las . Messalina . I. O welch ein Wechsel ! Neidische Fortuna , du Willst hemmen meinen sieggekrönten Frevellauf Und wähnst , statt Süßes müss ' ich Herbes kosten nun ? Doch hierin irrst du . Denn des Unglücks Aschenfrucht Schmeckt jetzt erfrischend mir und gaumenreizend nur , Da ich der Hesperidenfrucht zu viel genoß . Und hat der Wechsel selbst nicht manches Reizende ? Des Zufalls ungeahnte schlaue Wendungen , Das neue Ungewohnte , das Aufregende Der Furcht und Ahnung und der Hoffnung andrerseits , Der angestrengte Kampf um Leben und Besitz - All ' dies ergötzt mich , wie ein fremdes Drama schier . Der Erdballs Herrin gestern , heut auf Tod verklagt , Gestern in sichrer Burg und heut im Haftgemach ! Ha , Gestern : meines Lebens wonnevollster Tag ! Wir feierten das Winzerfest im Bacchanal In süßer Raserei in des Vergnügens Arm , Mänadisch toll , wie in verschwiegner Mitternacht An Lesbos ' Strand in Thraciens Kluft Trybadenschwarm Evoë-kreischend feiert lüsterne Mysterien . Wir aber tobten offen unterm Sonnenlicht . Die Kelternbäume knarrten und vom süßen Most Die Kufen überströmten . Frauen , nackt an Bauch und Brust , Vom Pantherfell umflattert ihre Schultern nur , Das ihre Lenden los umgürtet , tanzten rings . Und Allen ich voran , des Festes Königin , Ich der Mänaden Tollste und Verführendste , Cäsarin aller Lüste auf dem Weltenrund . Als Scepter , Zeichen meiner unumschränkten Macht , Den Thyrsus schwingend überm Haupt bacchantisch wild . Zur Seite mir , den Epheukranz im blonden Haar , Herwankend auf Kothurnen , einem Trunknen gleich , Im Chor der Zecher , er , mein Liebling Silius , Mein Buhle , mir auf offnem Forum angetraut , Mit dem die Hochzeit ich im Kaiserhaus beging Bei Lebzeit meines Schwachkopfgatten - hahaha ! Doch mitten in der allerfrohsten Lustbarkeit Erklomm der Gäste Einer einen Palmenbaum Und als wir riefen : » He , was siehst da oben Du ? « Schrie er voll Angst : » Gewitter naht von Ostia ! « War ' s eine Ahnung , war ' s ein Scherz , weißsagend halb ? Genug , einschlug es wie ein Blitzstrahl unter uns Und horch ! Durchs Evoë der Gäste klirrte Stahl . Enteilend dem Verderben , auseinander stiebten wir , Doch rings umschlossen uns die Garden , mordgewohnt . Mein bärtiger stiernackiger Calpurnius Wird hier durchbohrt , dort Plautius , mein Herkules , Dort Bettius , mein lieblicher Narciß , dort windet sich Cäson , der feiste Zotenreißer , Lehrer aller Gräu ' l Und Schüler aller Laster . Reizt uns niemals mehr Zu wieherndem Gelächter Dein gewagter Witz ? Weh , Mnester , schonten sie nicht Deinen schlanken Bau , Der dem Caligula , dem Kenner , wohlgefiel ? Ich ehre meines Vortyrannen Kunstgeschmack , Obwohl mein Blick für schöne Männer noch geübter ist : Drum , feiler Tänzer , übernahm ich Dich von ihm , Lustknabe einst des Cäsars , liebte die Cäsarin Dich . Haha , er sträubte sich , der vielerfahrne Frauenheld , Der Abentheuer fast für jedes Löckchen zählt : Er wußte , daß verhängnißvoll ich immer ward Für Jeden , den ich liebte . Widerstand er mir , Erreichte ihn mein Gift . Und lieferte er aus Sich meiner Gier , so räumte ich ihn selbst hinweg , Ward er mir lästig , oder meines Gatten Beil Traf seinen Nacken . Ha , er weigerte sich drum , Mein schlauer Mnester . Und was that ich ? Holte mir Von meinem Ehe-Esel einen Staatsbefehl , Daß er mir ausgeliefert werde , sintemal Der Knecht nicht tanzen wolle auf der Fürstin Wunsch ! Der Spröde tanzte nun , doch in viel feinrer Art. Auch er ward hingeschlachtet , mir zur Freude fast : So straft ihn das Geschick , weil er mich schmachten ließ . Doch Du - das war ein harter tiefempfundner Schlag , Auch Du , mein Silius , mein Pseudo-Ehgespons , Sankst hin zu meiner Seite pfeil- und speerdurchbohrt , Die blonden Locken mischten blutig sich dem Staub . Wann werd ' ich wiederschaun Dein frisches Angesicht , Die Rosenflur , auf der mein Mund sich weidete ? Nie lehn ' ich schmachtend an der glatten Schulter mehr - Nein , Alles ist nun Raub und ekler Würmerfraß . Ich selbst entrann und schleppte durch den Markt mich hin Durchs halbe Rom . Zuletzt ich einen Karren fand , Den rief ich an und setzte mich als Fracht hinauf . So fuhr ich , die Cäsarin , in die Nacht hinein Wie ein erbärmlich Hökerweib . Und als ich mir Den Wagenlenker recht ins Auge faßte jetzt , Sieh da ! So war ' s ein Wohlbekannter , doch von wo ? Mit so unzähl ' gen Männern pflog ich ja Verkehr ! Bald brachte die Erinnrung mir sein Bild zurück : Ein ausgedienter Gladiator war der Bursch . Doch in Arena und Theater nicht mein Aug ' ihn traf , Nein , in der nächtigen Taverne , jenem Lupanar , Wo als Lycisca selbst als Dirne ich gedient . Ha ! süßer Dienst , nur war er mir nicht schwer genug . Denn nimmer konnte ich befriedigt seufzen : » Gut ! Ich kann nicht mehr . « - Ach wie behaglich war es doch Fortschlich ich mich vom ehelichen Thalamus , Wenn mein kahlköpf ' ger Schlottrer schnarchte neben mir In tücht ' gem Rausch , von Trunk und Völlerei beschwert . Manchmal macht ' ich den Spaß mir , den erquicklichen , Zwei Gassenmetzen zuzuführen ihm im Rausch , Calpurnia und Kleopatra , an meiner Statt ! Haha ! dämonisches Vergnügen labte mich , Weil so das Kaiserlager doppelt ward entehrt . Denn bester Kitzel für den Lüderlichen ist Das Uebermaß der stinkenden Ruchlosigkeit . Ich aber schlich als Priest ' rin der Vulgivaga Durch Höf ' und Gassen , bot mich jedem Strolche an Und kehrte endlich in der Morgendämmerung Erschöpft , doch ungesättigt zum