drei Geschwistern gehört . Jeannette fuhr fort : Die Wandstablers ließen mein Fränzchen kommen und betrachteten es von allen Seiten , ja untersuchten ' s , wie Herr Lasally thut , wenn er Pferde kauft . Endlich behielten sie sie im Palais und Fränzchen zog heute hinein und morgen lief sie , wie sie ging und stand , davon . Was mit ihr geschehen ist , davon hat nichts in der Zeitung gestanden . Fränzchen ! Ich hätte dich sehen mögen , wie du in dem goldenen Pavillon an Händen und Füßen gezittert hast , als - Fränzchen entrüstet hielt Jeannetten den Mund zu . Und als jene doch reden wollte , sprang sie auf und drückte so gewaltsam auf Jeannettens unsaubere Lippen eine gewisse Handbewegung , daß deren fahles Gesicht kirschroth wurde und sie allenfalls sagen konnte , ihr wäre so gut geschehen , als hätte sie eine Ohrfeige bekommen . Mädchen ! Mädchen ! rief Melanie lachend . Du zerdrückst mir die Volants an dem Kleide da ! Wollt Ihr wol Beide Ruhe halten ! Fränzchen war so zornig , daß ihr die Thränen in die Augen traten . Für Melanie waren die Worte : Goldener Pavillon im Hohenbergschen Palais , sehr gefährlich gewesen . Indessen bekämpfte sie sich , warf Jeannetten einen verweisenden Blick zu und sagte , um auf einen andern Gegenstand zu kommen : Also ein Franzose ist ' s ! Fränzchen , wie verständigst du dich denn mit ihm ? Oder geht das Alles durch die Augensprache ? Fränzchen schwieg wieder . Jeannette aber statt ihrer sagte : Er kann ja deutsch und was er nicht zu sagen weiß , macht er mit ihr figürlich ab . Er wohnt in einem Hause mit ihr und muß es gewiß sehr redlich im Sinn haben , denn er hat ihr noch nichts geschenkt , obgleich er mit lauter Gold umgeht . Melanie fand an Fränzchens verschämter Schweigsamkeit und Entrüstung Gefallen . Fränzchen war klein , aber sehr zierlich . Ihre Augen hatten etwas Heiliges . Lange dunkle Wimpern lagen schwärmerisch über den braunen feuchtschimmernden Sternen . Die Haut war , wie Hackert im Gelben Hirsch gesagt hatte , von jenem Wachs , das nicht schön ist , wenn es zu blaß ist und an die Bleichsucht erinnert , aber sehr anziehend , wenn mit ihm dunkle und frische Farbe verbunden . Alle Formen dieser kleinen Schönheit waren im lieblichen Ebenmaß . Melanie beobachtete Das heute zum ersten male . Kleine Gestalten haben den Nachtheil , daß man über ihre Bildung zu flüchtig hinwegsieht und erst nach liebender Betrachtung plötzlich ihres Werthes inne wird . Laß sie selber sprechen , sagte Melanie zu Jeannetten ; Fränzchen weiß , daß ich gern höre , wenn sie glücklich ist . Wie bin ich denn glücklich ? sagte das junge Kind endlich , hab ' ich denn schon ein Recht , so dreist zu sein , wie Jeannette ? Er wohnt im Vorderhause und kam einige male hinten in den Hof , wo ich beim Tischler Märtens wohne . Er will auf den Namen des alten Märtens hier ein Geschäft errichten von Spiegel-und Bilderrahmen und hat einige male freundlich mit mir gesprochen . Leider gibt es überall soviel Plaudertaschen , wie Jeannette ist ... Man hat ihm schon erzählt , was die bösen Wandstablers mit mir im Sinne hatten ... die noch ohnedies meine Cousinen sind ! Was der Franzose damals zu mir sagte , war so schön und gut , wie wenn es ein Pfarrer spräche und wenn ich mich nicht geschämt hätte ... Nun ? fragte Melanie . Ich hätte ... ich hätte ihm alle meine Sünden beichten können ! sagte das erregte , glühende Mädchen . Jeannette brach über diese Worte in lautes Lachen aus , das ihr aber Melanie verwies . Das ist viel , Fränzchen , sagte Melanie , für einen Mann , der uns den Hof macht , zuviel . Gleich niederknieen vor ihm und anbeten und seine Sünden beichten ! Allein man sieht , daß du recht verliebt sein kannst . Was hat er dir denn so Erbauliches gesagt ? Als die plauderhafte alte Märtens , sagte Fränzchen , ihm die Schlechtigkeiten der Wandstablers erzählt hatte , paßte er mir am Abend auf , wie ich von der Arbeit nach Hause kam . Er that zwar , als wenn er mit dem alten Märtens über die größere Tischlerei sprechen wollte , die er auf seinen Gewerbschein betreiben möchte , aber wie er aus dem Hut ein zierliches Rosenbouquet zog und mir in seiner wunderschönen Art zu sprechen sagte : Franchette , so nennt er mich , Franchette , ein Tribut an die Unschuld , ein Geschenk an die Anmuth , die den Stolz der Tugend kennt ! .. da wußt ' ich doch - Weiter konnte das gerührte Fränzchen nicht sprechen . Ihre Worte erstickten in Thränen .. Kind ! Kind ! sagte Melanie und griff ihre Hand und fuhr , sie ermunternd , mit den Worten fort , die sie hatte sagen wollen : Da wußtest du doch , Fränzchen , daß der galante Pariser - denn das wird es hoffentlich sein - nur deinetwegen und nicht wegen des Gewerbscheins geblieben war . Aber für ein solches Compliment fällt man doch noch vor keinem Mann auf die Kniee und beichtet ihm alle seine Sünden ! Es steht ja recht schlimm mit dir ! Jeannette machte Melanien einen gewissen Seitenblick , als wollte sie sagen : der arme Tropf ist närrisch geworden . Und wirklich war Fränzchen in einer so gehobenen feierlichen Stimmung , daß ihr auch Melanie ' s Zureden gar nicht gefallen wollte . Das war nicht der Ton , der ihr wohl that , Das nicht der Geist , der ihr des Gedankens an jenen Mann würdig schien ! Dennoch raffte sie sich zusammen und erzählte weiter : Ohne Das zu erwähnen , was die alte Märtens ihm gesagt hatte , sprach er ganz zart von den armen Leuten ,