der Schwester sehr an das Herz , der Vater sagte , wir sollen die Muße nach unserer besten Einsicht genießen , und so fuhren wir bei dem Aufgange einer klaren Herbstsonne aus dem Tore unseres Hauses . Ich wollte die Schwester , welche ihre erste größere Reise machte , nicht der Berührung mit andern Menschen in einem gemeinschaftlichen Wagen aussetzen , da man deren Wesen und Benehmen nicht voraus wissen konnte ; deshalb zog ich es vor , mit Postpferden so lange zu fahren , als es mir gut erscheinen würde , und dann die Art unsers Weiterkommens im Gebirge je nach der Sachlage zu bestimmen . Es hatte diese Art zu reisen noch den Vorteil , daß ich anhalten konnte , wo ich wollte , und daß ich der Schwester manches erklären durfte , ohne dabei auf jemand Rücksicht nehmen zu müssen , der als Zeuge gegenwärtig wäre . Auch konnten wir uns in unseren geschwisterlichen Gesprächen über unsere Angehörigen , unser Haus und andere Dinge nach der freien Stimmung unserer Seele bewegen . Auf diese Art fuhren wir zwei Tage . Ich gönnte ihr öfter Ruhe , da sie ein fortwährendes Fahren nicht gewohnt war , und endete immer noch lange vor Abend unsere Tagreise . Wir sahen die Berge schon immer in der Nähe von einigen Meilen mit unserem Wege gleich laufen ; aber ihre Teile waren hier weniger wichtig . Es war mir äußerst lieblich , die Gestalt der Schwester neben mir in dem Wagen zu wissen , ihr schönes Angesicht zu sehen und ihren Atem zu empfinden . Ihre schwesterliche Rede und die frische Weise , alles , was ihr neu war , in die vollkommen klare Seele aufzunehmen , war mir unaussprechlich wohltätig . Am Vormittage des dritten Tages ließ ich sie ruhen . Für den Nachmittag mietete ich einen Wagen , und wir fahren von der Poststraße weg gerade dem Gebirge zu . Unsere Fahrt war von angenehmer und heiterer Stimmung begleitet , und wir ergingen uns in mannigfaltigen Gesprächen . Als die blauen Berge in der klaren Luft , die einen milchig grünlichen Schimmer hatte , uns entgegen traten , leuchtete ihr Auge immer freundlicher , und ihre Mienen waren teilnehmend der Gegend , in die wir fuhren , zugekehrt . Gleich wie bei dem Vater röteten sich nach dieser dreitägigen Reise auch ihre zarten Wangen , und ihre Augen wurden glänzender . So kamen wir endlich an dem Orte an , den ich für unsere Nachtruhe bestimmt hatte . An demselben rauschte die grüne Afel mit ihren Gebirgswässern vorüber , welches Rauschen durch ein schief über das Flußbett gezogenes Wehr noch vermehrt wurde . Waldhänge in langen Rücken begannen schon sich zu erheben , und oberhalb des dunkeln Randes eines bedeutend hohen Buchenwaldes blickte bereits das rote Haupt eines im Abende glühenden Berges herein , auf welchem schon einzelne Strecken von Schnee lagen . Des andern Tages mietete ich ein Gebirgswägelchen , wie sie zum Fortkommen auf Wegen , die nicht Poststraßen sind , in den Gebirgen am besten dienen , und deren Pferde an die Gegenstände des Gebirges und an die Beschaffenheit seiner Wege gewöhnt und daher am zuverlässigsten sind . Wir brachten unsere Sachen in demselben , so gut es ging , unter , und fuhren der glänzenden Afel entgegen , immer tiefer in die Berge hinein . Ich nannte jeden Namen eines vorzüglichen Berges , machte auf die Bildungen aufmerksam , und suchte die Farben , die Lichter und die Schatten zu erörtern . Überall begannen schon die Laubwälder die rötliche und gelbliche Färbung anzunehmen , was den Hauch über all den Gestaltungen noch lieblicher machte . Da ich in eine gewisse Tiefe des Gebirges gekommen war , änderte ich die Richtung und fuhr nun nach der Länge desselben hin . Als zwei Tage vergangen waren und der dritte auch schon dem Nachmittag zuneigte , blickte uns aus der Tiefe des Tales das Gewässer des Lautersees entgegen . Wir kamen um den Rücken eines breiten Waldberges herum , und die Glanzstellen entwickelten sich immer mehr . Endlich lag der größte Teil des Spiegels unter dem Gezweige der Tannen , der Buchen und der Ahorne zu unsern Füßen . Wir sanken mit unserem Wäglein auf dem schmalen Wege immer tiefer und tiefer , bis wir nach etwa zwei Stunden an dem Ufer des Sees anlangten und die Steinchen in seinen seichten Buchten hätten zählen können . Wir fuhren an dem Ufer dahin , umfuhren eine kleine Strecke des Sees , und kamen in dem Seewirtshause an . Dort lohnte ich unsern Fuhrmann ab und mietete uns für mehrere Tage ein . Klotilde mußte dasselbe Zimmer bekommen , welches ich während der Zeiten meiner Vermessungen des Lautersees innegehabt hatte . Ich begnügte mich mit einem kleineren Stübchen in ihrer Nähe . Man staunte das schöne und , wie man sich ausdrückte , vornehme Mädchen an , und ich gewann sichtbar an Ansehen , da ich eine solche Schwester hatte . Alle , die ein Ruder fahren konnten , oder die geübt waren , Steigeisen anzulegen und einen Alpenstock zu gebrauchen , kamen herzu und boten ihre Dienste an . Ich sagte , daß ich sie rufen werde , wenn wir sie bedürfen , und daß wir uns dann ihrer Gesellschaft sehr erfreuen würden . Zuerst machte ich Klotilden ein wenig in ihrem Zimmerchen wohnhaft . Ich zeigte ihr bedeutsame Stellen , die sie aus ihren Fenstern sehen konnte , und nannte ihr dieselben . Ich zeigte ihr , wie ich in verschiedenen Richtungen auf dem See gefahren war , um seine Tiefe zu messen , und wie wir uns bald auf dieser , bald auf jener Stelle des Wassers festsetzen mußten . Sie richtete sich Farben und Zeichnungsgeräte zurecht , um zu versuchen , ob sie nicht auch nach der unmittelbaren Anschauung von den Räumen ihres Zimmerchens aus etwas von den Gestaltungen , die sie hier sehen konnte , auf das Papier zu übertragen vermöchte . Die folgenden Tage brachten