- Ehen können getrennt werden , - nicht , weil deiner Verbindung mit Tiridates Hindernisse im Wege stehen - Muth und Standhaftigkeit werden sie besiegen - nein , darum , weil kein Mann der Liebe eines Weibes würdig ist , darum , weil sie Alle , mehr oder minder flatterhaft , sinnlich , selbstsüchtig sind . Was sie an uns lockt , ist Sinnenreiz , was sie eine Weile festhält , Phantasie , Eitelkeit , Eigensinn . Hören diese Triebfedern auf zu spielen , so erschlafft die Begierde , mit ihr die Liebe , und wir sind ihnen nichts mehr . Nenne mich nicht grausam , wenn ich dir jetzt etwas sage , das dich hart dünken wird . Schilt den Arzt nicht , der in Ueberzeugung des Bessern dir bittere Arznei reicht . Glaubst du wohl , daß ohne deine Schönheit und die ungeheuren Hindernisse Tiridates Liebe so feurig und treu seyn würde ? Laß nur den Krieg glücklich enden , deine Verbindung mit Anicius durch die Macht des Cäsars getrennt werden , den Prinzen im ruhigen Besitz seines väterlichen Throns und deiner Hand seyn , und dann sieh , wie lange die Flamme noch matt fortglimmen wird , die jetzt so ungestüm lodert ! So denken sie Alle - Alle - und diejenige , die einen Einzigen ausnehmen will , ist betrogen . Was sie aber betrügt , ist nicht der Mann - denn der Bösewichter , die aus Absichten Liebe heucheln , sind wenige - sondern ihr eigenes Herz , ihre aufgereizte Einbildungskraft , die es ihr unmöglich macht , den allgemeinen Geschlechtsbegriff auf den Einzelnen anzuwenden , die Eitelkeit , die ihr zuflistert , daß sie eine Ausnahme würde gefunden haben , weil - sie eine zu finden verdiente u.s.w. Verzeih , Sulpicia ! wenn dich mein Brief schmerzt ; verzeih es der ' Freundschaft , die dich so gern vom Abgrund zurückreißen möchte ; verzeih es den Erfahrungen , die ich gemacht habe , und liebe mich darum nicht weniger . Leb ' wohl , theure Freundin ! Wir sehen uns nächstens . 16. Tiridates an Sulpicien . ( Im vorigen eingeschlossen . ) Nikomedien , im Mai 301 . Meere und Länder trennen uns ! Zwei unendliche Monate dehnen sich zwischen dem letzten glücklichen Augenblicke meines Lebens , und den unerträglichen Stunden , die ich hier Pflanzen gleich verträume ! Was ist das Daseyn ohne dich ? Was ist das bedeutungslose Athmen einer Luft , in der dein Hauch nicht schwimmt , der langweilige Verkehr mit Menschen , von denen Keiner dich kennt , Keiner deine Göttergestalt gesehen , Keiner je das Glück gefühlt hat , den Ton deiner Stimme zu hören ? Sulpicia ! Nur die Aussicht auf das Ziel , das meine angestrengtesten Kräfte jetzt zu erreichen streben , die Hoffnung auf die Befriedigung der edelsten Leidenschaften , deren die menschliche Brust fähig ist , gibt mir Stärke , hier auszuhalten . Was sonst als dies kann mich hindern , zurückzueilen , und in deinen Armen , an deiner Brust die Wonne der Götter zu fühlen ? O der Anblick deiner Reize , der Wohllaut deiner Stimme wird mit dem Leben nicht zu theuer bezahlt ! Und all ' diese Fülle von Seligkeit wird mein seyn ! Keine Macht der Welt , keine unwürdigen Bande , kein Bestreben niederer Eifersucht wird mir deinen Besitz streitig machen . Mein Arm wird den Thron meiner Väter erkämpfen , und ich werde ihn nur besitzen , um ihn mit dem schönsten Weibe der Erde zu theilen . Dann , Sulpicia ! dann wird dein Geist seinen angebornen Platz behaupten , und dein königlicher Sinn in königlichem Wirken sich beglückt und beglückend fühlen . O eilt , eilt ihr Stunden ! Steige früher , Titan , aus dem Flammenmeere , stürze dich früher in Thetis Arme , und beflügle den trägen Gang der Zeit , bis der helle Augenblick naht , der allein den Namen des Lebens verdient ! Ich schwärme , Sulpicia ! meine Pulse fliegen , mein Blut kocht , mein ganzes Wesen entzündet sich bei dem Gedanken dieses Glücks . Dann bist du mein ! und all ' der unendliche Liebreiz deiner Gestalt , diese zauberischen Formen , diese anmuthigen Bewegungen , dieser Ton der Stimme , der in den innersten Tiefen meines Herzens wiederhallt , sind mein - mein ausschließliches , unbestreitbares Eigenthum ! Laß mich abbrechen , laß mich ruhiger werden , sonst kann ich unmöglich den Brief endigen , und dir sagen , was du zu wissen brauchst ! Ich habe deinen Brief erhalten . Welche düsteren Bilder , welche quälenden Vorstellungen beunruhigen dich , meine Geliebte ! Fürchte nichts , nichts für unsere Liebe , nichts für mein Leben ! Den Gefahren der Seereise bin ich glücklich entgangen . Mehr als einmal drohte der Sturm unser Schiff an Felsen zu zerschellen , er durfte nicht . Der Glückliche , der zur Wonne der Götter in deinen Armen bestimmt ist , durfte sein Grab nicht in den dunkeln Fluthen finden , und kein Pfeil wird diese Brust treffen , in der dein Bildniß lebt . Diese Zuversicht steht fest in mir ; mir ist , als könnte ich den Zufall kühn herausfordern , und versichert seyn , daß seine ganze Tücke nichts gegen mein Glück vermögen wird . Du liebst mich , Sulpicia ! du hast mich gewählt . Aus fernen Weltgegenden hat uns das Schicksal zusammengeführt , unsre Wege , die so verschieden lagen , vereinigt , mir in Cäsar Galerius einen Freund geschenkt , der das einzige Hinderniß unserer Vereinigung , deine Verbindung mit dem schwachen Serranus , zu heben vermag . Diocletians Politik macht ihn meinen Absichten geneigt , die Armee ist voll des besten Willens , in Armenien sind meine Freunde thätig gewesen , mein Volk liebt mich , es liebt nicht mich allein um meiner selbst willen , es segnet und ehrt noch die Wohlthaten und weise Regierung einer langen Reihe von Vätern in dem