Geist stärker , als ihr Körper . Die unleidlichen Schmerzen am Kopfe traten stärker hervor , und die Steifheit ihrer Glieder hatte sich noch nicht gänzlich gehoben . Mit tiefem Kummer machte sie die traurige Wahrnehmung , ohne sie jedoch zu äußern , und versuchte Margarith zu folgen , die rüstig vor ihr her schritt und , als sie den Gang leer fand , sich über das Gerümpel hermachte , welches vor dem Treppenthürchen aufgestellt war . Lady Maria war bemüht , ihr dabei zu helfen , aber ihre Schwäche und ihr krankhaftes Gefühl ließen sie fast unterliegen . Sie gab daher Margariths Bitten nach und bewachte blos den Gang , um , wenn sich etwa Jemand nähern würde , sogleich es anzeigen zu können . Gedankenvoll schlich sie bis zu einem kleinen Vorsprung , der einen Blick auf die größere Treppe zuließ , ohne sie selbst zu verrathen . Sie sah an der unruhigen Bewegung der verschiedenen Schloßbewohner , daß etwas Ungewöhnliches geschehen sein müsse , und bald erschien Pater Johannes , von Außen herbei gerufen und von einem athemlosen Diener begleitet , eilig die Treppe herauf steigend . Warum hat man meine Vorschrift übersehn ? rief er wild und mit allen Tönen des Zornes ; hatte ich nicht ausdrücklich befohlen , daß Hände und Füße gebunden bleiben sollten ? Ja , antwortete der angstvolle Diener , wo aber Stricke hernehmen , die der Kraft widerstanden , welche die Lady anwendete ? Wir alle flogen wie Spreu im Winde , als sie auf uns zulief , und wer konnte denken , daß sie gerade nach der Treppenthür laufen würde , wovor sie sonst sich so fürchtete . Es hat wohl sein sollen , daß beide Herrschaften auf derselben Stelle - In diesem Augenblick schloß sich die Thür , die Worte waren verhallt , und nur einzelne Diener schossen noch zuweilen in großer Eile über die Treppe hin . Von unbestimmtem Grauen beschlichen , stieg die Ahnung in Maria auf , daß der Wahnsinn der Nacht bei Lady Sommerset angehalten habe , und daß in diesem Zustande etwas von ihr unternommen sein müsse , was an den Unfall und Tod des unglücklichen Lords erinnere . Die Treppenthür und deren Beziehung auf diese schreckliche Katastrophe kannte sie nur zu wohl , und eilte daher , so schnell sie es vermochte , zurück , um Margarith eine Nachricht zu bringen , die einige Hoffnung gab , man werde ihnen bei der Verwirrung im Schlosse Zeit zur Ausführung ihres Planes gönnen , welche vielleicht die Aufmerksamkeit des Pater Johannes mehrfach in Anspruch nahm und ihn an der beabsichtigten Entführung jetzt hinderte . Margarith nahm zwar an der Hoffnung Theil , aber ihr Herz war doch betrübt , da sie die kleine Thür zwar erreicht , aber jeden Versuch , sie zu öffnen , vergeblich gesehen hatte . Verlieren wir nur jetzt nicht den Muth , sprach dagegen Maria , da uns ein kleiner Hoffnungsschein dämmert . Laß es uns wagen , und den Armleuchter der Lady anzünden und hierher bringen , vielleicht entdecken wir noch irgend ein Mittel gegen dies hartnäckige Thürchen , wenn wir den ganzen Raum untersuchen können . Margarith zeigte sich gleich bereit und eilte zurück , während bis zu ihrer Wiederkehr Maria noch ein Mal den Gang hinabschlich , ihre Beobachtungen anzustellen . Die Ruhe war wieder hergestellt , Flur und Treppen leer , und alle Thätigkeit , wie zu hoffen stand , in dem Innern der Gemächer vereinigt . Froh ging sie jetzt dem Scheine des Lichtes entgegen , der ihr Margariths Annäherung verkündigte , und Beide untersuchten nun mit größter Aufmerksamkeit die kleine Thür und den angrenzenden Raum des Schlupfwinkels . Aber die Thür war zu fest , um an ihre Oeffnung auf andere Weise , als vermittelst des Schlüssels denken zu können , und die Mauer umher so dick und von so starken Steinplatten , daß Beide muthlos von ihren Bemühungen abstanden . Als sie in das kleine Thurmgemach zurückkehrten , mit dem Gefühl , sich in ihr Schicksal ergeben zu müssen , wenn ihnen von Außen nicht Hilfe käme , sahen sie , daß der Abend herangerückt war , und überließen sich nun der Hoffnung , daß die Vorfälle im Schlosse die Absichten des Paters durchkreuzt und die gefürchtete Abreise verschoben haben könnten . Zeit zu gewinnen , schien ihnen jetzt das Wichtigste , denn sie durften hoffen , daß der Wildmeister , der von allen Vorfällen des Schlosses unterrichtet sein konnte , mit ihrem Beschützer in Verbindung stehe , und daß vielleicht von dort Versuche gemacht würden zu ihrer Rettung . So hielten sie sich hin , Eine in der Andern Hoffnung nährend , während dieselbe immer schwächer wurde in der eigenen Brust . Da der Sturm zur Nacht heftiger ging und die Brandung an der Stelle , wo das Segelboot lag , sich zu mächtig brach , sahen sie dessen Segel einziehen und es langsam in die große Bucht lenken , die es vom Schlosse einige hundert Schritt entfernte und ihren Blicken entzog . Schon wollten sie der Hoffnung Raum geben , die Reise sei heute ganz aufgegeben , indem die Nacht mit schrecklicher Dunkelheit anbrach und der Sturm sich steigerte ; da scheuchte plötzlich ein Schlag an die Thür sie auf . Beim Oeffnen derselben trat Pater Johannes in Begleitung zweier Diener herein . Es blieb ihnen nun kein Zweifel darüber , was ihnen bevorstand , da die Diener einige warme Mäntel trugen , welche Pater Johannes ihnen anzulegen befahl . So schrecklich dieser Augenblick war , konnten sie doch beide nicht übersehn , in welchem Grade das ganze Wesen des Pater Johannes sich noch verfinstert hatte , und wie blaß und unruhig sein Ausdruck war . Eilt , rief er oft dazwischen , es ist keine Zeit zu verlieren , die See geht immer höher . Du kannst auf der Reise weinen , rief er Margarith zu , welche , die Hände ringend , ihre Lady und sich selbst umhüllte ,