sondern die Maske des Nero , die , wenn er eine Göttin auf dem Theater machte , seiner Geliebten ähnlich sah19 , oder wenn er einen Gott spielte , ihm selber . Genug ! Dieses abschweifende Antrittsprogramm war etwas lang , aber die Jobelperiode wars auch ; je länger der Johannistag eines Landes , desto länger seine Thomasnacht . - - Und nun lasset uns sämtlich ins Buch hineintanzen , in diesen Freiball der Welt - ich als Vortänzer voraus und dann die Leser als Nachhopstänzer - , so daß wir unter den läutenden Tauf-und Totenglöckchen am sinesischen Hause des Weltgebäudes - angesungen von der Singschule der Musen - angespielt von der Gitarre des Phöbus oben - munter tanzen von Tomus zu Tomus - von Zykel zu Zykel - von einer Digression zur andern - von einem Gedankenstrich zum andern - bis entweder das Werk ein Ende hat oder der Werkmeister oder jeder ! Zweite Jobelperiode Die beiden biographischen Höfe - die Sennenhütte - das Fliegen - der Haar-Verschleiß - die gefährliche Vogelstange - das in eine Kutsche gesperrte Gewitter - leise Bergmusik - das Kind voll Liebe - Herr von Falterle aus Wien - Tortursouper - das zersplitterte Herz - Werther ohne Bart - mit einem Schusse - die Versöhnung 10. Zykel Mit jugendlichen Kräften und Aussichten flog der Graf zwischen seinen Begleitern durch das helle volle Mailand zurück , wo die Ähre und die Traube und die Olive oft auf einer Erdscholle zusammen grünen . Schon der Name Mailand schloß ihm einen Frühling auf , weil er , wie ich , an allen Mai-Wesen , an Maiblumen , Maikäfern , sogar an der Maibutter in der Kindheit so vielen Zauber fand wie an der Kindheit selber . Dazu kam , daß er ritt ; der Sattel war für ihn ein Rittersitz der Seligen , wie eine Sattelkammer eine Regensburger Grafenbank , und jeder Gaul sein Pegasus . Auf der Insel war ihm in jener geistigen und körperlichen Ermattung , worin die Seele sich lieber in helldunkle Schäferwelten als in heiße staubige Kriegs-und Fechtschulen begeben will , die Aussicht in die nahen Rätsel und Kämpfe seines Lebens zuwider gewesen ; aber jetzt mit dem Herzen voll Reise- und Frühlingsblut streckte er die jungen Arme ebensosehr nach einem Gegner als nach einer Freundin aus , gleichsam nach einem Doppelsiege . Je weiter die Insel zurücktrat , desto mehr fiel der Zauberrauch um die nächtliche Erscheinung zu Boden und hinterließ ihm bloß einen unerklärlichen Gaukler aufgedeckt . Jetzt erst vertrauete er die Spukgeschichte seinen Gefährten . Schoppe und Augusti schüttelten Köpfe voll Gedanken , aber jeder über etwas anders ; der Bibliothekar suchte eine physikalische Auflösung des akustischen und optischen Betrugs ; der Lektor suchte eine politische , er konnte gar nicht fassen , was der Schauspieldirektor dieser Totengräberszene eigentlich mit allem haben wollen . Den einzigen Trost behielt der Bibliothekar , daß Alban an seinem Geburtstage dem Herzen ohne Brust eine Visite abzustatten habe , die er nur - bleiben lassen dürfe , um aus dem Seher einen Myopen und Lügner zu fertigen : » Wollte Gott , « ( sagt ' er ) » mir verkündigte einmal ein Ezechiel , daß ich ihn an den Galgen bringen würde - ich tät ' es um keinen Preis , sondern brächte ihn ohne Gnade statt um den Hals um Kredit und Kopf . « - Auch seinem ungläubigen Vater schrieb Albano noch unterwegs mit einigem Erröten die unglaubliche Historie ; denn er hatte zu wenig Jahre und zu viel Kraft und Trotz , um Zurückhaltung an sich oder andern zu lieben . Nur weiche Blattwickler- und Igel-Seelen ringeln und krempen sich vor jedem Finger in sich zusammen ; unter dem offnen Kopfe hängt gern ein offnes Herz . Endlich kamen sie , da helle Berge und schattige Wälder genug , wie durchlebte Tage und Nächte , hinter sie zurückgegangen waren , nahe vor das Ziel ihrer mit Ländern gefüllten Reitbahn , und das Fürstentum Hohenfließ lag nur noch ein Fürstentum weit von ihnen . Dieses zweite , das ein Tür- und Wandnachbar des erstern war und mit diesem leicht zu einem Staatsgebäude ausgebrochen werden konnte , hieß , wie geographische Leser wissen , Haarhaar . Der Lektor erzählte dem Bibliothekar neben den Grenzwappen und Grenzsteinen , daß beide Höfe sich fast als Blutfeinde ansähen , nicht sowohl weil sie diplomatische Verwandte wären - da unter Fürsten Vetter , Oheim , Bruder nicht mehr bedeuten wie bei Postillonen Schwager und bei alten Brandenburgern Vater oder Mutter - als weil sie wirkliche wären und einander beerbten . Es würde mir zu viel Platz wegnehmen , wenn ich die Sippschaftsbäume beider Höfe - die ihre Gift- und Drachenbäume wurden - mit allen ihren heraldischen Blättern , Wasserschößlingen und Flechtmoosen für den Leser hereinsetzen wollte ; das Resultat kann ihn beruhigen , daß dem haarhaarschen Fürstentume hohenfließische Land und Leute zustürben , falls der Erbprinz Luigi , der letzte hohlröhrige Schuß und Fechser des Hohenfließer Mannsstammes , verdorrte . Welche Herden von venezianischen Löwenköpfen Haarhaar ins künftige Erbland treibt , die da nichts verschlingen sollen als gelehrte Anzeigen und Wundzettel - und welche Spitzbubenbande von politischen Mechanikern es da wie in eine Botany-Bay aussetzt , ist gar nicht zu sagen aus Mangel an Zeit . Doch ist Haarhaar auf der andern Seite wieder so brav , daß es nichts so herzlich wünscht als den höchsten Flor des Hohenfließer Finanz-Etats , Handels , Acker- und Seidenbaues und Gestütes und daß es im höchsten Grade jede öffentliche Verschwendung - diese Entnervung des großen Interkostal-Nervens ( des Geldes ) - als das stärkste kanonische Impediment aller Bevölkerung hasset und verflucht : » Der Regent « ( sagt der echt menschenfreundliche Fürst von Haarhaar ) » ist der Ober-Hirt , nicht der Schächter des Staats , sogar die Wollenschere nehm ' er nicht so oft als die Hirtenflöte in die Hand ; nicht über fremde Kräfte und Ehen ist unser Vetter ( Luigi ) Herr , sondern über seine