nichts mehr zu befürchten habe , und er war es also , der die Baronin abermals ermahnte , sich ihrer Mutter so weit als möglich fügsam zu beweisen , der die Gräfin ersuchte , sich die Freundschaft , welche die Baronin für die Tochter ihrer Wirthe hege , ohne Einspruch gefallen zu lassen . - Es handelt sich um wenig Stunden , gnädige Gräfin , sagte er , um etwas Gefälligkeit gegen die schwärmerische Empfindungsweise der Frau Baronin , und es ist schön , wenn die Jugend ihre Gefühle für dauernd , für unendlich hält ! So ging der letzte Tag vorüber , den Angelika im Flies ' schen Hause zu erleben hatte . Es gab vielerlei zu thun ; die schöne Zierlichkeit , welche Seba in den von der Baronin bewohnten Zimmern zu erhalten gewußt , selbst während die Krankenpflege dem Hindernisse in den Weg gestellt , mußte jetzt allmählich zerstört werden . Die Gräfin war beständig an der Seite ihrer Tochter , Mamsell Marianne und der Kammerdiener der Gräfin ließen die Koffer auf den im Hofe stehenden Reisewagen schnallen , die Baronin hielt sich ruhig auf ihrem Sessel . Sie schien jetzt mehr als während ihrer ganzen Krankheit darauf bedacht , sich zu schonen und ihre Kräfte zusammen zu halten . Nur ihre Blicke wanderten umher ; sie suchten Seba und folgten ihr , und einmal , als die Baronin sich erhoben hatte und die Freundinnen sich in dem Nebenzimmer zufällig allein befanden , schlang die Baronin ihre beiden Arme um Seba ' s Hals , und sie an sich drückend , sagte sie : Laß uns einander nicht verloren gehen , glaube an mich , wie ich an Dich , und laß mich hoffen - laß mich hoffen , daß wir uns einst so wie in Liebe auch im Glauben noch zusammenfinden ! O , daß Du es kenntest , das selige Gefühl , sich durch die Gnade eines Mittlers dem Throne des Höchsten zu nähern , und all seine Sünden , all seine Leiden und Schmerzen durch das Vertrauen auf den himmlischen Erlöser von sich genommen zu fühlen ! Denke an mich , so oft Du betest , Seba , und so oft ich mich in Demuth vor dem Heilande beuge , soll Dein Name auf meinen Lippen sein , und ich will beten , zu ihm beten , daß er Dich zu sich rufe und daß wir einst zusammen auf unseren Knieen unsere Herzen zu ihm erheben ! Sie sah schön und verklärt aus , als sie also sprach . Seba betrachtete sie mit Rührung . Du bist sehr gut , meinst es sehr gut mit mir , Angelika , sagte sie , indem sie ihre Hände gefaßt hielt und ihr tief ins Auge blickte , und ich werde Dich nie vergessen ! Denn Du hast mir mehr gegeben , bist mir mehr geworden , als Du ahnen kannst ! Laß Dir das genügen ; laß es Dir genügen und liebe mich immer , immer ! Was auch kommen möge , liebe mich ! Sie ging von dannen ; die Baronin schaute ihr gedankenvoll nach , dann knieete sie nieder , nahm das Crucifix Amanda ' s , welches sie immer am Halse trug , in ihre Hände und betete lange und still . Sie nahm Abschied von diesen Räumen und flehte Gottes Segen auf das gastliche Haus ihrer Freunde , auf das ungläubige und der Erleuchtung und des Trostes so bedürftige Herz ihrer Freundin herab . Am folgenden Morgen um elf Uhr , so hatte man es verabredet , sollte die Baronin in dem Reisewagen nach dem Gasthofe fahren , in welchem die Gräfin abgestiegen war , mit dieser noch ein Frühstück einnehmen und dann für die erste , absichtlich sehr kurz bestimmte Tagereise aufbrechen . Von den Segenswünschen ihrer Gastfreunde begleitet , wollte die Baronin das Haus verlassen , aber die Trennung von Seba fiel ihr gar zu schwer , und voll Verlangen , keinen der wenigen ihnen noch gegönnten Augenblicke zu verlieren , vermochte sie endlich Seba dahin , sie zur Gräfin zu begleiten und bis zu ihrer Abreise noch bei ihr zu verweilen . Als man in den Gasthof kam , fand man in dem Zimmer der Gräfin den Tisch bereits gedeckt . Der Caplan hatte noch einen Besuch bei dem Propste machen wollen , und sein Kommen wurde erst nach dem Frühstücke erwartet . Die Gräfin war in ungewöhnlich guter Laune ; sie rühmte das Aussehen ihrer Tochter , zeigte sich auch gegen Seba , obschon sie dieselbe nicht erwartet hatte , freundlicher und herzlicher , und erkundigte sich dazwischen doch wieder mit solcher Geflissenheit nach dem Befinden der Baronin , und ob sie sich auch recht frisch , recht kräftig fühle , so daß Angelika endlich die Frage aufwarf , ob sie denn heute etwas Besonderes zu leisten habe , weil die Mutter sich so ängstlich um den Zustand ihrer Kräfte sorge . Die Gräfin lächelte . Der Zufall hat Dir eine Ueberraschung zugedacht , sagte sie ; fühlst Du Dich im Stande , sie zu genießen ? Ach , mein Vater ! rief Angelika , indem sie sich erhob . Nein , nicht der Vater , entgegnete die Gräfin , während auf ein leises , von ihr gegebenes Zeichen die Thüre des Nebenzimmers sich öffnete und in aller seiner stolzen Schönheit Graf Gerhard in das Zimmer trat . Mit einem Ausrufe der Freude warf die Baronin sich ihm an die Brust ; aber fast in demselben Augenblicke wendete sie sich um , und ihrer Bewegung folgend , sah der Graf jetzt plötzlich Seba vor sich stehen . Bleich wie der Tod und keines Wortes mächtig , trat er zurück . Seba hatte die Ecke des Marmortisches erfaßt , an dem sie stand ; sie mußte sich halten , um nicht umzufallen . Die Baronin war auf den nächsten Stuhl gesunken , die Gräfin stand mitten in dem Gemache und sah , ohne den Vorgang zu begreifen , mit