den Rechtsfreund des Oheims in der Standesherrschaft abgesendet worden , dort das Gewölbe für die Leiche auftun zu lassen , und sie so dem Hasse und den wütenden Naturkräften zu entrücken , welche sich hier gegen ihre letzte Rast verschworen zu haben schienen . Traurig und langsam rückte der schwarzbehangne Wagen in kleinen Tagereisen gegen die Grenze jenes adlich gewesenen Gebietes vor , welches nun die eingefallnen und geschloßnen Augen des bürgerlichen Erwerbers nicht schauten , wo keiner dem neuen Herrn mit verehrendem Gruße entgegenkam . Aber in der Nähe des Schlosses erhielt der Verblichne Gesellschaft ; auch der Herzog befand sich auf dem letzten Wege zur Gruft seiner Ahnen . Man hatte , die Bestattung möglich zu machen , die Herzogin unter einem Vorwande zu entfernen gewußt , und jene , sobald man erfuhr , daß auch der Oheim dort ruhen solle , beeilen wollen , um fertig zu sein , wenn diese zweite Leiche einträfe . Allerhand Zufälligkeiten verzögerten indessen die Ausführung der Anstalten , und so kam es , daß die beiden Züge in dem breiten Wege , welcher nach dem Erbbegräbnisse führte , zusammentrafen . Der Prediger trat mit dem herzoglichen Kaplane in kurze Beratung , und beide Männer , von einer religiösen Empfindung erschüttert , ordneten an , daß der Tod keinen Vortritt gewähren , sondern seine stillen Untertanen mit gleichen Rechten empfangen solle . Weg und Pforte waren geräumig genug , zwei Särge nebeneinander aufzunehmen , und so gingen die Gegner einträchtig zusammen in die dunkle Wohnung ein . Nach diesen Entscheidungen des Todes und der Nacht wandten sich die Hinterbliebnen in das Leben zurück . In den Fabriken trat aus den Vorstehern eine Kommission zusammen , welche die Geschäfte in der bisherigen Weise und im Geiste des Verblichnen fortzusetzen sich bemühte . Auf dem Schlosse des Standesherrn wurde von ihren Bevollmächtigten inventarisiert , auf Feldern und Waldgründen vermessen . Die Maschinen begannen wieder zu klappern , die Arbeiter ihre Packen auf den gewohnten Wegen zu tragen , in den Comptoirs schrieb und rechnete man wie früher . Wenn sie sich nun aber fragten , wer der Herr der unermeßlich angewachsenen Güter sei , und für wen alle diese Arbeit geschehe , so war die Antwort von der Art , daß sie , selbst nach allen den wunderbaren und erschreckenden Fügungen des Zufalls , noch staunen machen mußte . Wie man sich wenden mochte , die Lage der Sache ließ sich nicht bestreiten . Der Oheim war ohne Testament , kinder- und geschwisterlos gestorben , und Hermann als Neffe daher ohne allen Zweifel sein nächster , gesetzlicher und rechtmäßiger Erbe . An Verderben und Untergang mag niemand , der seine Hände rüstig bewegt , denken ; wie jedoch unter einem solchen Eigentümer ein fast unübersehlicher Besitz , das weitverzweigteste Geschäft sich steigern , ja nur sich notdürftig erhalten lassen sollte , mußte dem klügsten menschlichen Auge verborgen bleiben . Wilhelmi war angekommen . Auch ihn bewegten die Ereignisse tief , als er ihren Gang und Zusammenhang vernahm . Er meinte einen Augenblick , Hermanns Abspannung durch die plötzliche Nachricht von dem märchenhaften Glücke , welches ihn betroffen , aufzurütteln , aber vergebens . Hermann empfing die Meldung , daß er nun ein Millionär sei , wie etwas Bekanntes , woran er , wie er sagte , gleich bei dem Absterben des Oheims gedacht habe . Neuntes Kapitel Der Oheim war kaum einige Monate tot , als die Folgen einer Verwaltung durch mehrere bereits sichtbar zu werden begannen . Obgleich der Verstorbne in den letzten Tagen seines Lebens nur wenig persönlich eingegriffen hatte , so war er doch der Mittelpunkt alles Wirkens und Schaffens gewesen , in ihm bestand eine Autorität , durch welche das Zweifelhafte entschieden , jedes Wagnis gerechtfertigt wurde . An einer solchen obersten Gewalt fehlte es nunmehr gänzlich , es zeigte sich hier , was in den Welt- und Staatsverhältnissen immer eintritt , wenn ein großer König oder ein Held von hinnen geht , und sein Werk von den Stellvertretern weitergeführt werden soll . Unendlich ist der Abstand tüchtiger Ausführung von dem Blitze der Erfindung . Man zagte oder hazardierte , und verlor durch beides . Die Verluste erzeugten Mißmut und Anklage , aus solchen übeln Stimmungen entsprangen Sonderungen und Parteien , jeder glaubte am besten zu tun , wenn er nur in seiner Sphäre isoliert-tätig sei , und darüber kam bald der Zusammenhang des Ganzen abhanden , welcher doch allein den Gedanken des Oheims erhalten konnte . Schon erklärte einer und der andre , daß er sein Schicksal weiter zu suchen gedenke , und alle fühlten sich von einer Gemeinschaft bedrückt , die noch vor kurzem ihr Stolz gewesen war . Inmitten dieser Einbußen und Spaltungen lebte der Herr der Reichtümer sein dämmerndes Pflanzenleben fort . Man war übereingekommen , so lange als nur möglich ihn für geistig gesund gelten zu lassen , um die Einmischung des Staats , die alle als das größte Übel fürchteten , abzuhalten . Seine Unterschrift mußte daher jedes wichtigere Geschäft bekräftigen ; er gab sie , ohne zu fragen , was er unterschreibe ? Nur die große Rechtlichkeit aller dieser Leute verhinderte , daß sich schlimmes Unheil an ein so seltsames Verfahren heftete . Aus der Predigerwohnung war er wenige Tage nach dem Tode des Oheims in das Haus gezogen , welches ja nun das seinige war . Dort lebte er in stillen Hinterzimmern , den ganzen Tag über lesend , schreibend oder mit sich selbst redend . Vor dem Verkehr mit unbekannten Menschen hegte er eine große Scheu , und mied deshalb die Gemächer nach der Straße , während er dagegen mit den Hausgenossen sich leicht und zutraulich zu benehmen wußte . Diese wichen ihm aber aus , wo sie konnten ; seine Erscheinung war ihnen zuwider , und sie vergaben ihm den Tod ihres Herrn nicht . Nur Cornelie ging leise und mild neben ihm her , sorgte für seine Bedürfnisse , ohne gleichwohl irgendeine tiefere Bewegung blicken zu lassen . Unvermutet