sollte die Korvette wieder in See gehen , also wäre jede etwaige Verzögerung streng bestraft worden , - Robert schlug sich schweren Herzens die Sache ganz aus dem Kopf . Immer schöner und blühender wurde das Ufer . Dichte Laubwände , undurchdringlich wie feste Mauern aus Blättern und Blüten , traten bis dicht an das Wasser heran . Sie strömten einen berauschenden Duft aus , der Wind fächelte leise , und fast betäubend drückte die Hitze . Roberts Gewehr kam nicht aus der Hand , sollte es denn nichts , gar nichts zu schießen geben ? Aber dort ! - Ein Schatten glitt über das Moos , die Ranken brachen und zitterten , ein Paar glühende Augen spähte aus dem Gebüsch hervor . Robert fuhr auf . Mit einer Handbewegung verständigte er die andern . » Ein Leopard ! - Ein Leopard ! « Und jetzt zeigte sich das Tier in ganzer Größe auf der Lichtung . Mit glühenden Lichtern und wild gesträubtem Haar , den schön gefleckten , schlanken Körper gekrümmt und leise mit dem langen Schweif peitschend , stand der Leopard am Wasser und hielt die Augen fest auf das Schiff geheftet . Offenbar ahnte er nichts von der Gefahr , die ihm drohte . Die Pinasse stoppte ihre Fahrt , - langsam hob Robert die Büchse und legte an . » Jetzt ! Jetzt ! « flüsterte Doktor Hüsker . Der Schuß krachte , und sich überschlagend stürzte das Raubtier tödlich getroffen auf den Sand . Ganz nahe am Wasser zuckte der Körper , noch einmal schlugen die Läufe um sich , dann dehnte sich das Tier , verlor dabei seinen letzten Halt und stürzte in den Fluß , daß die Wellen über ihm zusammenschlugen . Noch sekundenlang regte sich der Körper . Ebenso schnell aber war er von der Pinasse aus mit einer bereitgehaltenen Schlinge eingefangen . Noch drei oder vier Minuten vorsichtiger Arbeit , dann lag die Jagdbeute auf dem Verdeck , und Blut und Wasser liefen aus den Speigatten heraus . Robert wurde von allen Seiten beglückwünscht und einstimmig als Besitzer des schönen Felles anerkannt . Doktor Hüsker verstand es , das Abziehen sachgemäß zu leiten und später das Zubereiten und Trocknen selbst zu besorgen , - Robert durfte also mit Recht hoffen , der Mutter daheim in Pinneberg für die kalten Winterabende eine warme , weiche Decke schicken zu können , und darüber freute er sich von Herzen . Er dankte bescheiden , als ihm das Leopardenfell zugesprochen wurde , aber er war traurig , als man die Pinasse wendete . Es ging zurück zum Schiff , von dem aus der Kapitän , Freiherr von Schleinitz , inzwischen dem deutschen Konsul , Herrn Brohme , und dem Präsidenten Roberts einen Besuch gemacht hatte . Das Fell des Leoparden wurde allgemein bewundert und von der Mannschaft , besonders von den Kadetten , mit liebäugelnden Blicken betrachtet , aber Robert bewahrte sein Eigentumsrecht , schon um ein Andenken dieses Tages mit nach Deutschland zu bringen . Am Abend ging es weiter , diesmal nach Ascension , einer kleinen , mitten im Atlantik gelegenen einsamen Insel , die nur angelaufen wurde , um überall auf dem Wege dorthin zu loten und Tiefe und Beschaffenheit des Meeresgrundes möglichst genau festzustellen . Die Fahrt verlief auch diesmal glücklich . Ohne Zwischenfall wurde die kleine Himmelfahrtsinsel erreicht , auf der Robert wieder einmal Berge bestieg , die allerdings wenig bedeutend und nicht gerade interessant waren . Am Strande wurden ein paar riesenhafte Schildkröten als willkommene Zugabe für den Tisch der Mannschaft erlegt , weiter bot das Eiland nicht Bemerkenswertes . Im Meer aber entdeckte man nördlich von Ascension bei einer Tiefe von 3300 und 3000 Meter zwei verschiedene unterseeische Gebirge von 700 und 1000 Meter Höhe , - eine sehr interessante Beobachtung , die für die Wissenschaft von großer Bedeutung war . Ein Tag auf Ascension , dann wieder zurück nach Afrika . So ging es kreuz und quer über den Atlantischen Ozean . Jetzt sollte die Mündung des Kongo erreicht werden , des zweitgrößten Stromes der Erde , dessen Wassermassen selbst die des Mississippi noch bedeutend hinter sich lassen . Der Kongo wurde erst später durch den berühmten Zug des Amerikaners Stanley in seiner ganzen Länge erforscht , damals kannte man nur die Mündung des Flusses , dagegen noch nicht seinen Lauf . Es war der gefährlichen Stromschnellen wegen nicht möglich , weiter als nur etwa dreißig Meilen stromauf zu fahren . Die Mannschaft der » Gazelle « unter Führung des Kapitäns erreichte auf der Dampfpinasse die holländische Faktorei Boma , wobei zugleich überall gelotet wurde und beide Gelehrte , der Botaniker Stabsarzt Doktor Naumann und der Zoologe Doktor Hüsker , eine reiche Ausbeute machten . Besonders überraschend wirkte auf Robert der Affenbrotbaum , dieser Elefant der Pflanzenwelt . Stämme von 20 Meter Höhe bei einem Durchmesser von 7 Meter , also ganz ungestalte , gleichsam verkrüppelte Gewächse , waren hier nichts Seltenes . Als die unförmigen Zweige , deren Länge von einem Ende zum andern oft mehr als 40 Meter beträgt , an einer Stelle über den Fluß hinauswuchsen , konnten die Matrosen einige reife Früchte mit Handspaken herunterschlagen . Jeder kostete von dem Fleisch , doch nur wenige fanden den süßen Brei einigermaßen eßbar . Interessanter war es schon , als Doktor Naumann erklärte , wie sich die Neger aus den zu Asche verbrannten Schalen der Frucht in Verbindung mit Palmöl eine sehr gute Seife bereiten . Auf dem Markt von Boma herrschte ein buntes Leben . Die Neger tauschten dort ihre eigenen Produkte gegen europäische Waren , vor allem gegen Alkohol , dem sie sehr verfallen sind . Robert sah plötzlich einen sonderbaren Zug von offenbar Halbbetrunkenen , die alle bei trockenstem Wetter unter bunten Regenschirmen einherzogen und in ihrer Mitte einen Mann führten , der sich laut und gestikulierend wie ein Sieger gebärdete . Alles Volk staunte aus ehrerbietiger Ferne . Die Europäer erkundigten sich natürlich eingehend und fragten solange , bis ihnen ein