du gewiß nicht mehr rechnest . - Ich . Ein Glück ! - welch ein Glück ? - erkläre dich ! Er . Raube dir und mir nicht die Freude der Ueberraschung , und sorge jetzt für deine Gesundheit ! - Ich . Peinige mich nicht ! die Freude der Ueberraschung kann nicht so groß als die Quaal der Ungewißheit seyn . Warum glänzt dein Auge so freudig ? - warum siehst du mich so bedeutend an ? - Heinrich ! wenn du jemals mich liebtest , sage was weißt du ! O Gott ! wäre es möglich ! darf ich ihn nennen den Nahmen ! - weißt du wo ... » Marie ist « - fiel er ein ; und wir lagen einander sprachlos in den Armen . » Erzähle ! erzähle ! - rief ich , als ich mich wieder erholt hatte - » wer fand sie ? wo war sie in der langen schrecklichen Zeit ? - Er . In Hamburg . Wir hatten richtig vermuthet : sie ist eine Engländerin , aber von deutschen Aeltern gebohren . Ihr Vater , ein reicher Banquier aus Yarmouth , verlor durch den Sturz eines Londner Handelshauses sein ganzes Vermögen , nur der Mutter ihres ward gerettet . Diese eilte auf Befehl ihres Mannes , mit Marien nach Deutschland . Hierher wollte der Vater , sobald seine Angelegenheiten nur einigermaßen geordnet seyn würden , ihnen folgen . Aber nagender Gram und übermäßige Arbeit , warfen ihn aufs Krankenlager - er mußte sie schleunig wieder zurück rufen , und starb nach wenig Tagen in ihren Armen . Nun würden sie die Ruhestätte des geliebten Mannes nicht verlassen haben , wenn ihre Freunde in Deutschland sie nicht vermocht hätten , einen Ort zu verlassen , wo sie nur Ursach zu Thränen fanden . Jetzt leben sie in Berlin , und Sophie , die sie in dem Hause ihres Bruders kennen lernte , und durch die Beschreibung ihrer ersten Reise aufmerksam gemacht wurde , entdeckte bald , daß sie sich nicht in ihren Vermuthungen geirrt , und daß sie jetzt wirklich die Marie vor sich hatte , mit der ein gewisser junger Mann so oft ihre Einbildungskraft beschäftigte . Marie bedurfte einer Freundin , wie konnte sie eine edlere als Sophie finden ? bald hatten sie kein Geheimniß mehr vor einander , und Sophie ward von Allem unterrichtet . Fünftes Kapitel » Wovon ? wovon ? « - rief ich . - Er . Nun ! daß sie einst dich geliebt habe . - Ich . Ach geliebt habe ! nicht mehr liebe ! - nein ! nein ! sie kann mich nicht mehr lieben ! sie kann einen Verworfnen nicht lieben , der sich ihrer unwürdig gemacht hat . Er . Sey ruhig ! fasse dich ! die verlorne Unschuld kehret nie wieder , wohl aber die Tugend . Du wirst ihr von nun an dein Leben widmen , du wirst Mariens würdig werden . Ich . O Gott mit diesem zerrütteten Körper ! mit dieser ermatteten Seele ! - Er . Muth ! Muth ! es kann noch alles gut werden ! Jugend und Mäßigkeit , Arbeit und Hoffnung werden dich stärken . Die Natur , die große gütige Mutter ! ist nur unerbittlich gegen den der zu spät wiederkehrt . Ich . Ach und wenn sie dich sieht ! Er . So sieht sie einen Freund von dir . Ich . Heinrich sieh mich an ! hast du sie niemals geliebt ? - Er . Willst du eine sinnliche Erschütterung Liebe nennen - ja so habe ich sie geliebt , so liebe ich sie vielleicht noch wenn ich sie wiedersehe . Ich . Grausamer ! Er . Warum fragtest du ? sollte ich lügen ? - Ich . Sage mir , sage mir ! wünschest du sie zu besitzen ? - hast du es nie gewünscht ? - Er . Wie meinst du das ? - Ich . Wünschest du daß sie deine Gattin , die Gefährtin deines Lebens werde ? - Er . Nein , bey Gott nicht ! dazu kenne ich sie zu wenig ! Ich . Aber warum schlägst du die Augen nieder ? - wie ? - was verbirgst du mir ? - Er . Eine unedle Empfindung . Ich . Heinrich - eine unedle Empfindung ! - - Er . Warum nicht ? Heinrich ist ein Mensch . - Ich . Heraus mit dieser unedlen Empfindung ! nun ? - was zauderst du ? - Er . Wohlan , du willst es ! - ich ward mir durch deine Fragen , aber auch nur erst durch sie bewußt : daß ich zwar niemahls daran dachte , mit Marien rechtmäßig verbunden zu werden , aber , daß ich demohngeachtet oft lebhaft wünschte , mit ihr vereinigt zu seyn . » Halt ein ! « - schrie ich ; und taumelte zurück in meinen Sessel - » halt ein ! das ist zu viel ! « O Gott ! - rief er ; laut schluchzend in meinen Armen - sieh wie diese fürchterliche Offenheit dein Herz zerrissen hat ! - Aber sey ruhig ! noch ist alles ein Traum ! - ich will mich bestrafen für diesen Traum ! ich gehe nicht mit nach Berlin ! ich verlasse dich ! - jetzt gleich , jetzt augenblicklich will ich Anstalt dazu machen ! Er ging - und mir war als schiede die Hoffnung auf ewig von mir . Sechstes Kapitel Jetzt kämpften Dankbarkeit und Eifersucht einen schrecklichen Kampf in meinem Herzen . Ich erinnerte mich des ersten Blickes den Marie auf Heinrich warf - und die Eifersucht wollte die Oberhand gewinnen - aber dann traten wieder alle schönen erhabenen Aufopferungen des Freundes vor mir hin - und die Dankbarkeit siegte . Nein ! - rief ich - nein ! er soll nicht reisen ! mit ihm verläßt mich mein Schutzgeist ! ohne ihn verzweifle ich an mir selbst ! nie kann ein menschliches Wesen mir das werden ,