wo Walter seiner wartete und die Zeit mit Lesen der ihm notwendigen Bücher ausfüllte und Heim trat mit Moritz in das Vorzimmer ein . Gretchen und Hilsborn hatten einen freien Augenblick genützt und mit einander flüsternd am Fenster gestanden . Gretchen erschrak , als sie einen Fremden mit Heim kommen sah und flüchtete , verlegen grüßend , aus dem Zimmer . „ Potz Tausend , was hast denn Du da für eine Gesellschaft ? “ fragte Moritz erstaunt . „ Es ist meine Mündel , die unglückliche Tochter Gleißerts , “ erklärte Hilsborn etwas zurückhaltend , „ ich brachte sie von Hamburg mit hierher . “ „ Ach , ich weiß schon , habe schon gehört , was vorgefallen ist . Sieh sich einmal an . Also Vormund bist Du geworden unterdessen ? Na , ist ein ganz angenehmes Amt , wenn die Mündel so allerliebst ist wie die ! “ lachte Moritz . „ Nein , über den Duckmäuser ! tut , als könnt ’ er nicht Fünfe zählen und bringt sich gleich von der ersten besten Reise so ’ n hübsches Mädel mit . Ja , ja — die stillen Wasser . “ „ Scherze nicht , “ bat Hilsborn , „ die Sache ist zu ernst für Deinen Spott . “ „ Na , nimm ’ s nicht übel , “ sagte Moritz gutmütig . „ Ich muß nur lachen über Deine Würde . Bist selbst kaum trocken hinter den Ohren und spielst den Vor ­ mund bei jungen , hilfsbedürftigen Damen . Hahaha ! “ „ Seien Sie still , Johannes hört ’ s , “ brummte Heim . „ Heben Sie Ihre Witze für eine fidelere Gesellschaft auf , als wir sind . “ „ Aber bester Kollege , Sie können doch nicht verlangen , daß ich auch den Kopf hängen soll , wie Ihr wegen dieser Närrin , die ich längst zu allen Teufeln gewünscht habe ? Wer kann es denn ohne Empörung sehen , daß Jemand das Beste , was er hat , an eine so undankbare Person wegwirft ? Wenn wir zuschauen müßten , wie Einer seine Zeit und Mühe daran wendet , auf einem Hagedorn Zentifolien zu ziehen , vorausgesetzt , es wäre Einer so töricht , — würden wir nicht lieber den Dornbusch ausrotten , als ein so nutzloses Beginnen dulden ? “ 114 „ Dein Gleichnis hinkt , Bester , “ erwiderte Hilsborn , „ die Hartwich hat ihre Dornen , das ist nicht zu leugnen , aber sie wird sich auch unter guter Pflege zu schöner Blüte entfalten . “ „ Kommt Ihr denn endlich ? “ rief Johannes ungeduldig heraus . „ Wo bleibt Ihr so lange ? “ „ Ja , wir kommen , “ sagte Heim , „ aber , Johannes , es wäre mir lieber , ich bliebe ein Paar Minuten mit Moritz bei Ernestinen allein . “ „ Wie Ihr wollt , aber macht es kurz , “ erwiderte Johannes heraustretend . „ Guten Tag , Moritz ! Wie geht es Dir ? Gut ! — Hast Du Angelika nicht mit ? “ „ Sie wollte mich begleiten , aber ich erlaubte es nicht ! “ „ Und weshalb nicht ? “ fragte Johannes gereizt . „ Weil ich das Weibergeheul bei solchen Gelegenheiten nicht leiden kann . “ „ Hast Du aber ein Recht , Deiner Frau deshalb zu verbieten , Mutter und Bruder zu begrüßen nach einer vierwöchentlichen Abwesenheit ? “ „ Ich habe das Recht , ihr als Gatte zu erlauben und zu verbieten , was ich will . Wenn Ihr es anders wolltet , hättet Ihr es in den Ehevertrag setzen müssen ! “ entgegnete Moritz scharf . „ Angelika will auch gar nichts , als was mir lieb ist , und wer sich ein Weib anders gewöhnt , der ist ein Narr , mein lieber Schwager ! Na , nichts für ungut , Du weißt , ich bin nun einmal solch ein borstiger Kerl ! “ „ Ich bin nicht in der Stimmung , Dir auf Deine allzudeutlichen Anspielungen zu antworten , “ sagte Johannes matt . „ Du streitest mit einem Gegner , der keine Waffen hat . Geht hinein und bringt mir eine alltägliche Botschaft . “ Moritz sah mit heimlicher Reue über sein rasches Wort Johannes ’ verstörten Ausdruck , als er ihnen die Tür zum Krankenzimmer öffnete . Er trat mit Heim hinein . Johannes sank auf den Stuhl am Fenster und preßte die schwere Stirn an die Scheiben . Es waren ihm in letzter Zeit Gedanken fürchterlicher Art aufgestiegen . Aber er wagte nicht daran zu glauben . Wenn ihm nun die beiden Ärzte dasselbe verkündigten ? Sein Herz schlug immer lauter , je länger die Erwarteten ausblieben . Er konnte kaum mehr atmen . Hilsborn stand neben ihm . Sie hatten sich ohne zu reden die Hände gegeben . Und Minute um Minute verstrich Jedem von ihnen in qualvoller Spannung . — Sie hörten Moritz mit Ernestinen reden und deren wilde , verworrene Antworten . Dann murmelten Heim und Moritz lange mit einander . Endlich ging die Türe auf . Selbst Moritz war ungewöhnlich ernst . „ Nun ? “ fragte Johannes . „ Ja , “ — Moritz zuckte die Achseln : „ ich kann Heim nur beipflichten , die Krankheit ist jetzt Nebensache . Das Fieber ist gehoben , wir haben jetzt Schlimmeres zu fürchten als den Tod . “ „ Ah — ich hab ’ s geahnt , “ rief Johannes mit einem eigentümlichen Schmerzenslaut . „ Macht ’ s kurz , spannt mich nicht auf die Folter ! Ihr glaubt auch , daß sie — o , mein Gott — daß eine geistige Störung ? “ Er konnte nicht weiter reden . Moritz und Heim sahen sich an : „ Beruhige Dich , Johannes . Noch sind es ja nur Vermutungen , aber , wir sind Männer und können uns doch einander nichts weismachen . Es ist allerdings