seinen Reichthum freuen konnte . Ueberhaupt betrachtete der alte gute Herr den treuen Burschen sammt seinem Raben , der ihm schimpfend und scheltend auf Schritt und Tritt überallhin nachfolgte und mit Federvieh und Hunden auf leidlich gutem Fuße lebte , als eine Art Vermächtniß von mir . Ich kann mir so recht vorstellen , wie er ihn auf seine Art verzog , bin und wieder sich in eine Unterhaltung über mich mit ihm einließ und ihn unter Recitirung aller nur denkbaren militairischen Flüche noch nachträglich für sein kluges und tapferes Benehmen vor dem Feinde belobte . Der arme ehrliche Anton dagegen , wie er sich dann wohl freute , und wie er sich bestrebt habe mag , seinem wohlwollenden Gebieter seine Anhänglichkeit und Dankbarkeit zu beweisen ! Der Rabe war bei solchen Gelegenheiten natürlich der Dritte im Bunde und soll mit dem Oberstlieutenant stets um die Wette geflucht und mit Anton um die Wette gelacht haben . Das kluge Thier hatte nämlich , wie mir mein Vormund mittheilte , zum größten Entsetzen seiner guten Lisette , sehr bald alle Flüche und sonstigen derben Lieblingsausdrücke des alten Herrn , die er des Tags wohl zwanzigmal hörte , auswendig gelernt , und zwar nicht nur die Worte , sondern auch den schnarrenden Ton , in welchem dieselben in die Welt geschickt wurden . Ueber Letzteres erklärte mir der Oberstlieutenant seine besondere Zufriedenheit , indem er dadurch in den Stand gefetzt sei , frei von der Leber zu sprechen und , wenn seine Lisette ihn wirklich einmal aus der Ferne belauscht habe und ihm , unter Hinweisung auf das Fegefeuer , seine rauhen Soldatenmanieren vorwerfe , alle unheiligen Bezeichnungen dem gottlosen Jakob zur Last zu legen . Derartig waren also die häuslichen Verhältnisse auf der Oberförsterei , auf welcher der alte treuherzige Krieger bis an das Ende seiner Tage den nach allen Richtungen hin freundlich und wohlthuend wirkenden Mittelpunkt bildete . Daß Anton auf der Oberförsterei ein so gutes Unterkommen gefunden hatte , gereichte ihm auch noch in anderer Beziehung zum Glück . Wer weiß , wäre er im Hause seiner Mutter geblieben , dann hätte er in der schrecklichen Katastrophe , welche über die einsame Hütte , oder vielmehr deren Bewohner und Besucher hereinbrach , vielleicht ebenfalls seinen Untergang gefunden . – In den ersten Wochen nach meiner Flucht herrschte also in Anton ' s elterlicher Hütte ein Ueberfluß , wie wahrscheinlich noch nie , seit ihrer Gründung . Doch nicht allein dort , sondern auch in den umliegenden Schänken , wo nur immer der böse Andres sich zeigte , erhielt man die untrüglichsten Beweise , daß es ihm nicht an Gelb mangle und er dasselbe am allerwenigsten seiner Betriebsamkeit verdanke . Er spielte , er feierte nächtliche wilde Gelage mit seinen Gesinnungsgenossen , er veranlaßte blutige Raufereien , und dabei führte er solch übermüthige Reden über die Unerschöpflichkeit seines Reichthums , daß sogar die nächsten Behörden Argwohn gegen ihn faßten und ihn durch die Gensdarmen schärfer beobachten ließen . Diesen gegenüber war er indessen zu listig ; er berief sich darauf , seine Geldmittel von einem reichen Manne , dem er einen großen Dienst geleistet , empfangen zu haben , und da er sich standhaft weigerte , einen Namen zu nennen , so gewann das Gerücht , daß er mir bei meiner Flucht behülflich gewesen sei , unter den Leuten immer mehr Glauben . Man konnte ihm aber nichts beweisen und beschränkte sich daher vorläufig darauf , ihn und sein Treiben aufmerksamer zu beobachten . Wer hätte auch geahnt , daß er , der bekannte gewissenlose Vagabonde in so naher Beziehung zu den beiden frommen Priestern stehe , die noch immer in dem nahen Kirchdorf wohnten , dort mit zündendem Glaubenseifer die Menschen zur Beichte und Buhe ermahnten und darauf hinwiesen , wie Gott seine verirrten und ihm entfremdeten Schafe selbst auf ihrem Sterbebett noch zu finden und der von ihm einzig und allein eingesetzten wahren Religion in den Schooß zu führen wisse ? Wer hatte ferner geahnt , daß diese frommen Männer gezwungen waren , durch klingende Münze das tiefste Schweigen von Dem zu erkaufen , den sie so lange als ihr Werkzeug benutzt hatten , und dem ein geschworener Eid nicht heiliger war , als ihnen selber , wenn sie dadurch ihren Zwecken zu genügen hofften ? Aber sie hatten sich getäuscht , getäuscht ebensowohl über die Tragweite ihrer Lehren und ihrer religiösen Androhungen , wie über den Charakter des wilden Andres , an dessen verstocktem Gemüth Lehren wie Drohungen gleich machtlos abprallten . – Die ersten Kränze , welche man auf Johanna ' s frischen Grabhügel gelegt hatte , waren , wenn auch von der Herbstluft gebleicht , doch noch nicht vollständig verwittert , als die beiden Priester endlich Anstalt trafen , eine Gegend zu verlassen , in welcher sie sich , des bösen Andres und seiner unverschämten Forderungen wegen , nicht mehr ganz heimisch fühlen mochten . Möglich ist es auch , daß des Oberstlieutenants Haß und die wenig schmeichelhaften Urtheile , welche öffentlich über sie zu fällen er sich nicht scheute , mit zu ihrem Entschluß beigetragen hatten , oder daß sie von ihren Oberen , deren Zufriedenheit sie sich durch einen gewissen Mangel an Geschicklichkeit schwerlich erworben haben konnten , zurückberufen wurden . Genug , sie bereiteten sich im Stillen zur Abreise vor , und um weniger Aufsehen zu erregen begab sich der Aeltere von ihnen , derselbe , der einst als Bernhard ' s Onkel aufgetreten war , mit ihren Sachen einige Tage früher auf den Weg , es seinem Genossen anheimstellend , zu gelegener Zeit nachzufolgen . – Es war ein kalter , aber klarer Novemberabend , an welchem Bernhard aufzubrechen gedachte . Gegen Niemand hatte er ein Wort über seine Absicht geäußert , aus Besorgniß , die Kunde von seiner Abreise würde den wilden Andres erreichen und dieser ihm in Folge dessen vorher noch einen Besuch abstatten . Aus denselben Gründen scheute er sich auch , einen Wagen zu miethen . Er