so weiß ich nicht , ob der Herr Kaplan dabei so sehr gut fortkämen . « Auf diese Erklärung , welche offenbar eine Drohung enthielt , legte Bernhard seinen Koffer auf einen Stuhl , worauf er das Gemach einigemal mit langsamen Schlitten durchmaß . Nach einigen Minuten blieb er plötzlich wieder vor Andres stehen , und es entspann sich zwischen ihnen ein im flüsternden Tone geführtes Gespräch , welches der Zeuge nicht genau verfolgen konnte , ihm aber als eine Art von Feilschen und Handeln um einen bestimmten Preis erschien . Die Verhandlung schloß endlich damit , daß Bernhard ein Licht anzündete , den Koffer noch einmal öffnete und Andres fünfundzwanzig Thaler einhändigte , wofür dieser eine von dem Priester aufgesetzte Quittung unterschrieb , laut deren er so in die Gewalt des selben gerieth , daß er nie mehr wagen durfte , mit irgend einer Forderung an ihn heranzutreten . Nach Beendigung dieses Geschäftes brach Bernhard endlich auf ; er verabschiedete sich nur noch bei dem Wirth des Hauses und dessen Familie , die ihm Alle das Geleite bis an ' s Hofthor gaben , wo Andres seiner harrte . Letzterer war sehr höflich und gefällig und bat es sich als eine besondere Gunstbezeigung von dem Priester aus , ihm seinen kleinen Handkoffer eine Strecke weit , wenigstens bis dahin , wo der Pfad nach seiner heimathlichen Hütte abbiege , tragen zu dürfen . Bernhard nahm das Anerbieten mit der ihm eigenthümlichen freundlichen Milde an , worauf Beide sich in der Richtung nach dem Rhein zu entfernten . Es war dies das Letzte , das man von Bernhard sah und hörte . – Wochen gingen wieder dahin . Des wilden Andres Mutter sah man häufig in berauschtem Zustande auf der Landstraße ihrer Hütte zuschwanken , während er selbst es toller , wie jemals trieb und kaum noch die eine Schänke verließ , um sich nach einer andern zu begeben . Da traf plötzlich die Nachricht ein , daß man Bernhard an dem Ort seiner Bestimmung vergeblich erwartet habe und deßhalb vermuthe , er sei entweder erkrankt oder von irgend einem Unglück ereilt worden . Nachforschungen wurden angestellt , und es ergab sich , daß seine Spuren da verloren gingen , wo er in Andres ' Gesellschaft an jenem Abend das Dorf verlassen hatte . Andres wurde in Folge dessen sogleich sammt seiner Mutter gesanglich eingezogen , doch entdeckte man weder in der Hütte , noch in deren Umgebung die geringsten Anzeichen , durch welche der Verdacht des Mordes , den man bei der ersten Nachricht von Bernhard ' s Verschwinden gefaßt hatte , gerechtfertigt worden wäre . Außerdem wurde durch den Zeugen , der an jenem Abend die beiden Genossen belauschte , festgestellt , auf welche Weise Andres in den letzten Monaten seine beträchtlichen Geldmittel bezogen halte . Andres beharrte bei der Aussage , sich auf der Landstraße von dem Priester getrennt zu haben ; seine Mutter leugnete standhaft , von Bernhard oder dessen Verbindung mit ihrem Sohne etwas zu wissen , und da man von einer sehr einflußreichen Seite wünschte , die ganze Angelegenheit so viel als möglich zu unterdrücken und nicht zu sehr in die Oeffentlichkeit gelangen zu lassen , so ist es mehr als wahrscheinlich , daß Beide wieder auf freien Fuß gesetzt worden wären , wenn nicht noch im letzten Augenblick die furchtbare That an ' s Tageslicht gekommen wäre . Wunderbarer Weise war es der arme , früher von den Seinigen so mißhandelte Anton , der die grausige Entdeckung , ohne zu ahnen , um was es sich handelte , herbeiführte . Derselbe kehrte nämlich eines Tages athemlos und mehr todt als lebendig von einem seiner planlosen Ausflüge auf die Oberförsterei zurück , und als mau ihn dann ausfragte und er endlich wieder Worte fand , erzählte er zitternd vor Angst und Einsetzen , daß er in seinem alten Schloß einen fremden todten Menschen angetroffen habe . Selbstverständlich wurden sogleich die entsprechenden Nachforschungen angestellt , und es ergab sich , daß die Leiche des ermordeten Priesters sammt allen seinen Sachen , das Geld ausgenommen , in der Höhle verborgen worden war , wahrscheinlich , um später , wenn es ohne Furcht vor Entdeckung geschehen konnte , der größern Sicherheit halber im Walde verscharrt zu werden . Sein Tod mußte ein qualvoller gewesen sein , denn sein seidenes Halstuch , mittelst dessen man ihn erdrosselt hatte , schlang sich , außer um seinen Hals , auch noch um die Finger seiner linken Hand , mit welchen er sich augenscheinlich von dem tödlichen Griff hatte befreien wollen . In seiner rechten , krampfhaft geschlossenen Faust befanden sich , neben der von Andres unterzeichneten Quittung , auch noch einige Proben von dessen rothem Haar . Es lag also außer allem Zweifel , daß Andres die schwarze That begangen hatte , und seine Mutter zum wenigsten um dieselbe wußte . Doch auch jetzt dauerte es noch lange , bis man , bei dem hartnäckigen Leugnen und den schlau durchdachten Ausflüchten : der Priester sei im Kampfe um die Quittung unter Andres ' Händen , eh dieser eine Ahnung davon erhalten habe , plötzlich erstickt , ein bestimmtes Urtheil fällte . Die nähern Umstände , welche Bernhard ' s gewaltsames Ende begleiteten , sind nie bekannt geworden ; ebenso blieb es dunkel , ob er durch irgendwelche Vorspiegelungen von dem Andres in die Höhle gelockt , oder erst als Leiche dorthin gebracht wurde ; jedenfalls aber starb er , als wenn die Vorsehung selber für sein finsteres verbrecherisches Treiben ihre rächende Hand nach ihm ausgestreckt habe . Der arme Anton erhielt nie einen klaren Begriff von dem , was man seiner Müller und seinem Bruder zur Last legte . Er wußte nur , daß dieselben , im Zuchthause ihre begangenen Verbrechen abbüßten . – 16. Capitel . Schluß Sechzehntes Capitel . Schluß . » Was ist aus dem armen Anton geworden , nachdem er in dem Oberstlieutenant seinen Beschützer verloren hatte , « brach ich nach einer Weile das Schweigen