einziger Lebensstrahl wie aus einem Auge hinter dem Gebürg in die Welt zückte - um den alten Albaner rauchten hundert glühende Wolken , als gebäre sein kalter Krater wieder einen Flammentag , und die Adler flogen mit goldnen , in die Sonne getauchten Flügeln langsam über die Wolken . - Plötzlich stand der Sonnengott auf dem schönen Gebürg , er richtete sich auf im Himmel und riß das Netz der Nacht von der bedeckten Erde weg ; da brannten die Obelisken und das Coliseum und Rom von Hügel zu Hügel , und auf der einsamen Campagna funkelte in vielfachen Windungen die gelbe Riesenschlange der Welt , die Tiber - alle Wolken zerliefen in die Tiefen des Himmels , und goldnes Licht rann von Tuskulum und von Tivoli und von Rebenhügeln in die vielfarbige Ebene , an die zerstreueten Villen und Hütten , in die Zitronen- und Eichenwälder - im tiefen Westen wurde wieder das Meer wie am Abend , wenn es der heiße Gott besucht , voll Glanz , immer von ihm entzündet und sein ewiger Tau . In der Morgenwelt lag unten das große stille Rom ausgebreitet , keine lebendige Stadt , ein einsamer ungeheuerer Zaubergarten der alten verborgnen Heldengeister , auf zwölf Hügel gelegt . - Der menschenlose Lustgarten der Geister sagte sich durch die grünen Wiesen und Zypressen zwischen den Palästen an und durch die breiten offnen Treppen und Säulen und Brücken , durch die Ruinen und hohen Springbrunnen und den Adonisgarten und die grünen Berge und Götter-Tempel ; die breiten Gänge waren ausgestorben ; die Fenster waren vergittert ; auf den Dächern blickten sich die steinernen Toten fest an - nur die glänzenden Springwasser waren rege , und eine einzige Nachtigall seufzete , als sterbe sie zuletzt . » Das ist groß , « ( sagte endlich Albano » daß unten alles einsam ist und man keine Gegenwart sieht . Die alten Heldengeister können in der Leere ihr Wesen treiben und durch ihre alten Bogen und Tempel ziehen und oben an den Säulen mit dem Efeu spielen . « » Nichts « ( versetzte die Fürstin ) » mangelt der Pracht als diese Kuppel , die wir auf dem Kapitolium gar dazu sähen . Aber nie werd ' ich diese Stelle vergessen . « » Was wär ' es sonst mit allem ! « ( sagt ' er ) » Ohnehin gehen die flachen Gegenden des Lebens ohne Merkmal vorüber , aus mancher langen Vergangenheit schlägt kein Echo zurück , weil kein Berg die breite Fläche stört ! - Aber Rom und diese Stunde neben Ihnen leben ewig in uns . « » Albano , « ( sagte sie ) » warum muß man sich so spät finden , und so früh trennen ? Dort geht Ihr Weg neben der Tiber her , Gott gebe in kein verschlingendes Meer ! « » Und dort geht Ihrer über die hellen Berge « , sagt ' er . Sie nahm seine Hand , denn sein Ton war so bewegt und bewegend . Göttlich leuchtete die Welt von den dunkeln Frühlingsblumen bis zum hellen Kapitol empor , und die Horen-Glocken tönten herauf - die Freudenfeuer des Tags loderten auf allen Höhen - das Leben wurde weit und hoch wie die Aussicht - sein Auge stand unter der Träne , aber keiner trüben , sondern unter jener , wo es wie das Weltauge unter dem Wasser sonnig glänzt und höhere Farben hat , welche die trockne Welt verzehrt . - Er drückte ihre Hand , sie seine . - » Fürstin , Freundin , « ( sagt ' er ) » wie acht ' ich Sie ! - Nach dieser heiligen Stunde trennen wir uns - ich möchte ihr ein unvergängliches Zeichen geben und meinem Vater ein kühnes Wort sagen , das mich und meine Achtung ausspräche und das wohl manche Rätsel lösete . « Sie schlug das Auge nieder und sagte bloß : » Dürfen Sie wagen ? « - » O verbieten Sie es nicht ! « ( sagte er ) » So manches Götterglück ging durch eine zaghafte Stunde verloren . Wenn soll denn der Mensch ungewöhnlich handeln als in ungewöhnlichen Lagen ? « Sie schwieg , den Morgenlaut seiner Liebe erwartend , und beide gingen im fortgesetzten Handdruck von der hohen Stelle herab . Albans Wesen war eine bebende Flamme . Die Fürstin begriff nicht , warum er noch diesen Frühlingston verschiebe ; er erriet sie ebensowenig , ungeübt , die Weiber und deren halbe abgeteilte Wörter zu lesen , diese Bildergedichte , halb Gestalt und nur halb Wort . - Gleichsam als wäre ein Adler aus seinem Morgenglanz herabgeflogen und hätte als ein Raub-Genius die Flügel über seine Augen geschlagen : so hatt ' ihn der leuchtende Morgen so sehr verblendet , daß er wagen wollte , jetzt in der Abschiedsstunde zwischen seinem Vater und der Fürstin der Mittler durch ein Wort zu werden , das beiden die Scheidewand zwischen ihrer Liebe wegzöge . Vieles wandt ' ihm seine Zartheit dagegen ein , aber gegenüber einem wichtigen Ziele verabscheute er nichts so sehr als zagende Vorsicht ; und Wagen hielt er für einen Mann so viel wert als Gewinnen . Die Fürstin , mißverstehend , doch nicht mißtrauend , folgte ihm in des Vaters Haus , mit einer Erwartung - kühner als seine - , er bekenne vielleicht gar dem Ritter die Liebe gegen sie . Sie fanden den Vater allein und sehr ernst . Albano fiel ihm , wiewohl er dessen Abneigung gegen körperliche Herzenszeichen kannte , um den Hals mit den halb erstickten Worten des Wunsches : » Vater ! Eine Mutter ! « - Zu diesem kindlichen Verhältnis hatte sich sein bisheriges gehoben und gereinigt . » Gott , Graf ! « rief die Fürstin , über Albano bestürzt und entrüstet . - Der zornfunkelnde Ritter ergriff voll Entsetzen eine Pistole , sagte : » Unglückliches - « , aber ehe man nur wußte , auf wen von drei Menschen er sie