durch welchen sich das glänzende Wasser zieht ; hinter dem Hause legt sich der edle , einträgliche Wein , der mir Gut und Freude bringt , an den aufsteigenden Berg , und oben steht eine Kapelle unserer lieben Frau , die weit über die Gauen , Wälder und in die Berge hineinschaut und sich ins letzte Abendrot taucht . Dicht daneben habe ich ein kleines Lusthäuschen gebaut und unter demselben einen kleinen Keller in den Felsen gehauen , wo stets ein Dutzend Flaschen klaren Weins liegen . Wenn ich nun einen neuen kunstreichen Kelch fertig habe , so steige ich , eh ich ihn inwendig vergolde , hier hinauf , und nachdem ich der Jungfrau meinen Dank abgestattet für ihre Hilfe bei der Arbeit , probiere und weihe ich das Gefäß in dem luftigen Häuschen und leere es drei- , auch wohl viermal auf das Wohl aller Heiligen und aller unschuldigen frohen Leute . Ich fahre dies hier an , weil ich damit meine Schwäche bekenne , daß ich nämlich bis jetzt ein bißchen viel Wein getrunken habe , zwar nie so viel , daß ich nicht jenen Berg wieder allein hätte hinuntergehen können , so steil er auch ist . Meine Silberarbeit , Musik und Wein sind meine einzige Freude gewesen und meine schönsten Tage die sonnigen Kirchentage der Mutter Gottes , wenn ich zu ihrem Preise auf dem Chore der benachbarten Kirchen spielte , während unten am belaubten und bekränzten Altare meine Gefäße glänzten . Ein klingendes und singendes Weinräuschchen an heiterer Pfaffentafel , in Refektorien oder in schön gebohnten , duftenden Pfarrhäusern war dann der Gipfel des vergnügten Daseins . - Aber seit einiger Zeit sehnten sich meine Lippen auch nach einem andern Tranke , es war mir immer , als möchte ich die unsichtbare Himmelskönigin einmal küssen , und wenn ich die Bilder , die ich von ihr in Silber oder Elfenbein machte , zu küssen mich gewaltsam bekämpfen mußte , bat ich die schöne Gottesfrau schmerzlich , mir aus meiner Not zu helfen . - Da habe ich dich bei dem Feste gesehen , ärmste , schönste Agnes , und sogleich war es mir , als hätte die Jungfrau selbst deine Gestalt angenommen , mir zur Freude und meinem Silber , meinem Elfenbein zu Vorbild und Richtschnur ; denn was ich bislang an zartem Gebilde in Traum und Wachen vergeblich gesucht und angestrebt , das sah ich nun plötzlich lebendig vor mir ! Ich wußte nicht drängte es mich zuerst , zu Stift und Griffel zu greifen , um deine kostbare Erscheinung hastig dem edlen Metalle einzugraben , oder dich mit dem Schwure zu umschließen , daß ich dich nun und immerdar mir aneignen und auf Händen tragen wolle , das lichte Seelchen , das in deiner Gestalt wohnt , in Frömmigkeit küssend ! Kommst du mit mir in meine Heimat , so soll die Zeit des Weines für mich vorüber sein und die Zeit der Liebe und Schönheit beginnen ! Das Land ist schön und fromm und fröhlich , Ruhe und Heiterkeit sollen dich und deine geehrte Mutter umgeben , indessen jeder Punkt deines Daseins und deiner Erscheinung ein Gegenstand meiner immerwährenden Verehrung sein wird . Zahlreiche Kapellen und Kirchlein unserer lieben Frau , die aus allen lauschigen Winkeln , auf Bergen und im Strome glänzen , stehen bereit , deine sonstigen Wünsche und Anliegen und meine Dankgebete für die eine Gnade deines Besitzes aufzunehmen . « Als der Gottesmacher seine Rede in schöner und einnehmender Erregtheit geendet und , Agnesens Hand ergreifend , sie mit seinen lebhaften Äuglein , die in gemütvollem poetischem Feuer funkelten , anblickte , wollte die Mutter mit diplomatischer Gebärde das Wort ergreifen ; allein ihre Tochter , welche während der Zeit ihr prächtiges Auge mit melancholischem Lächeln auf die Erde gerichtet hatte , richtete sich jetzt auf , unterbrach die Alte und erwiderte mit einem freien und vollen Blicke auf den Rheinländer , indem sie ihm die Hand ließ : » Ja , ich will dein sein , mein lieber Freund ! Du hast mir Ehre erwiesen und Trost gebracht , und deine schöne Musik hat ein helles Licht in meinem verwirrten Gemüte verbreitet ! Und indem ich überlege , wie ich es dir am besten und wahrsten danken kann , fühle ich wohl und fühle es gern , daß es am besten mit meinem verlassenen Selbst geschieht , das nun nicht mehr verlassen ist ! Ohne zu forschen , ob deine Neigung fest und dauernd sei , will ich mich mit all der Sehnsucht meiner verschmähten Liebe unter den Schutz deines fröhlichen Herzens flüchten und so zugleich das Unheil einer neuen Verschmähung verhüten . Ich will nicht rückwärts schauen und nur fühlen , daß ich mit meiner einen Kraft liebe und wiedergeliebt werde . Sollte es mir geschehen , daß ich einmal den Namen des Verschwundenen statt des deinigen ausspreche , so sei mir nicht böse , ich will dich dafür zweimal ans Herz drücken ! Was den Wein betrifft , so bitte ich dich , wegen meiner nicht einen Becher weniger zu trinken ! Dieser goldene Schelm hat mir weh getan , und ich habe ihn schmerzlicherweise dafür liebgewonnen ; ich sah , daß an seinen Quellen ehrliche Freude , Herzlichkeit und Artigkeit wohnen ; jene Stunden zwischen den Myrten und Orangen , obgleich ich sie nie zurückwünsche , sind wie ein unauslöschliches Märchen in meinem Gedächtnis , wie ein schmerzlich süßer Traum , welchen ich zwischen neuen , unbekannten und doch vertrauten treuherzigen Gestalten geträumt . Aber noch eines muß ich sagen . In die vielen Kirchen und Kapellen am Rheine werde ich nicht eintreten ! Ich habe in meiner Not um den Ungetreuen zu der fabelhaften Frau im Himmel gefleht , und sie hat mir nicht geholfen ! Oder ich habe um Ungehöriges und Sündliches gefleht ; dann aber dünkt es mich , daß ein wahres göttliches Wesen hiezu niemals verlocken kann . Als ich noch hoffte , den schlimmen Ferdinand mein zu nennen