seinen Jägern , die ihre Pferde schon wieder aufgezäumt hatten , und befahl ihnen , nach seinem Schlosse zurückzukehren , um die Reise freier und bequemer , bloß in Friedrichs und Erwins Begleitung weiter fortzusetzen . Die Jäger brachen bald auf und die beiden Grafen blieben nun allein auf dem grünen Platze zurück , wo es so auf einmal still und leer geworden war . Da kam Erwin wieder gesprungen und sagte , daß man den Wagen soeben noch in der Ferne sehen könne . Sie blickten hinab und sahen , wie er in der glänzenden Ebene fortrollte , bis er zwischen den blühenden Hügeln und Gärten in dem Abendschimmer verschwand , der sich eben weit über die Täler legte . Von der andern Seite hörte man noch die Hörner der heimziehenden Jäger über die Berge . » Siehst du dort « , sagte Friedrich , » die dunklen Türme der Residenz ? Sie stehen wie Leichensteine des versunkenen Tages . Anders sind die Menschen dort , unter welche Rosa nun kommt ; treue Sitte , Frömmigkeit und Einfalt gilt nicht unter ihnen . Ich möchte sie lieber tot , als so wiedersehn . Ist mir doch , als stiege sie , wie eine Todesbraut , in ein flimmernd aufgeschmücktes , großes Grab , und wir wendeten uns treulos von ihr und ließen sie gehen . « - Leontin fuhr lustig über die Saiten der Gitarre und sang : » Der Liebende steht träge auf , Zieht ein Herrjemine-Gesicht Und wünscht , er wäre tot . Der Morgen tut sich prächtig auf , So silbern geht der Ströme Lauf , Die Vöglein schwingen hell sich auf : Bad , Menschlein , dich im Morgenrot , Dein Sorgen ist ein Wicht ! « Darauf bestiegen sie beide ihre Pferde und ritten in das Gebirge hinein . Nachdem sie so mehrere Tage herumgeirrt und die merkwürdigsten Orte des Gebirges in Augenschein genommen hatten , kamen sie eines Abends schon in der Dunkelheit in einem Dorfe an , wo sie im Wirtshause einkehrten . Dort aber war alles leer und nur von einer alten Frau , die allein in der Stube saß , erfuhren sie , daß der Pächter des Ortes heute einen Ball gebe , wobei auch seine Grundherrschaft sich befände , und daß daher alles aus dem Hause gelaufen sei , um dem Tanze zuzusehen . Da es zum Schlafengehen noch zu zeitig und die Nacht sehr schön war , so entschlossen sich auch die beiden Grafen , noch einen Spaziergang zu machen . Sie strichen durchs Dorf und kamen bald darauf am andern Ende desselben an einen Garten , hinter welchem sich die Wohnung des Pächters befand , aus deren erleuchteten Fenstern die Tanzmusik zu ihnen herüberschallte . Leontin , den diese ganz unverhoffte Begebenheit in die lustigste Laune versetzt hatte , schwang sich sogleich über den Gartenzaun , und überredete auch Friedrich , ihm zu folgen . Der Garten war ganz still , sie gingen daher durch die verschiedenen Gänge bis an das Wohnhaus . Die Fenster des Zimmers , wo getanzt wurde , gingen auf den Garten hinaus , aber es war hoch oben im zweiten Stockwerke . Ein großer , dichtbelaubter Baum stand da am Hause und breitete seine Äste gerade vor den Fenstern aus . » Der Baum ist eine wahre Jakobsleiter « , sagte Leontin , und war im Augenblicke droben . Friedrich wollte durchaus nicht mit hinauf . » Das Belauschen « , sagte er , » besonders fröhlicher Menschen in ihrer Lust , hat immer etwas Schlechtes im Hinterhalte . « » Wenn du Umstände machst « , rief Leontin von oben , » so fange ich hier so ein Geschrei an , daß alle zusammenlaufen und uns als Narren auffangen oder tüchtig durchprügeln . « Soeben knarrte auch wirklich die Haustür unten und Friedrich bestieg daher ebenfalls eilfertig den luftigen Sitz . Oben aus der weiten , dichten Krone des Baumes konnten sie die ganze Gesellschaft übersehen . Es wurde eben ein Walzer getanzt , und ein Paar nach dem andern flog an dem Fenster vorüber . Junge , flüchtige Ökonomen , wie es schien , in knappen und eng zugespitzten Fracken fegten tapfer mit tüchtigen Mädchen , die vor Gesundheit und Freude über und über rot waren . Hin und wieder zogen fröhliche , dicke Gesichter , wie Vollmonde , durch diesen Sternenhimmel . Mitten in dem Gewimmel tanzte eine hagere Figur , wie ein Satyr , in den abenteuerlichsten , übertriebensten Wendungen und Kapriolen , als wollte er alles Affektierte , Lächerliche und Ekle jedes einzelnen der Gesellschaft in eine einzige Karikatur zusammendrängen . Bald darauf sah man ihn auch unter den Musikanten ebenso mit Leib und Seele die Geige streichen . » Das ist ein höchst seltsamer Gesell « , sagte Leontin , und verwendete kein Auge von ihm . » Es ist doch ein sonderbares Gefühl « , erwiderte Friedrich nach einer Weile , » so draußen aus der weiten , stillen Einsamkeit auf einmal in die bunte Lust der Menschen hineinzusehen , ohne ihren inneren Zusammenhang zu kennen ; wie sie sich , gleich Marionetten , voreinander verneigen und beugen , lachen und die Lippen bewegen , ohne daß wir hören , was sie sprechen . « » Oh , ich könnte mir « , sagte Leontin , » kein schauerlicheres und lächerlicheres Schauspiel zugleich wünschen , als eine Bande Musikanten , die recht eifrig und in den schwierigsten Passagen spielten , und einen Saal voll Tanzender dazu , ohne daß ich einen Laut von der Musik vernähme . « - » Und hast du dieses Schauspiel nicht im Grunde täglich ? « entgegnete Friedrich . » Gestikulieren , quälen und mühen sich nicht überhaupt alle Menschen ab , die eigentümliche Grundmelodie äußerlich zu gestalten , die jedem in tiefster Seele mitgegeben ist , und die der eine mehr , der andere weniger und keiner ganz auszudrücken vermag , wie sie ihm vorschwebt ? Wie weniges verstehen