im Hafen . Mit einem kräftigen Schlage auf die Schulter verließ er den Alten und eilte den Ankommenden entgegen . Obgleich Dübois den Sinn der Rede des Arztes nicht verstanden hatte , so war er doch überzeugt , daß keine Gefahr zu besorgen sei , und erwartete also im offenen Thore neugierig die Ankommenden , denen der Arzt schon von fern entgegen rief : Nur hieher , hier ist das Land der Verheißung , hier ist der Wohnort des Grafen . Eine dunkle Masse näherte sich und Dübois vernahm deutlich das Klirren der Schwerter , und seine Besorgnisse erwachten von Neuem . Endlich konnte man die Ankommenden unterscheiden . Ein junger Mann schwang sich vom Pferde und Dübois , der von einer freudigen Ueberraschung zur andern überging , fand sich in den Armen Gustav Thorfelds , den er in dem jungen Krieger erkennen mußte . Auch der Graf Robert drückte die Hand des vor Freude weinenden Alten , der endlich , nachdem er sich ein wenig erholt hatte , Alle einzutreten bat und dem Grafen die Freude zu gewähren , einen theuern Verwandten zu umarmen und werthe Freunde zu begrüßen . Noch einen Augenblick gewartet , rief der Arzt , dort kommt unser Gefangener . Haben Sie einen französischen Gefangenen in Ihrem Gefolge , fragte Dübois mit Theilnahme . Freilich , freilich , sagte der Arzt , wir kommen nicht mit leeren Händen , und , fuhr er fort , indem er die kleinen Augen halb zudrückte und den Greis listig lächelnd anblinzelte , strengen Sie einmal Ihren Scharfsinn an , und errathen Sie , Wen wir bringen . Dübois dachte flüchtig an Evremont , aber überzeugte sich sogleich , daß dieß unmöglich sei , und sagte daher seufzend : Wie kann ich wissen , wer von den Franzosen in Ihre Hände gerathen ist . Wer anders , antwortete der Arzt , als der General , der sich damals auf Schloß Hohenthal so viele ungebührlichen Freiheiten herausnahm , bis es sich ergab , daß er ein alter Freund des Grafen war . Wie , der General Clairmont ? rief Dübois erstaunt . Derselbe , sagte der Arzt , und hier ist der junge Held , der ihn gefangen genommen hat und dem er sein Leben verdankt . Durch einen Schlag auf Thorfelds Schulter bezeichnete er diesen als den Gegenstand seines Lobes . Während dieses kurzen Gesprächs hatte sich ein Wagen unter der Bedeckung von einigen Kriegern genähert , der in den Hof fuhr . Mühsam stieg der General Clairmont ab , wobei ihn der Graf Robert und Thorfeld unterstützten . In Folge eines starken Blutverlustes war er sehr bleich und ermattet ; den Arm trug er in der Binde . Er erkannte Dübois sogleich und bat ihn , ihm ein ruhiges Zimmer anzuweisen , wo er sich erholen könne , und den Grafen zu bitten , ihn erst morgen sprechen zu wollen , weil er sich heute zu entkräftet fühle . Dübois eilte mit gewohnter Gutherzigkeit diese Wünsche zu erfüllen , und der Graf Robert sendete die militairische Bedeckung nach dem Dorfe zurück , wo seinen übrigen Truppen die Nachtquartiere angewiesen waren , und Alle setzten sich in Bewegung , um den Grafen freudig zu begrüßen . Das verworrene Getöse im Hofe , das sich nun auch im Hause verbreitete , begann die Familie des Grafen zu beunruhigen . Der Graf hatte einige Male die Klingel gezogen , um von den Bedienten Auskunft zu erhalten . Da aber die Neugierde alle um die Ankommenden versammelt hatte , so erschien Niemand auf den Ruf der Glocke , und als nun auch im Vorzimmer ein lautes Geräusch von Eintretenden und klirrenden Sporen entstand , eilte der Graf mit einiger Bestürzung auf die Thüre zu , indem sie sich eben öffnete und der Graf Robert mit inniger Freude seinen Oheim zu umarmen eilte . Kaum von seiner angenehmen Ueberraschung etwas zu sich selbst gekommen , bemerkte der Graf den jungen Thorfeld , der bescheiden seitwärts stand . Er wollte ihn eben freundlich begrüßen , als er daran durch den Arzt verhindert wurde , der sich vordrängte und in doppelter Hinsicht das Erstaunen des Grafen erregte . Er hatte es nicht erwartet , daß sich der Doktor Lindbrecht von seiner Braut trennen und an dem Kriege gegen Frankreich Theil nehmen würde ; deßhalb setzte es ihn in Erstaunen , ihn in der Gesellschaft seines Vetters zu erblicken , aber mehr noch , als sein Erscheinen selbst , erregte die Art , wie er auftrat , die allgemeine Verwunderung . Der Krieg , die Gefahren der Schlachten hatten einen ganz neuen Menschen aus dem Arzte gemacht . Er hatte es angemessen gefunden , den feinen Weltton , in dessen Besitze er zu sein vermeinte , mit den freieren Sitten des Soldaten zu verbinden , wie er sich überhaupt ein kriegerisches Ansehen zu geben gesucht hatte . Ein ansehnliches Schwert hatte er um seine Hüften gegürtet , einen Stutzbart hatte er sich wachsen lassen ; sein von der Luft gebräuntes Gesicht trug er mit einer ihm sonst fremden Dreistigkeit emporgerichtet , und dieß alles machte einen so überraschend komischen Eindruck , daß selbst der Graf , wie ernst er auch in der letzten Zeit immer gestimmt war , sich des Lächelns nicht erwehren konnte . Dabei erhob der Arzt seine Stimme jetzt mehr , als früher , wodurch sie oft in ein unangenehmes Kreischen überging ; er trat fester auf als ehedem und hatte es nicht ungern , wenn Schwert und Sporen bei jeder Bewegung klirrten . Es waren endlich viele eilige Fragen von allen Seiten beantwortet worden . Der Graf hatte erfahren , daß sein Vetter ganz in seiner Nähe ein kleines Gefecht mit einem französischen Haufen bestanden hatte , der ihm seitwärts in den Schluchten , die die Berge bildeten , entkommen war , daß er sich während dieses Gefechtes von Thorfeld getrennt gefunden , aber bald durch schnell aufeinander folgende Schüsse wieder auf seine Spur geführt worden sei , und eben , als