sich die oft aufgefangnen Hunnen nicht mehr allein hinauswagen ; er führt nur vierhundert Mann . « » Es werden nun die drei Eidbrüder am Grab der Fulvier einen Hinterhalt von tausend Mann gegen Belisar legen . « - » Das verdient wirklich den Schuh ! « sagte Cethegus und warf ihm denselben zu . » König Witichis wird indessen nur einen Scheinangriff machen lassen auf das Tor Sankt Pauls , die Gedanken der Unsern von Belisar abzulenken . Ich eile nun also zu Belisar , ihm zu sagen , wie du mir aufgetragen , daß er drei Tausend mit sich nimmt und jene gegen ihn Verschwornen vernichtet . « » Halt ! « sagte Cethegus ruhig , » nicht so eilfertig ! Du meldest nichts . « » Wie ? « fragte Syphax erstaunt . » Ungewarnt ist er verloren ! « » Man muß dem Schutzgeist des Feldherrn nicht schon wieder , nicht immer ins Amt greifen . Belisar mag morgen seinen Stern erproben . « » Ei , « sagte Syphax mit pfiffigem Lächeln , » solches gefällt dir ? Dann bin ich lieber Syphax , der Sklave , als Belisarius , der Magister Militum . Arme Witwe Antonina ! « Cethegus wollte sich auf das Lager strecken , da meldete Fidus , der Ostiarius : » Kallistratos von Korinth . « » Immer willkommen . « Der junge Grieche mit dem sanften Antlitz trat ein . Ein Hauch anmutiger Röte von Scham oder Freude färbte seine Wangen : es war ersichtlich , daß ihn ein besonderer Anlaß herführte . » Was bringst du des Schönen noch außer dir selbst ? « so fragte Cethegus in griechischer Sprache . Der Jüngling schlug die leuchtenden Augen auf : » Ein Herz voll Bewunderung für dich : und den Wunsch , dir diese zu bewähren . Ich bitte um die Gunst , wie die beiden Licinier und Piso , für dich und Rom fechten zu dürfen . « » Mein Kallistratos ! was kümmern dich , unsern Friedensgast , den liebenswürdigsten der Hellenen , unsre blutigen Händel mit den Barbaren ? Bleibe du von diesem schweren Ernst und pflege deines heitern Erbes : der Schönheit . « » Ich weiß es wohl , die Tage von Salamis sind ferne wie ein Mythos : und ihr eisernen Römer habt uns niemals Kraft zugetraut . Das ist hart - aber doch leichter zu tragen , weil ihr es seid , die unsre Welt , die Kunst und edle Sitte verteidigt gegen die dumpfen Barbaren . Ihr , das heißt Rom , und Rom heißt mir Cethegus . So faß ich diesen Kampf und so gefaßt , siehst du , so geht er wohl auch den Hellenen an . « Erfreut lächelte der Präfekt . » Nun , wenn dir Rom Cethegus ist , so nimmt Rom gern die Hilfe des Hellenen an : du bist fortan Tribun der Milites Romani wie Licinius . « » In Taten will ich dir danken ! Aber eins noch muß ich dir gestehn - denn ich weiß : du liebst nicht überrascht zu sein . Oft hab ' ich gesehen , wie teuer dir das Grabmal Hadrians und seine Zier von Götterstatuen ist . Neulich hab ' ich diese marmornen Wächter gezählt und zweihundertachtundneunzig gefunden . Da macht ' ich denn das dritte Hundert voll und habe meine beiden Letoiden , die du so hoch gelobt , den Apollon und die Artemis , dort aufgestellt , dir und Rom zu einem Weihgeschenk . « » Junger lieber Verschwender , « sprach Cethegus , » was hast du da getan ! « » Das Gute und Schöne , « antwortete Kallistratos einfach . » Aber bedenke - das Grabmal ist jetzt eine Schanze « - » Wenn die Goten stürmen - « - » Die Letoiden stehen auf der zweiten , der innern Mauer . Und soll ich fürchten , daß je Barbaren wieder den Lieblingsplatz des Cethegus erreichen ? Wo sind die schönen Götter sichrer als in deiner Burg ? Deine Schanze ist mir ihr bester , weil ihr sicherster Tempel . Mein Weihgeschenk sei zugleich ein glücklich Omen . « » Das soll es sein , « rief Cethegus lebhaft , » und ich glaube selber : dein Geschenk ist gut geborgen . Aber gestatte mir dagegen - « » Du hast mir schon dafür erlaubt , für dich zu kämpfen . Chaire ! « lachte der Grieche und war hinaus . » Der Knabe hat mich sehr lieb , « sagte Cethegus , ihm nachsehend . » Und mir geht ' s wie andern Menschentoren : - mir tut das wohl . Und nicht bloß , weil ich ihn dadurch beherrsche . « Da hallten feste Schritte auf dem Marmor des Vestibulums , und ein Tribun der Milites ward gemeldet . Es war ein junger Krieger mit edeln , aber über seine Jahre hinaus ernsten Zügen . In echt römischem Schnitt setzten die Wangenknochen , fast im rechten Winkel , an die gerade , strenge Stirn : in dem tief eingelassenen Auge lag römische Kraft und - in dieser Stunde - entschlossener Ernst und rücksichtsloser Wille . » Siehe da , Severinus , des Boëthius Sohn , willkommen , mein junger Held und Philosoph . Viele Monate habe ich dich nicht gesehen - woher kommst du ? « » Vom Grabe meiner Mutter , « sagte Severinus mit festem Blick auf den Frager . Cethegus sprang auf . » Wie ? Rusticiana ? meine Jugendfreundin ! meines Boëthius Weib ! « » Sie ist tot , « sagte der Sohn kurz . Der Präfekt wollte seine Hand fassen . Severinus entzog sie . » Mein Sohn , mein armer Severinus ! Und starb sie - ohne ein Wort für mich ? « » Ich bringe dir ihr letztes Wort - es galt dir ! « » Wie starb sie ? an welchem Leiden ? « - » An Schmerz und Reue . «