Lanci trotzig , aber mich könnt Ihr nicht halten ; ich bin des Wildmeisters Bursche , gehöre gar nicht in dies Schloß und verlange , daß Ihr mich augenblicklich ungehindert fortlaßt . Fort ? brüllte der Pater , fort ? Eher wollte ich Dich mit eigenen Händen erdrosseln , als Dich fortlassen , Du Bube , den ich schon hätte zertreten müssen , als Du , Dich schlafend stellend , vor dem Bette Deines alten heuchlerischen Oheims lagest . Ha ! wenn ich denke , daß er Dich herließ , daß Du ihm nicht entsprungen bist , ha , welch ' ein schnöder Verrath ahnet mir dann , und wie zur rechten Stunde bin ich da gekommen , Euch alle zu vernichten ! Das soll Euch schwer werden ! schrie Lanci , sich aus den Händen der zitternden Margarith losreißend , den Pater bei Seite stoßend und wie ein Pfeil durch die Thür in den langen Gang entspringend . Eben so schnell flog Margarith nach der Thür und suchte sie vor dem nachdringenden Pater wenigstens augenblicklich zu verschließen , um Lanci einen kleinen Vorsprung zu gönnen . Aber ihre Kräfte reichten gegen die des Paters nicht aus , und Lady Maria eilte ihr nicht zu Hülfe , obwol sie sich von ihrem Lager erhoben hatte ; denn lieber wollte sie das Kommende ertragen , als in ein persönliches Handgemenge mit dem verachteten Manne gerathen . So unterlag Margariths Widerstand nur zu bald , und nun setzte das Geschrei des Paters dem armen Lanci schneller nach , als es sein schwerfälliger Schritt vermochte . Bald sah sich der unglückliche Jüngling von mehreren herbeigerufenen Aufpassern des Schlosses ergriffen und zu einem der festen Zimmer geführt , welche gelegentlich dienten , die aufzunehmen , die dem Zorne des Paters oder der Lady verfallen waren . Indessen blieben die beiden unglücklichen Frauen in einem Zustande von Kummer zurück , den beide nach ihrer Art äußerten . Während Margarith in Verzweiflung die Hände rang , blickte Maria stumm und ohne Worte vor sich nieder , und fühlte die völlige Verödung , die nach großen Gemüthserschütterungen uns das Gefühl gänzlicher Hoffnungslosigkeit läßt . Jeden Augenblick erwarteten sie ihren Peiniger zurückkehren zu sehen , und eine Stunde nach der andern schlich träge in dieser bangen Erwartung dahin , ohne ihn oder einen Andern herbei zu führen . Mittag war vorüber , Beide fingen an , aus der ersten Betäubung zu erwachen , Margariths Thränen hörten auf zu fließen , Maria begann ihre Lage aufs Neue zu betrachten , und die Nähe eines Wesens , das für sie sorgte und handelte , wie sie auch bedroht war , ihm entführt zu werden , unterließ doch nicht , einiges Leben in ihr aufzuwecken . Da seufzte Margarith schwer auf und trat vom Fenster zurück , woran sie sich so lange gelehnt hatte . Denn tief unten an dem kleinen Vorsprunge der natürlichen Bucht , in der das Schloß lag , sah sie das Segel-Boot rüsten und Pater Johannes mit dem alten Küsten-Schiffer , der seine Leute antrieb , im eifrigen Gespräche begriffen . Der Plan wird also ausgeführt werden , rief hier Maria mit neuem Schmerz , als auch sie sich von jenen Vorkehrungen am Ufer überzeugt hatte , und ehe mich die väterliche Liebe meines Wohlthäters erreichen kann , werde ich ihm entrissen , auf immer nach einem fremden Lande entführt , wo mir Tod oder ewiges Gefängniß droht , und kein Arm der Liebe mich mehr erreichen wird . Welch ' ein unerklärlich trauriges Loos ist mir beschieden , und wer bin ich , daß selbst Fremde sich die Hand zu bieten scheinen , mich zu verfolgen und in einer grauenvollen Abgeschiedenheit zu erhalten ? Warum giebt man mir nicht lieber den Tod , als mich so langsamen Qualen preiszugeben ? O Margarith , armes Wesen ! was wird aus Dir werden , und wie habe ich Dein und Lanci ' s Schicksal zu Euerm Unglück mit in das meine verflochten ! - O denkt nicht an uns , theure Lady , rief hier weinend Margarith , denkt doch nur , ob wir nicht entkommen können , da uns doch außerhalb des Schlosses Hülfe harrt . Ich kann die Möglichkeit nicht finden , erwiederte Maria ängstlich umherblickend ; Du weißt , wie alle Ausgänge bewacht sind , und wie man in diesem Augenblicke auf uns beide Acht haben wird . Dazu kömmt , daß es Tag ist , daß man uns hier nicht lassen wird , bis die Nacht eingebrochen , und doch wäre der einzige Ausweg zu entkommen sicher nur , wenn uns die Nacht deckte . Ihr meint auf dem Wallwege , den der Vater Euch so oft geführt hat , sagte Margarith , ja , hundert Mal habe ich daran schon gedacht , aber wie sollen wir die kleine eiserne Thür öffnen , da alle Schlüssel des Vaters längst in die Hände des neuen Kastellans übergegangen sind , der sie alle , wie Gold im Beutel , an seinem Gürtel trägt . Dies ist also auch nicht möglich , sprach Maria , und wir wollen uns trösten , da das Gelingen dennoch sehr zweifelhaft bliebe ; denn der Schloßgarten liegt noch innerhalb der Schloßmauer , obgleich ein Theil derselben wahrscheinlich wegen der Hirten und der Weide in den Gräben abgetragen ist . So ist es allerdings , erwiederte Margarith . Außer meinem Vater , glaube ich , kannte auch Niemand diese Verbindung mit dem Schlosse , und ein Entkommen wäre sicher möglich , hätten wir nur den Schlüssel . Nach einigem Nachdenken rief Lady Maria , plötzlich aufstehend : Und doch , Margarith , versuchen müssen wir es . Laß uns jetzt gleich die Thür untersuchen , was kann uns geschehen , wenn man uns entdeckt ? Uebleres , als man schon vor hat , schwerlich , und wer kann mir wehren , die Freiheit zu suchen , die Niemand ein Recht hatte mir zu rauben ? Sie erhob sich , doch war ihr