr auf ihre Sache erpicht , daß sie tausendmal schworen , lieber Alles daran zu setzen , als nachzugeben . Das gefiel den Advokaten sehr wohl . Da wurden die Prozesse durch allerlei Kunst in die Länge gezogen , Jahr ein Jahr aus ; da wurde replizirt , triplizirt , appellirt und den einfältigen Leuten das Geld aus dem Sack herausgeführt , bis der Handel zehnmal mehr gekostet , als er werth war . Wer dann verlor , schimpfte über Parteilichkeit der Richter und sog an den Hungerpfoten . Die Advokaten aber aßen Braten . Seit Oswald ins Dorf gekommen , hatte er viele Leute vom Prozessiren abgehalten . Denn wenn ihn Einer um Rath befragte , richtete er es immer so ein , daß die Sache in der Güte abgethan wurde . Und er redete und sprach : » Einst fanden zween Hunde , die sich auf einem schmalen Steg über dem Wasser begegneten , ein Stück Fleisch auf dem Brücklein . Und sie geriethen in Streit , wem es gehöre