umgab die endlose See das Schiff . Dann aber kam São Thiago in Sicht , und bei Praia warf die Korvette Anker , um Kohlen zu übernehmen . Robert ging auch diesmal an Land , aber der Vergleich mit Madeira , dem schönen , blühenden Madeira , fiel für die Insel Sao Thiago nicht gerade vorteilhaft aus . Das ganze Land bestand aus wildzerrissenen und zerklüfteten rötlichbraunen Felszacken , die nur an sehr vereinzelten Stellen mit einem spärlichen , unschönen Pflanzenwuchs bedeckt waren . Robert hörte , daß es hier nur zwei oder dreimal im Jahre regne . Da konnte natürlich kein Pflanzenwuchs gedeihen . Er sah aber auch nichts , das auf Ackerbau oder Tierzucht hingedeutet hätte . Die Bedeutung des Hafen beruhte allein auf der Kohlenstation , um derentwillen vorüberfahrende Schiffe die Insel überhaupt nur anlaufen . Nachdem die » Gazelle « ihren Vorrat übernommen hatte , verließ sie schon am 29. Juli , also nach zwei Tagen , den Hafen , um dafür die Negerrepublik Liberia zu besuchen . Robert sollte jetzt auch Afrika kennenlernen , Mongos Vaterland , von dessen tropischer Schönheit ihm der Alte so viel erzählt hatte und das deshalb immer schon das Ziel seiner Wünsche gewesen war . Das Königreich Dahomey mit den Ankerplätzen Palma und Lagos , lag östlicher als Liberia , das wußte er , aber es war ja dasselbe Land und mußte demnach ganz ähnlich beschaffen sein . Er freute sich schon auf den Brief , den er dem Alten aus seiner Heimat nach New York schreiben wollte . Konnte auch Mongo vielleicht nicht lesen , so gab es doch Leute genug , die ihm den Inhalt des Schreibens auseinandersetzen würden , und Robert sah schon im Geist den Neger schmunzeln : » Dieser junge Spitzbube ! « Weiter und weiter verfolgte die » Gazelle « ihren Kurs . Jetzt mußte Robert wieder einmal die glühende Hitze des tropischen Sommers ertragen ; schlaff hingen alle Segel herab , das Deck flimmerte im Sonnenschein , der Dienst wurde auf ein Mindestmaß beschränkt und den Leuten nach Möglichkeit mehr Freiheiten gestattet . Nach sechs Tagen kam die afrikanische Küste in Sicht . Vom Kap Mesurado wehte die Flagge der Negerrepublik und dann , am 4. August , erschien der Lotse . Diejenigen unter den Matrosen , die bisher noch nicht in Afrika gewesen waren und daher auch die Landessitten noch nicht kannten , wandten sich ab , um ihre Heiterkeit zu verbergen . Der Afrikaner erschien nämlich nur mit einem Lendenschurz aus Baumwollstoff bekleidet , und weil daran selbstverständlich keine Taschen angebracht waren , so trug er das Lotsenpatent in einer Blechkapsel am Hals . Seine guten Navigationskenntnisse ließen jedoch den schwankenden Respekt der Matrosen sehr bald zurückkehren , und am 5. August konnte die » Gazelle « an der Mündung des St. Paulsflusses vor Anker gehen . Wie ganz anders , wie urweltlich und ursprünglich , von Technik und Zivilisation vollständig unberührt , erschien dieses Land . Die Stadt selbst war nur ein Dorf mit ungepflasterten , unbeleuchteten Straßen , der Hafen klein und nichts weiter als eine natürliche , zum Ankern günstige Bucht , der St. Paulsfluß endlich brach unmittelbar aus dem Urwald hervor und mündete , ohne daß die Ufer befestigt oder durch eine Brücke verbunden waren , ins Meer . Überhaupt begann unmittelbar hinter den letzten Häusern der bescheidenen , dörflichen Stadt die Wildnis , so daß man mit Rücksicht auf die Gefahren , die ein Eindringen in den Urwald mit sich brachte , von einem eigentlichen Erkundungszug ganz absehen mußte , jedenfalls auf dem Land . Die Dampfpinasse der Korvette dagegen machte schon am nächsten Tage eine Fahrt auf dem St. Paulsfluß , und selbstverständlich war Robert auch hier wieder der erste , der ins Boot sprang , ohne ein Kommando abzuwarten . Der erste Offizier kannte ihn ja und wußte , daß er an solchen Streifzügen Freude hatte , während viele andere , darunter besonders Gerber , glücklicher waren , wenn ihnen unnötige Strapazen erspart blieben . Diese übrigens nur kurze Fahrt durch den Urwald gehörte später zu Roberts schönsten Erinnerungen , und auch Doktor Hüsker , der Zoologe , der als Wissenschaftler an der Reise teilnahm , erfreute sich einer reichen Ausbeute wunderschöner Schmetterlinge und verschiedener , auf der Oberfläche des Wassers lebender Insekten , besonders Spinnen und Käfer , die hier in vielen Arten vorkamen . Der Fluß war zu breit , als daß man von seiner Mitte aus beide Ufer gleichzeitig beobachten konnte ; die Pinasse hielt sich daher auf einer Seite , aber auch hier gab es genug Interessantes und Schönes zu sehen . Ein Stück von der Stadt entfernt lagen ab und zu unter Palmen die leichtgebauten Hütten der Neger , während im Freien dicht davor jedesmal aus großen Steinen ein Herd errichtet war und über einem Holzfeuer der Eisenkessel mit Palmenkernen brodelte . Die Bereitung des Palmöls ist fast das einzige , was an Arbeit von der schwarzen Bevölkerung geleistet wird und womit sie sich etwas Geld verdient . In diesen Breiten wächst beinahe alles , was die Menschen brauchen , wild im Urwald . Was sollte also die Schwarzen bewegen , zu arbeiten ? Es gibt am Äquator keinen Frost , keinen Winter , man braucht keine schützenden Wände und keine wärmenden Kleider , man kennt keinen Luxus , also wozu die Mühe , die Sorge ? Blühende Mimosen und Akazien , ein Gewirr von Schlingpflanzen mit wunderschönen , glockenförmigen oder langgestielten lilienartigen Blüten , schlanke Palmen , Bananen- , Brot- und Parabäume säumten das Ufer , das sich einmal steil aus dem Wasser erhob , dann wieder flach und von grünem Moos überzogen den Fluß begrenzte . Robert sah Nashornvögel und manchmal eine träge im Sonnenschein daliegende zusammengerollte Schlange , aber ein größeres Raubtier war ihm noch nicht zu Gesicht gekommen . Hätte er doch an Land gehen und mit einigen Kameraden das Jagdglück versuchen dürfen ! Aber daran war nicht zu denken . Noch am selben Tage