in die Arme und weintet und küßtet Euch ; und dann trat Tante Berkow an mein Bett und sagte : so , Bruno , nun kannst Du schlafen gehen . Da fielen mir die Augen zu ; es wurde Nacht um mich her , ich sank mit dem Bett tiefer und tiefer und schneller und immer schneller - darüber bin ich vor Schreck aufgewacht . Fühlst Du Dich kränker , Bruno ? fragte Oswald , den die Phantasien besorgt machten . Im Gegentheil , erwiederte Bruno ; der Schlaf hat mir sehr wohl gethan . Meine Schmerzen sind bedeutend geringer ; aber ich fühle mich sehr matt . Ich glaube , ich könnte schlafen . Er legte sein Haupt auf die Seite ; aber schon nach wenigen Augenblicken fuhr er wieder auf : Oswald , willst Du mir einen recht , recht großen Gefallen thun ? Gewiß ! was soll ich ? Bitte , zieh Dich an und gehe hinunter in die Gesellschaft . Um Alles in der Welt nicht ! Bitte , bitte , thu ' s ! thu ' s mir zu Liebe . Sieh ! ich fühle mich ja jetzt viel besser und möchte gern schlafen und werde auch schlafen . Da kannst Du mir ja doch nicht helfen . Aber was soll ich unten ? Sieh , Oswald , sagte Bruno ; ich möchte doch Helene so unbeschreiblich gern sehen . Und ich kann nicht auf ; ich fühle gar keine Kraft in meinen Gliedern . Wenn nun Du sie siehst , so ist mir , als hätte ich sie auch gesehen . Bitte , bitte ! geh hinunter ! Du brauchst ja Niemand zu sprechen ; nur , wenn es möglich ist , sage Helenen , ich ließe viel tausendmal grüßen - und wenn Du das gesagt hast , und sie hat vielleicht geantwortet : und grüßen Sie Bruno auch von mir ! dann komme schnell , recht schnell wieder , daß Du den Ton , in dem sie es gesagt hat , nicht vergissest . Und höre , Oswald , da ich gerade daran denke : es könnte ja doch sein , daß ich einmal plötzlich sterbe , nein , - lache nicht ! ich rede im Ernst - dann gieb nicht zu , daß man mich umkleidet ; ich will so , wie ich gestorben bin , in den Sarg gelegt werden . Sieh ! - Du weißt , daß ich stets ein Medaillon auf dem Herzen trage ; es ist von meiner Mutter , aber nicht deshalb allein halte ich es so heilig ! Es liegt eine Locke von Helenens Haar darin , die ich ihr gleich in der ersten Zeit einmal im Scherz abgeschnitten habe . Wenn mir das Medaillon genommen würde - ich glaube , ich hätte keine Ruhe im Grabe . Und nun , bitte , geh ! es wird sonst so spät . Oswald wußte nicht , was er thun sollte . Gab er dem Verlangen des Knaben nicht nach , so mußte er fürchten , dessen fieberhafte Unruhe , die sich jetzt fast gänzlich gelegt zu haben schien , wieder hervorzurufen . Auf der andern Seite war ihm der Gedanke , ihn , wenn auch nur auf kurze Zeit , zu verlassen , sehr peinlich . Und doch hätte er auch Helenen so gern gesehen - nur für einen Augenblick - mußte sich doch in diesen Stunden Alles entschieden haben . Bruno machte seinen Zweifeln ein Ende . Du hast es mir versprochen ! sagte er traurig , und nun willst Du nicht , Du hast mich nicht lieb ! Oswald ging in das Nebenzimmer , sein Schlafgemach , und kleidete sich um . Er hatte sich wohl noch nie in einer solchen Stimmung zu einer Gesellschaft angekleidet . Das Ganze erschien ihm eine schauerliche Ironie . Er erschrak , als er sein bleiches , verwüstetes Gesicht im Spiegel betrachtete . In diesen letzten Stunden schien er um eben so viele Jahre gealtert zu sein . Er trat wieder an Bruno ' s Bett . Laß Dich doch einmal betrachten , sagte der Knabe , sich halb aufrichtend . Wie stattlich Du aussiehst ! wie schön ! - küsse mich , Oswald ! Oswald nahm den Knaben in seine Arme und küßte ihn auf die schönen , stolzen - jetzt ach , so bleichen Lippen . Dann ließ er ihn sanft auf das Kissen gleiten . Ich fühle mich sehr , sehr wohl ; sagte Bruno ; beeile Dich nicht , ich werde , bis Du zurückkommst , köstlich schlafen . Sechzigstes Capitel Auf dem Vorsaal unten begegnete er dem Baron Oldenburg . Ich hätte große Lust , wieder umzukehren , sagte Oldenburg nach der ersten , von beiden Seiten ziemlich förmlichen Begrüßung ; ich glaubte nicht , daß die Gesellschaft so groß sei , bin zu Pferde gekommen und , wie Sie sehen , nicht ganz etiquettemäßig angeputzt . Wer ist denn Alles da ? Ich komme selbst erst in diesem Augenblick von oben ; erwiederte Oswald ; Bruno ist seit vorgestern unwohl ; jetzt hat er mich fortgeschickt , weil er schlafen will . O , das thut mir ja leid , sagte Oldenburg ; der Junge wird hoffentlich nicht ernstlich krank werden . Sagten Sie mir nicht , daß er ein großer Liebling von Ihnen sei ? Ja . Haben Sie keine Nachricht von - Von meiner Czika ? nein . Oldenburgs Gesicht verdüsterte sich . Wollen wir eintreten ? fragte er . In einem der Nebenzimmer zum Ballsaale begegneten sie dem alten Baron . Oldenburg ging nach einer kurzen Begrüßung in den Saal , Oswald mußte dem alten Herrn einen ausführlichen Bericht über Bruno ' s Befinden während der letzten Stunden machen . Nun , das ist ja schön , recht schön , sagte er , daß wir noch so mit einem blauen Auge davonkommen ; ich fürchtete schon , es würde ein Nervenfieber werden . Gehen Sie doch auch zu meiner Tochter