die Schwäne ziehen , haben wir unseren Gang von der Stadt aus gemacht und unser Ziel : den Gesundbrunnen erreicht . Die Saison ist schon vorüber ; aber die Quellen sprudeln weiter und die Nachmittagssonne steht ruhig über dem Tal und wärmt mit ihren Strahlen die schon herbstesfrische Luft . Ein Kellner , der die traurige Verpflichtung hat , seine Zeit hier abzuwarten , bis die de facto bereits beendigte Saison auch de jure geschlossen sein wird , begrüßt uns , wie der Gefangene den Schmetterling begrüßt , der an seinem Fenster vorüberfliegt . Wir erschienen ihm wie Boten aus dem Lande seiner Sehnsucht . Jedenfalls ließ seine Willfährigkeit nichts zu wünschen übrig und gemeinschaftlich anfassend ward an der sonnigsten Stelle des Gartens ein Kaffeeplatz ohne Zwang und Mühe arrangiert . Die Zusammensetzung geschah aus den üblichen Requisiten : einem weißgestrichenen Tisch mit einem Riß in der Mitte und einem Stuhl mit bereits schräg gedrückter Lehne . Der Kaffee kam , die Sonne labte uns , alles war frisch und erquicklich ; nur eins ging wie ein Schatten über das heitere Bild : der Kellner stand wie angewurzelt an unserem Tisch . Ich hätte ihn wegschicken können , aber auch das schien mir untunlich . Es war ersichtlich , er sehnte sich nach dem süßen Laut menschlicher Stimme , einer Stimme , die ihn vergewissern konnte : » Kroll lebt noch und das Odeum ist kein leerer Wahn . « Ich ließ ihn also stehen und führte eine jener Unterhaltungen , die man im Laufe der Jahre , ohne Wissen und Wollen , führen lernt , und die , einen gewissen öden Mittelkurs innehaltend , dem Angeredeten das Recht gönnen , weiterzusprechen , aber zugleich durchklingen lassen : er täte besser , auf dieses Recht zu verzichten . Dieser Verzicht trat auch endlich ein , und ich war allein . Ich hatte einen prächtigen Platz inne , der Zufall war mir günstig gewesen , und dem sogenannten Kapellenberg , der das Tal schließt , den Rücken zukehrend , überblickte ich die ganze Anlage des Brunnens : den Park , die Gartenpartien , die Baulichkeiten . Diese Baulichkeiten , neuerer Anfügungen zu geschweigen , gehören drei verschiedenen Regierungszeiten an und werden danach genannt . Man unterscheidet bis diesen Tag einen kurfürstlichen , einen altköniglichen und einen neuköniglichen Flügel . An Schönheit lassen alle drei gleichviel zu wünschen übrig ; die » Kolonnade « jedoch , die sich unserer ehemaligen Stechbahn nicht unähnlich unter diesen Flügeln hinzieht , gibt , neben manchem andern , dem Ganzen einen aparten und zugleich gemütlichen Charakter und veranschaulicht uns auf einen Blick die Geschichte der verschiedenen Epochen des Bades überhaupt . Diese Geschichte ist in kurzem die folgende . Wann zuerst des Bades Erwähnung geschieht , ist nicht mit voller Gewißheit festzustellen . Leonhard Thurneysser , der bekannte Alchimist , schrieb zwar schon um 1572 » Zwischen Freienwalde und Neustadt , am Gebirge , ist ein Flüßlein , das führt Rubinlein mit sich , gar klein aber schön an Farbe « , – es bleibt indessen zweifelhaft , ob unter diesem Flüßlein das Quellgewässer des Freienwalder Gesundbrunnen zu verstehen ist . Wenigstens fehlen jetzt die » Rubinlein « , die kleinen wie die großen . Es scheint , daß man in alten Zeiten die Quelle einfach in die Talschlucht ausströmen und ihren Weg sich suchen ließ . Nur bei den armen Leuten der Nachbarschaft genoß der » Brunnen « schon damals eines gewissen Ansehens und man trank ihn als ein bewährtes Mittel gegen hartnäckiges Fieber . Was dabei wirksam war , ist schwer zu sagen . Auch Augenkranke kamen . Sie legten von dem braunen Ockerschlamm auf das Auge , und sahen nach kurzer Zeit wieder klarer und besser . Schwerlich war es der braune Eisenschlamm als solcher , der so vorteilhaft wirkte , vielmehr die anhaftende Flüssigkeit , die Eisenvitriol enthielt . Gehört doch der Zinkvitriol ( eine Art Geschwisterkind des ebengenannten Eisensalzes ) bis diese Stunde noch zu den bevorzugten Mitteln der Augenheilkunde . Jedenfalls war der Ruf und Ruhm des Freienwalder Quells allerlokalster Natur , bis 1684 die Kunde nach Berlin und bis in das kurfürstliche Schloß drang , daß in Freienwalde ein » mineralisches Wasser « entdeckt worden sei . Einige mit Fieber und Lähmung Behaftete seien gesund geworden . Der Kurfürst , bereits in seinen alten Tagen und von der Gicht schwer geplagt , schöpfte Hoffnung , daß ihm vielleicht das eigene Land gewähren möchte , was ihm so viele fremde Heilquellen bis dahin versagt hatten , und er schickte seinen Kammerdiener und Chemikus , den als Entdecker des Phosphors berühmt gewordenen Kunckel nach Freienwalde , um sich von der mineralischen Kraft des neu entdeckten Quells zu überzeugen . Der Bericht lautete günstig , und noch im selben Jahre trafen der Kurfürst und seine Gemahlin als erste Brunnengäste im Bade zu Freienwalde ein . Nun brachen glänzende Tage an . Der Ruf von der Heilkraft des Brunnens verbreitete sich bis in ferne Gegenden und im nächsten Jahre , 1685 , fanden sich eintausendfünfhundert Gäste in Freienwalde zusammen . Freilich waren es nicht samt und sonders Brunnengäste . » Der Kurfürst , der auch in diesem Jahre zur Kur erschienen war , ließ zehn Wispel Getreide verbacken und die Brote samt einer Geldbeisteuer wöchentlich zweimal verteilen « – woraus genugsam zu ersehen ist , daß die kurfürstliche Gegenwart allerhand armes Volk herbeigelockt hatte , nur um von der Mildtätigkeit des Fürsten Nutzen zu ziehen . 1686 wurde das erste und älteste » Brunnenhaus « gebaut , dasselbe , das unter dem Namen der » kurfürstliche Flügel « bis diesen Tag existiert . Dazu kamen allerhand Vorkehrungen und Einrichtungen : zwei Betstunden täglich , zwei Jahrmärkte die Woche ; eine Brunnenkapelle und ein Brunnenkoch . Was diesen letztern angeht , so hatte er die Verpflichtung , für 1 1 / 2 Sgr . ein » gutes Mittagbrot « zu liefern . Freilich nur für die Armen . Der Kurfürst tat in allem ,