- » Schmerz - « seufzte Cethegus , » das begreif ' ich . Aber was sollte sie bereuen ! Und mir galt ihr letztes Wort ! - sag ' an , wie lautet es ? « Da trat Severinus hart an den Präfekten , daß er sein Knie berührte , und blickte ihm bohrend ins Auge . » Fluch , Fluch über Cethegus , der meine Seele vergiftet und mein Kind . « Ruhig sah ihn Cethegus an . » Starb sie im Irrsinn ? « fragte er kalt . » Nein , Mörder : sie lebte im Irrsinn , solang sie dir vertraute . In ihrer Todesstunde hat sie Cassiodor und mir gestanden , daß ihre Hand dem jungen Tyrannen das Gift gereicht , das du gebraut . Sie erzählte uns den Hergang . Der alte Corbulo und seine Tochter Daphnidion stützten sie . Spät erst erfuhr ich , schloß sie , daß mein Kind aus dem tödlichen Becher getrunken . Und niemand war da , Kamilla in den Arm zu fallen , als sie trinken wollte . Denn ich war noch im Boot auf dem Meere und Cethegus noch in dem Platanengang . Da rief der alte Corbulo erbleichend : Wie ? der Präfekt wußte , daß der Becher Gift enthielt ? - Gewiß , antwortete meine Mutter . Als ich ihn im Garten traf , sagt ich es ihm : es ist geschehen . Corbulo verstummte vor Entsetzen : aber Daphnidion schrie in wildem Schmerz : Weh ! meine arme Domna ! so hat er sie ermordet ! Denn er stand dabei , dicht neben mir , und sah zu , wie sie trank . - Er sah zu , wie sie trank ? fragte meine Mutter mit einem Tone , der ewig durch mein Leben gellen wird . Er sah zu , wie sie trank ! wiederholten der Freigelassene und sein Kind . O so sei den untern Dämonen sein verfluchtes Haupt geweiht ! Rache , Gott , in der Hölle , Rache , meine Söhne , auf Erden für Kamilla ! Fluch über Cethegus ! Und sie fiel zurück und war tot . « Der Präfekt blieb unerschüttert stehen . Nur griff er leise an den Dolch unter den Brustfalten der Tunika . » Du aber « - fragte er nach einer Pause - » was tatest du ? « » Ich aber kniete nieder an der Leiche und küßte ihre kalte Hand und schwor ihr ' s zu , ihr Sterbewort zu vollenden . Wehe dir , Präfekt von Rom : Giftmischer , Mörder meiner Schwester - du sollst nicht leben . « » Sohn des Boëthius , willst du zum Mörder werden um die Wahnworte eines läppischen Sklaven und seiner Dirne ? Würdig des Helden und des Philosophen ! « » Nichts von Mord . Wäre ich ein Germane , nach dem Brauche dieser Barbaren : - er dünkt mir heute sehr vortrefflich ! - rief ' ich dich zum Zweikampf , du verhaßter Feind . Ich aber bin ein Römer und suche meine Rache auf dem Wege des Rechts . Hüte dich , Präfekt , noch gibt es Richter in Italien . Lange Monate hielt mich der Krieg , der Feind von diesen Mauern ab . - Erst heute habe ich Rom , von der See her , erreicht : und morgen erheb ' ich die Klage bei den Senatoren , die deine Richter sind - dort finden wir uns wieder . « Cethegus vertrat ihm plötzlich den Weg an die Türe . Aber Severinus rief : » Gemach , man sieht sich vor bei Mördern . Drei Freunde haben mich an dein Haus begleitet : - Sie werden mich mit den Liktoren suchen , komm ' ich nicht wieder , noch in dieser Stunde . « » Ich wollte dich nur , « sagte Cethegus wieder ganz ruhig , » vor dem Wege der Schande warnen . Willst du den ältesten Freund deines Hauses um der Fieberreden einer Sterbenden willen mit unbeweisbarer Mordklage verfolgen , - tu ' s : ich kann ' s nicht hindern . Aber noch einen Auftrag zuvor : du bist mein Ankläger geworden : aber du bleibst Soldat und mein Tribun . Du wirst gehorchen , wenn dein Feldherr befiehlt . « » Ich werde gehorchen . « » Morgen steht ein Ausfall Belisars bevor : und ein Sturm der Barbaren . Ich muß die Stadt beschirmen . Doch ahnt mir Gefahr für den löwenkühnen Mann : - ich muß ihn treu gehütet wissen . Du wirst morgen , - ich befehl ' es , - den Feldherrn begleiten und sein Leben decken . « » Mit meinem eignen . « » Gut , Tribun , ich verlasse mich auf dein Wort . « » Bau ' du auf meines : auf Wiedersehn : nach der Schlacht : vor dem Senat . Nach beiden Kämpfen lüstet mich gleich sehr . Auf Wiedersehn : - - vor dem Senat . « » Auf Nimmerwiedersehn , « sprach Cethegus , als sein Schritt verhallte . » Syphax , « rief er laut , » bringe Wein und das Hauptmahl . Wir müssen uns stärken : - auf morgen . « Elftes Kapitel . Früh am andern Morgen wogte sowohl in Rom als in dem Lager der Goten geschäftige Bewegung . Mataswintha und Syphax hatten zwar einiges entdeckt und gemeldet : - - aber nicht alles . Sie hatten von dem Gelübde der drei Männer gegen Belisar erfahren und den früheren Plan eines bloßen Scheinangriffs gegen das Sankt-Pauls-Tor , um von dem Gedanken an Belisars Geschick abzulenken . Aber nicht hatten sie erfahren , daß der König , in Änderung jenes Planes eines bloßen Scheinangriffs , für diesen Tag der Abwesenheit des großen Feldherrn einen in tiefstes Geheimnis gehüllten Beschluß gefaßt hatte : es sollte ein letzter Versuch gemacht werden , ob nicht gotisches Heldentum doch dem Genius Belisars und den Mauern des Präfekten überlegen sei . Man