das Vergehen einer unnatürlichen Tochter aufzudecken habe ; allein ich rede vor Männern , und die Wahrheit soll man sagen ohne Menschenfurcht . Eure Tochter Wallrade , von Haß entbrannt gegen eine Stiefmutter , die ihr Erbe und Vaterliebe zu schmälern schien , hat Euer Kind aus Willhild ' s , der Pflegerin Hütte gestohlen , und mit sich gen Worms geführt auf ihrer Fahrt gen Costnitz . Dort hat sie den Knaben ausgesetzt dem Mangel und der Hülflosigkeit , ihn schlafend auf der Straße verlassen . Gott wollte , daß dieser Mann das Kind finden mußte , und sich dessen annahm , und der Jude , der den wohlbekannten Sohn einer Frau , die ihn im Handel günstig stets bedacht hatte , in dem Buben entdeckte , säumte nicht , ihn zu erkaufen , und der zum Tod betrübten Mutter heimzubringen . Zu den Füßen derselben hatte sich indessen die trostlose Willhild geworfen , und sie angefleht , ihre Sorglosigkeit nicht dem Zorne des Vaters Preis zu geben . Um der Verzweifelnden zu schonen , und des Vaters Herz nicht zu brechen , schwieg die barmherzige Mutter , und verbarg ihren Gram in sich . Allein ihr Gebet war eifrig , und blieb nicht unerhört . Aus den Händen eines verworfenen Hebräers ließ er für Euer Haus das Heil erwachsen , und den Knaben wieder hervorgehen . Und als endlich durch Wallradens Erscheinen im Vaterhause der leise genährte Verdacht , daß sie des Knaben Räuberin gewesen , bestätigt wurde durch ihr Erschrecken bei seinem unverhofften Anblick , durch des Kindes Sträuben gegen sie , die ihn mißhandelt hatte , und durch dessen eigne kindliche Geständnisse , ... da zeigte sich dafür die Tugend Margarethens in ihrem schönsten Lichte . Sie verbot der eifrigen Willhild , die Euch , edler Schöffe , in ' s Geheimniß ziehen wollte , jede Einmischung : sie verzieh großmüthig der bittenden Feindin nach den Worten des Heilands : Segnet , die Euch fluchen ! thuet denen Liebes , die Euch Böses gethan ! - Sie schwieg um nicht des Vaters Herz von der Tochter zu reißen , und ahnte nicht , daß der unseligste Argwohn so bald ihren Frieden trüben würde . Verkannt duldete sie jede Kränkung und schwieg , und floh lieber das Haus ihres Eheherrn , um nicht vor den Schranken des Gerichts eine Tochter anklagen zu müssen , die sie lieben möchte . Da aber nun plötzlich die Dinge und der böse Handel dieser Juden eine solche bedauerliche Wendung nehmen , und das ehrliche Haus eines wackern Altbürgers mit in den Strudel der Verworfenheit hinab zu reißen drohten , konnte und mochte ich nicht länger schweigen , und entdecke , um die Abwesende zu vertheidigen , lieber frei und offen , was sie mir , nicht unter dem Siegel der Beichte , wohl aber im engsten Vertrauen längst geoffenbart . « Der Mönch hielt inne mit seiner Rede , die er mit stürmischem Eifer vorgetragen hatte , und alle Anwesende schwiegen eine Weile . Diether sah starr auf den Knaben , der sich an die grobe Kutte des Mönchs schmiegte , der Oberstrichter kaute an den Nägeln , der Schultheiß lehnte sich mit vornehmer Geberde , ein ungläubiges Lächeln auf dem Antlitze , in den Sessel zurück . - » Und was sagst Du , Jude ? « fragte der Oberstrichter endlich den harrenden Ben David . Dieser zuckte die Achseln , und entgegnete : » Was fragt Ihr doch nach meinem Gezeugnisse , gestrenger Herr , da schon der gelehrte und heilige Mann dort gezeugt hat , und geredet ? Ich bin nur ein schlechter Jud ; aber auch unsre Leute glauben alle an die vom Stamme Levi . « - » Welche Widersprüche ! « rief der Schultheiß : » Mit Erlaubniß , hochwürdiger Herr ; allein wie mag ' s geschehen , daß der Jude geschwiegen bis jetzt ? « - » Das möge er selbst verantworten ; « versetzte Reinhold mit scharfem Seitenblicke auf Ben David . Der Letztere nahm auch alsobald das Wort : » Ich habe gehandelt recht , da ich den Buben zurückgab der Mutter , und das Recht ist ein gut Kopfkissen im Thurme sogar . Ich habe auch immer gehofft , wir würden seyn gerettet durch der ehrsamen Frau Margarethe Beistand , und nicht verlassen hätte uns diese Zuversicht bis zum Ende . Darum habe ich nicht genannt ihren Namen vor dem Gericht , weil ein edler Name nicht gehört davor . « - » Schurke ! « murmelte Gerhard zwischen den Zähnen : » ich wollte , mein Name wäre auch hier nicht genannt worden . « - » Ihr habt freilich nicht am Vortheilhaftesten Euch ausgezeichnet , « meinte der Oberstrichter : » allein ohne Euer Zeugniß wäre das Ganze nicht enthüllt worden , denn niemand , auch Frau Margarethe nicht , konnte ahnen , daß von diesem Knaben gerade die Rede sey , in der Anklage gegen die Juden . Aber , erklärt uns lieber , Junker voll Hülshofen , wie es wohl geschehen seyn mag , daß der Sohn des ehrsamen Schöffen , der junge Dagobert , den kleinen Stiefbruder nicht erkannte , da er doch bei dem Funde gegenwärtig gewesen , wie Ihr behauptet habt . « - » Ei Herr , « antwortete Gerhard , begierig , sich so schnell als möglich aus dem Handel zu wickeln , der einen überraschend guten Ausgang für ihn darzubieten schien : » das geschah am Martinsabend , wo wir alle nicht recht im Stande gewesen wären , unsre Väter und Mütter zu erkennen , geschweige denn unsre Brüder . Daß der Jude den Buben erkannte , - am folgenden Tag nemlich , - das glaube ich recht gern ; er war betroffen ; aber die Hoffnung , Gewinn zu ziehen , machte ihn schweigen , damit ich ihm nicht etwa zuvorkäme ; ich begreife das . « - » Der Herr weiß , wie wir handeln ; « fügte